In Sachsen fehlen hunderte Hausärzte

Von Susanne Schaper

„Wir nehmen keine neuen Patienten mehr auf. Bitte wenden Sie sich an die Kassenärztliche Vereinigung.“ Diesen Hinweis bekommen Bürgerinnen und Bürger immer häufiger zu hören oder zu lesen, wenn sie einen Hausarzt aufsuchen. Doch anstatt mit uns Lösungen zu erarbeiten und unsere Vorschläge sachlich zu diskutieren, lehnt die Staatsregierung jeden unserer Anträge arrogant ab. Und das, obwohl nach Angaben des Sozialministeriums mehr als 200 Hausärzte in Sachsen fehlen. In 22 von 47 Planungsbereichen drohe sogar Unterversorgung, vor allem im Vogtland, im Erzgebirge, in der Oberlausitz und in weiteren ländlichen Gebieten. Ein von der sächsischen Staatsregierung in Auftrag gegebenes Gutachten zur ärztlichen Versorgung bis 2030 offenbart, dass drei Viertel der Hausärzte in Sachsen 50 Jahre alt oder älter sind. Das bedeutet, dass sich die Situation weiter verschärft und auch Großstädte künftig nicht vom Hausarztmangel verschont bleiben werden.

Das von der Staatsregierung initiierte Stipendienprogramm ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dadurch können Medizinstudenten 1.000 Euro monatlich für 75 Monate erhalten, wenn sie sich verpflichten, im Anschluss an das Studium eine Facharztweiterbildung zum Allgemeinmediziner zu absolvieren und dann in eigener Niederlassung im ländlichen Raum zu arbeiten. Angesichts der Versorgungslücke und des hohen Durchschnittsalters der praktizierenden Allgemeinmediziner sind die Absolventenzahlen jedoch zu gering (Kleine Anfragen 6/4919 und 6/8808).

Doch nicht nur Patienten beklagen diesen Zustand. Der Hilferuf kommt aus der Ärzteschaft selbst. Sie findet kaum Nachfolger für ihre Praxen, so dass viele gezwungen sind, länger zu arbeiten – was oft eine Einschränkung des Leistungsangebots, also der Öffnungszeiten und Hausbesuche bedeutet – oder ihre Praxis letztendlich zu schließen.

Doch neben den Folgen für Patienten und Ärzte hat dieser Zustand auch negative Auswirkungen auf Pflegebedürftige. Sie müssen in Krankenhäusern verbleiben, wenn sie keinen Hausarzt haben, der die Anschlussversorgung übernimmt. Medikamente erhalten sie für maximal drei Tage vom Krankenhaus und müssen somit immer wieder die Klinik aufsuchen, wenn sie zwischenzeitlich keinen Allgemeinmediziner finden, der ihnen ihre Medikamente verschreibt. Das bedeutet unnötigen Mehraufwand für die Betroffenen und mit den Kosten der Stipendienprogramme und Förderprogramme für die Niederlassung im ländlichen Raum gesamtgesellschaftliche Zusatzkosten für alle.

Die CDU sollte gemeinsam mit allen demokratischen Fraktionen Lösungen erarbeiten. Unserer Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch. Dazu zählen etwa eine stärkere Zusammenarbeit aller gesundheitspolitischen Akteure, bessere Rahmenbedingungen für innovative Praxismodelle und mobile Angebote, der Aufbau neuer Weiterbildungsstrukturen, mehr Studienkapazitäten im Bereich Humanmedizin oder Vereinbarungen mit den Universitäten, das Fach Allgemeinmedizin noch stärker in der Ausbildung zu berücksichtigen. Nicht zuletzt kann eine sektorenübergreifende Planung und Versorgung, die etwa durch noch mehr Medizinische Gesundheitszentren („Polikliniken“) ambulante und stationäre Strukturen verzahnt, helfen.