„Man muss selber brennen, wenn man auf andere zündend wirken will“

Prof. Dr. Horst Schneider erinnert an Max Seydewitz, der am 19. Dezember 1882 geboren wurde

Sachsen, die sich um ihre Heimat sorgen, können stolz sein auf jene „Aktivisten der ersten Stunde“, die im Mai 1945 inmitten der Trümmer und verzweifelter Menschen das Heft des Handelns in die Hand nahmen. Sie waren nicht von Machtstreben und Geldgier getrieben, sie wirkten für ihr geliebtes Land. Zu ihnen gehörten Dr. Rudolf Friedrichs erster Ministerpräsident, Otto Buchwitz, erster Landtagspräsident und Max Seydewitz, Friedrichs Nachfolger im Amt. Hier soll an Max Seydewitz erinnert werden.

Von Beruf Buchdrucker, wuchs er in der Weimarer Zeit in der SPD zum Volkstribun, der gegen Rüstung und Kriegsvorbereitung kämpfte. Als die SPD mit der Müller-Regierung mit der Zustimmung zum Panzerkreuzerbau 1928 öffentlich auf den Kriegskurs einschwenkte, gründete Max Seydewitz mit anderen „linken“ Sozialdemokraten (wie Willy Brandt) die Sozialistische Arbeiter Partei. Sie wurde kaum wirksam. Im Januar 1933 setzten Monopolisten und Generale Hitler auf den Thron. Für Max Seydewitz begann die bittere Zeit der Emigration. Weil er von Schweden aus den Widerstand gegen Hitlerdeutschland fortsetzte, wurde er 1942 eingesperrt, aber auch im Gefängnis Lund setzte er seinen publizistischen Widerstand gegen Hitler fort.

Nach dem Kriegsende führte der Weg von Max Seydewitz über verschiedene Zwischenstationen in seine geliebte Wahlheimat Sachsen zurück. Nach dem Herztod von Ministerpräsident Friedrichs im Juni 1947 wurde von den zuständigen Gremien Max Seydewitz als Nachfolger auserkoren. Das war ein Glücksfall für Sachsen. Als überzeugter Verfechter der Arbeitereinheit war er inzwischen Mitglied des Parteivorstands der SED geworden. Max Seydewitz war ein Redner, der begeistern und überzeugen konnte. Er war ein Organisator, der seinen „Apparat“ effektiv einsetzte. Und er war in Kunst und Literatur hoch gebildet. Die Dresdner Kulturwelt betrachtete ihn als einen der Ihren. ln seine Amtsjahre fielen Aktionen, die die Volkswirtschaft ankurbelten, wie „Max braucht Wasser“, an der Zehntausende Jugendliche mitwirkten; der Wiederaufbau des Zwingers; die Widerherstellung des Schauspielhauses; die Rückkehr jener 1.240 Gemälde aus der Dresdner Galerie, die sich seit 1945 in Moskau und Leningrad befanden. Dieses glanzvolle Kapitel Dresdner Kulturgeschichte ist ohne die Würdigung der aufopferungsvollen Arbeit Max Seydewitz nicht denkbar.

Nach der Aufgliederung der Länder in Bezirke und eine schwere Erkrankung (Lungenriss) musste sich Max Seydewitz bei der Arbeit zurückhalten. Als 1955 ein Generaldirektor für die Dresdner Kunstsammlungen gesucht wurde und sich zeigte, dass Max Seydewitz wieder arbeitsfähig war, fiel die Entscheidung zu seinen Gunsten. Heute würde posaunt, Seydewitz erreichte den Gipfel seiner Karriere, den Professorentitel und manche internationale Anerkennung. Max Seydewitz arbeitete für den Ruf und Ruhm der Kunststadt Dresden. Wer eifert ihm nach, dem Ehrenbürger?