Annotiert: MARX-Handbuch

Von Prof. Dr. Kurt Schneider

Nach dem Kant-Handbuch von Gerd Irrlitz und dem Habermas-Handbuch von Hauke Brunkhorst u.a. (Hrsg.) hat der J. B. Metzler Verlag bereits vor einiger Zeit das von 33 Autoren verfasste und von Michael Quante sowie David P. Schweikard herausgegebene „Marx-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung“ verlegt.

Die Herausgeber betonen, dass die vielfältigen Krisen, die die gesellschaftliche und politische Lage in Deutschland, in Europa und weltweit charakterisieren, „für eine ungebrochene Aktualität des Denkens von Karl Marx“ sprechen. Die Wirkung des Marx‘schen Werkes sei nicht nur dadurch bestimmt, von Anfang an und immer im Kontext gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen rezipiert und angeeignet worden zu sein, sondern auch dadurch, dass es sich auf viele wissenschaftliche Disziplinen erstreckt. Ein Grund hierfür sei, „dass Marx selbst sein Projekt einer umfassenden Kritik der kapitalistischen Gesellschaftsformationen als ein genuin interdisziplinäres begriffen und auch betrieben hat“.

Der Band besticht durch seine gelungene handbuchartige Gliederung und ist bestens geeignet, sich näher mit Marx zu befassen. Dank seiner inhaltlichen und methodologischen Gestaltung kann es sowohl als Lehrbuch als auch in gewissem Sinne als lexikalisches Nachschlagewerk dienen. Vorangestellt ist ein umfassender biographischer Abriss, mit einem eingefügten Exkurs zu Friedrich Engels. Danach werden, ausgehend von der Dissertation und den Vorarbeiten, überblicksmäßig die Marx‘schen philosophischen Schriften behandelt, worauf die Betrachtung des Programms der Kritik der politischen Ökonomie folgt, um mit den politischen Schriften den ersten Teil des Bandes abzuschließen. Der nachfolgende Teil ist Marxens philosophischen und politisch-ökonomischen Grundbegriffen sowie den zentralen philosophischen Konzeptionen der Marx‘schen Theorie gewidmet. Dazu wird in treffender Weise vermerkt: „Ein System des Wissens ist für Marx immer ein Ganzes, in dem die Teile sinnvoll und vollständig einen zusammenhängenden Komplex bilden, in dem alles voneinander abhängig ist. Der Grund ist, dass die Wirklichkeit ein zusammenhängendes Ganzes darstellt.“

Der letzte Teil behandelt Grundfragen der Marx-Interpretation, darunter Marx als Gerechtigkeits- und Entfremdungstheoretiker sowie als Kritiker der politischen Ökonomie, und die seiner philosophischen Strömungen, bis zur Ausstrahlung in andere Wissenschaftsdisziplinen, von denen vierzehn betrachtet werden. Die marxistischen Realisierungsversuche werden am Beispiel von W. I. Lenin und Mao Zedong mehr oder weniger angedeutet.

Der Anhang informiert über die vorliegenden Werkausgaben, enthält eine Auswahlbibliographie, ein Verzeichnis der Autorinnen und Autoren sowie das Personenregister.

Michael Quante / David P. Schweikard (Hg.), unter Mitarbeit von Matthias Hoesch: Marx-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung. J.B. Metzler Verlag 2016. 446 Seiten, 49,99 Euro. ISBN 978-3-476-02332-2