Wenn Pflege Pflege braucht

Von Kathleen Noack

Der Kreisverband DIE LINKE. Erzgebirge lud am 22. März nach Zöblitz zum Pflege-Stammtisch mit Susanne Schaper, MdL und u. a. stellvertretende Vorsitzende der Enquete-Kommission „Sicherung der Versorgung und Weiterentwicklung der Qualität in der Pflege älterer Menschen im Freistaat Sachsen“. Interessierte Genoss*innen, Bürger*innen sowie Mitarbeiter der Träger verschiedener Einrichtungen informierten wir vorab per Postkarte und Einladung. Begrüßen durften wir Genoss*innen, Bürger*innen und den Prokuristen der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge gGmbH. Nach Einleitung des Kreisvorsitzenden Holger Zimmer und vielen Informationen von Susanne Schaper entstand eine interessante Gesprächsrunde.

Was sind Gründe für den Pflegenotstand in unserer Region? Sachsen hat durch seinen hohen Altersdurchschnitt vergleichsweise viele Pflegebedürftige und ist im Pflegebereich Niedriglohnstandort. Zudem erschweren Gesetzesänderungen mit noch mehr Dokumentationsaufwand die Arbeit. Ein Problem ist auch die bessere Vergütung in den alten Bundesländern während und nach der Ausbildung, die viele junge Pfleger*innen weglockt.

Was kann man noch tun, um bei uns mehr Fachkräfte anzusiedeln? Die Infrastruktur attraktiver gestalten: Kitaplätze sind rar, Betreuungszeiten starr, Schulen in benachbarten Orten und der ÖPNV nicht kompatibel mit Dienstzeiten. Nicht nur Schichtdienst, Arbeit an Wochenenden und Feiertagen, auch Bereitschaftsdienste über 24 Stunden und geteilte Dienste stellen organisatorische Probleme dar, gerade wenn familiäre Unterstützung fehlt. Kitas öffnen erst nach Frühdienstbeginn, schließen am späten Nachmittag. Betreuungszeiten gehören an Dienste angepasst und auch Bus oder Bahn müssen Pflegende rechtzeitig zum Dienst und wieder nach Hause bringen.

Neben höherer Vergütung sollten auch Aufstiegschancen den Beruf attraktiver machen. Die Spezialisierung der Ärzte nimmt zu, die Pflege hingegen macht alles, obwohl ein dementer Patient einen anderen Pflegebedarf als ein an Krebs Erkrankter hat. Zahlen zeigen: 25 Prozent der Auszubildenden brechen ab, Ausgebildete bleiben nur etwa acht Jahre im Beruf. Eine Pflegekraft hat im Durchschnitt die Verantwortung für 13 Patienten. Laut Informationen der Krankenkasse BKK bewerten 40 Prozent der Pflegekräfte ihre Arbeitsfähigkeit als mäßig bis schlecht (in den Kliniken ein Drittel). Es fallen im Jahr durchschnittlich 24 Krankheitstage an, in anderen Branchen nur 16 Tage. Alles in allem demotiviert die derzeitige Situation, sorgt für hohe Krankenstände und weitere Berufsausstiege.

70 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Alle Angehörigen, die zu Hause pflegen, verdienen ein riesengroßes Dankeschön! Sie erfahren eindeutig zu wenig Unterstützung. Da sie meist nicht mehr voll arbeiten können, wäre hier eine Art Betreuungsgeld angemessen. Sie opfern sich auf, verzichten auf Freizeit, müssen finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. Beratungsstellen sind notwendig, um beispielsweise Antworten auf die folgenden Fragen zu geben: Welche Ansprüche hat man? Was kommt auf einen zu, wenn der Pflegegrad beurteilt werden soll, was, wenn das Gutachten dann nicht den tatsächlichen Pflegeaufwand spiegelt?

Weiterhin muss unsere Pflegeversicherung zu einer Pflegevollversicherung (und das gern auch durch Steuergeld!) werden und nicht nur „Teilkasko“ sein. Sonst werden die Kosten für höhere Löhne auf die zu Pflegenden umgelegt und somit Pflegende und Gepflegte gegeneinander ausspielt. Sinnvolle Gesetzesänderungen sind also notwendig!