SOS – Affenalarm

Deutsche Autokonzerne führten ohne Kenntnis der Öffentlichkeit Abgastests an Affen und Menschen durch. Von Frederic Beck, Büro MdEP Cornelia Ernst

In der Causa Dieselgate, so konnte man lange glauben, gab es einfach nichts mehr zu „toppen“. Doch weit gefehlt. Jüngst deckte ein journalistischer Rechercheverbund auf, dass die größten deutschen Autobauer mittels der von ihnen gegründeten „Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“ (EUGT) eine Studie in Auftrag gaben, welche die Schädlichkeit der von den Fahrzeugen emittierten Stickoxide messen sollte.

Rechtlich schien zunächst alles sauber, denn die Ethikkommissionen der Universität Aachen und der betroffenen US-amerikanischen Uni, an welcher die Tests durchgeführt wurden, gaben grünes Licht. Skandalös ist allerdings, dass mit dieser Studie der Beweis dafür erbracht werden sollte, dass auch die manipulierten – also die Grenzwerte weit übersteigenden – Abgaswerte keine Beeinträchtigung der Gesundheit mit sich bringen würden.

Die Studien wurden in den Jahren 2013 und 2014 durchgeführt. Während die deutsche Untersuchung nur gefördert, nicht aber von der EUGT beauftragt wurde und sich vor allem um mögliche Beeinträchtigungen am Arbeitsplatz drehte, steht die in den USA durchgeführte Studie in einem direktem Zusammenhang mit dem Dieselskandal. Bei dieser Studie wurden zehn Javaneraffen in eine luftdichte Kammer gepfercht. Dort mussten sie stundenlang die toxischen Stoffe einatmen. Wie es den Tieren danach gesundheitlich erging, ist nicht bekannt.

Diese Tests hatten keinen tieferen wissenschaftlichen Sinn. Es ging Volkswagen nur darum, beweisen zu können, dass auch höhere Abgaswerte keine Gefahren für die Menschen darstellen. Es war wohl das Ziel, so weitermachen zu können wie bisher und keine echten Veränderungen im Unternehmen vornehmen zu müssen.

Offiziellen Angaben zufolge sollen die Konzernspitzen nicht über diese Art Tests informiert worden sein. Laut neuesten Erkenntnissen war dies jedoch sehr wohl der Fall. Dies belegen interne E-Mails und Protokolldokumente. Der Cheflobbyist des Wolfsburger Volkswagenkonzerns musste als erstes Bauernopfer bereits seinen Hut nehmen. Thomas Steg übernahm im gleichen Atemzug auch die volle Verantwortung für die beschriebenen Vorgänge. Unternehmenschef Müller entschuldigte sich für das Geschehene.

Bleibt zu hoffen, dass nun das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Oder erwarten uns noch weitere Zumutungen? Gab es gar Tests an Menschen?

Deshalb fordert DIE LINKE weiterhin, dass VW bedingungslos alle relevanten Dokumente offenlegt, die im Zusammenhang mit dem Abgasskandal stehen und die Chefetage sich konsequent und ehrlich um Aufklärung der Vorwürfe bemüht. Des Weiteren halten wir den Druck auf deutsche und europäische Politiker*innen hoch, die Einfluss auf die nationalen und internationalen Aufklärungsprozesse besitzen. Es geht darum, dass die Entscheider*innen in Brüssel und Berlin begreifen, dass sie im Sinne der Verbraucher*innen eine sinnvolle und nützliche Lösung erzielen müssen. Generell stehen wir Versuchen, welche Qualen für Menschen und Tiere nach sich ziehen, ablehnend gegenüber.

Da die betreffenden Firmen nicht von sich aus den Schritt an die Öffentlichkeit gegangen sind, wird der bisherige Eindruck untermauert, dass für echten Wandel in der Unternehmenskultur kein Platz ist.

Dossier zu den Entwicklungen nach dem Ende des Untersuchungsausschusses des Europäischen Parlaments zum Abgasskandal: www.gleft.de/2an