Kein Einheitsbrei, sondern Trennkost

Michael Zock über die Ausstellung „Formgestaltung in der DDR“ im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Um es gleich anfangs festzustellen: Der Besuch dieser Ausstellung lohnt. Man kann sie ohne Nöte im Kalender planen, denn bis zum 14. Oktober besteht an allen Tagen (außer montags) eine Möglichkeit. Die Überschrift kam mir während des Presserundgangs in den Sinn. „Kein Einheitsbrei in der DDR“, diese Bemerkung hörte ich mehrmals. Und die „Trennkost“ ist, nach meiner Ansicht, bei den vielen Exponaten sofort, manchmal erst auf den zweiten Blick, zu erkennen.

Ich erinnere: Ost und West verfolgten über 40 Jahre konträre gesellschaftliche Ziele. Und: Der wunderbare Begriff „Formgestaltung“ verkam westlicherseits zum „Design“. Gestalten und Formen war das anspruchsvolle Arbeitsmuster und der Auftrag für das am 1. Februar 1972 gegründete „Amt für industrielle Formgestaltung“. Das dafür notwendige, interessante Gesetzblatt ist, stark vergrößert, in der Ausstellung zu entdecken und nachzulesen. Schon beim Presserundgang bemerkte ich, dass der Geburtsjahrgang mancher Kollegen die Haltung zu dem Gesehenen stark beeinflusste. Ich vermute, ähnlich wird es den zahlreichen Besuchern gehen. Mein Tipp: Ältere können manches erklären, auch beim originellen Spielzeug aus Omas Zeiten, will sagen, ein Besuch ganz in Familie lohnt. Der Eintritt ist frei!

Fotoapparat „Penti II“, Stereo-Radio-Recorder „SKR 100“, Farbfernsehgerät „Chromat“, Standmixgerät „Elektromix 76“, Schreibmaschine „Erika“, Koffernähmaschine „Freia“: Alles über die Jahrzehnte kein Einheitsbrei, ich setze diese Aufzählung nicht fort, denn der erkenntnisreicher Rundgang dauert, je nach Interesse, garantiert zwei Stunden. Auch unser Fotograf hatte da die Qual der Wahl. Man muss die Arbeitsgeräte, Konsumgüter, Fahrzeuge, Büromöbel, den Hausrat und Sportgeräte möglichst nah betrachten … und sich erinnern … oder den Kopf schütteln. Genickt habe nicht nur ich über den wichtigen Fakt, dass die DDR-Exponate oft viel langlebiger konstruiert waren als seinerzeit „drüben“ und nunmehr auch „hüben“. Warum wohl? Die Antwort liegt auf der Hand. Profit!

Übrigens: In meiner jetzigen Küche und im Wohnbereich gibt es noch DDR-Formgestaltung. Und sie „spielt“ noch immer. Ihr fehlen wohl die inzwischen üblichen, teuren „Sollbruchstellen“! Im letzten Raum der Exposition können alle Besucher unter etwa 50 Begriffen abstimmen. Die Frage lautet: „Was zeichnet gute Formgestaltung aus?“ Ich entschied mich für fünf Punkte. Finden Sie die ihrigen. Es gibt in der Ausstellung einen handlichen gelben Katalog mit nützlichen Details zu erwerben, und der fragt: „Alles nach Plan?“