Unternehmen haben soziale Verantwortung!

Von Sabine Zimmermann

„Ein Unternehmen muss zum Wohlergehen und Fortschritt der Gesellschaft beitragen – nicht nur kurzfristig, sondern nachhaltig im Interesse zukünftiger Generationen.“ Dieses Zitat stammt nicht etwa von einem linken Politiker oder Gewerkschafter, sondern von Joe Kaeser, dem Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG. Es ist in einer aktuellen Broschüre des Konzerns zu finden.

Für die Beschäftigten der Siemens-Werke in Leipzig und Görlitz, die im Rahmen eines weltweiten Stellenabbauprogramms geschlossen werden sollen, müssen diese Worte der blanke Hohn und ein Schlag ins Gesicht sein.

Sie zeigen die Doppelmoral vieler heutiger Manager, die ihre Unternehmen gerne als Hort sozialer Verantwortung und als der Gesellschaft verpflichtet inszenieren. Dies aber nur so weit, wie es dem Image des Unternehmens nutzt, etwa wenn es darum geht, Fördergelder und öffentliche Aufträge abzugreifen oder allgemein den Umsatz zu steigern.

In Wahrheit zählt für immer mehr Manager nur das Ziel, die Kapitalinteressen zu bedienen und grenzenlose Profite zu realisieren. Der Gewinn muss schließlich jedes Jahr gesteigert werden. Doch grenzenloses Wachstum kann es nicht geben. Das spielt aber für die heutige Profitgier keine Rolle. Der Siemens-Konzern legt zwar ein Rekordjahr mit Milliardengewinn hin, schließt aber Standorte aus dem Kraftwerksbereich, weil sich in diesem Segment vermutlich in Zukunft nicht mehr so leicht Geld verdienen lässt. Anstatt die Standorte neu auszurichten, entsorgt man sie gewissermaßen als Restmüll und die Arbeitsplätze gleich dazu. Diese Vorgehensweise ist an Verantwortungslosigkeit nicht zu überbieten.

Leider wiederholen sich ähnliche Muster in den letzten Jahren immer wieder. Bundes- oder Landesregierung schauen diesem Treiben ungerührt zu oder lassen sich bestenfalls zu halbherzigen symbolischen Erklärungen hinreißen. Unternommen wird natürlich nichts. Doch damit muss endlich Schluss sein. Solchen Geschäftspraktiken muss ein Riegel vorgeschoben werden. Massenentlassungen und Standortschließungen bei profitablen Unternehmen müssen gesetzlich untersagt werden. Gleichzeitig muss es aber auch um einen gesellschaftlichen Wandel gehen, dass ein solches Vorgehen von Unternehmen geächtet wird und sich auch bei diesen ein Bewusstseinswandel einstellt, dass man nicht tun und lassen kann, was man will, wenn es um Kapitalinteressen geht. Dazu braucht es natürlich gewerkschaftlichen und öffentlichen Druck, den wir als LINKE unterstützen.

Für Sachsen wäre es bitter, wenn ein weiteres Mal gute Arbeitsplätze unwiderruflich verloren gehen würden. In den vergangenen Jahren sind viele Betriebe oder Standorte großer Unternehmen von der Bildfläche verschwunden. Einen großen Kampf der sächsischen Landesregierung konnte man selbst mit viel gutem Willen nicht erkennen. Es muss aber das Mindeste sein, dass die Regierung mit allen Mitteln um die Arbeitsplätze kämpft, auch wenn sie natürlich nicht der Arbeitgeber ist. CDU und SPD müssen sich daran messen lassen, ob sie gute Arbeit in Sachsen halten und schaffen. Da sieht es bislang dürftig aus.