„Z.“ zum Marx-Geburtstag mit Schwerpunkt Arbeit und Ausbeutung

Von Volker Külow

Das neue Heft der marxistischen Vierteljahres-Zeitschrift Z. ist Anfang März pünktlich erschienen. Es hat den Schwerpunkt „Arbeit und Ausbeutung“ und ist aus naheliegenden Gründen zugleich dem 200. Geburtstag von Karl Marx gewidmet. Schon im Editorial wird die entsprechende Schlüsselfrage formuliert, die Marxistinnen und Marxisten in aller Welt in diesem Jahr besonders umtreibt: „Es ist die nach der Aktualität des Marx’schen Denkens und der Fähigkeit seiner heutigen Anhänger, die inneren Widersprüche der globalen kapitalistischen Entwicklung adäquat zu fassen und eine Kapitalismuskritik zu entwickeln, die Zugänge zu dessen Überwindung und eine Perspektive eröffnet, ‚alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes Wesen ist’.“

Das aktuelle Heft behandelt zunächst praktische und theoretische Aspekte von Arbeitskämpfen sowie Arbeit und Ausbeutung: Arbeitskämpfe um Arbeitszeit, Lohn und Arbeitsbedingungen werden in praxisnahen Beiträgen von Gewerkschaftssekretären sowie Betriebs- und Personalräten analysiert. Das inhaltliche Spektrum der zumeist recht kurzen Artikel reicht dabei vom jüngsten Metallerstreik über „traumhafte Postgewinne“ bis zu den Klassenkämpfen in de globalen Bekleidungsindustrie.

Unter dem Rubrum „Marx 200“ melden sich ausgewiesen Fachleute wie Klaus Müller, Erik Olin Wright, Harald Werner, Heinz-Jürgen Krug, Marcus Schwarzbach und Rolf Schmucker zu polit-ökonomischen, soziologischen und sozialstrukturellen Aspekten von Ausbeutung im heutigen Kapitalismus zu Wort.

Neben dem Schwerpunkt enthält die neue Ausgabe auch zwei Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Thomas Kuczynski hinterfragt unter der Überschrift „Inwertsetzung der Natur oder Wertrevolution?“ kritisch eine zentrale Fragestellung im Konzept des „grünen Kapitalismus“. Winfried Schwarz stellt die Neuedition der „Deutschen Ideologie“ im unlängst erschienenen MEGA-Band I/5 vor, der mit Text und Apparat 1894 Seiten umfasst. Zu Lebzeiten von Marx und Engels wurden von den für eine zweibändige Publikation vorgesehnen und heute noch erhaltenen 18 Texten nur zwei gedruckt. Im Vergleich zur Edition im blauen MEW-Band 3 gibt es eine Vielzahl von Änderungen und Umstellungen bei der Textpräsentation. Aufbauend auf einer 80 Jahre währenden Editionsgeschichte repräsentiert MEGA I/5 den neuesten Forschungsstand. Schwarz zeichnet diesen Erkenntnisgewinn in stringenter Form nach und geizt auch nicht mit Anekdoten am Rande: Es ist eben ein Unterschied, ob das berühmte Zitat richtigerweise „… morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren“ lautet oder falsch entziffert wird („auch das Essen zu kritisieren). Und natürlich ist es auch ein gewichtiger Unterschied, ob es in der ersten MEGA noch heißt: „Gibt keine Kritik der Lebensverhältnisse“ oder richtigerweise jetzt neu „Liebesverhältnisse“.

Mit Blick auf die 1968-Bewegung und deren 50. Jahrestag 2018 enthält das Heft Wolfgang Abendroths 1978 erstmals erschienenen Artikel „Der Weg der Studenten zum Marxismus“. Sehr lesenswert ist darüber hinaus der Beitrag von Dieter Boris „Populismus… und kein Ende“. Die Artikel von Kerstin Artus, Kai Wagner, Thomas Metschner und Jens Grandt können aus Platzgründen hier nur erwähnt werden. Wie immer enthält Z. im letzten Teil eine Zeitschriftenschau, Tagungsberichte und eine Vielzahl von Buchbesprechungen. Nicht zuletzt damit leistet das März-Heft wieder einen gewichtigen Beitrag zur pluralistischen, undogmatischen Erneuerung marxistischen Denkens, für den der Redaktion um André Leisewitz herzlich zu danken ist.

Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, N. 113 (März 2018), 224 Seiten, Einzelheftbezug 10 Euro. Bestellungen über redaktion@zme-net.de oder www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de