Warum rechts? Der Versuch einer Erklärung

Von Juliane Esser

Wieso sympathisieren immer mehr Menschen mit Rechtspopulist*innen? Warum gewinnen Parteien wie die AfD und Bewegungen wie Pegida immer mehr Menschen, wo doch die rechtsextreme NPD nie eine solche Massenmobilisierung erreichte? Diesen Fragen nahm sich der Politikwissenschaftler und Psychologe Prof. Thomas Kliche von der Hochschule Magdeburg-Stendal auf der vierten fds-Akademie in der Leipziger Villa Rosental an.

Sein Schwerpunkt sind politische Ängste. Dieses Wissen macht Kliche zum Experten für (Rechts-)Populismus. Vom Rechtsextremismus unterscheide sich Populismus, indem weniger Wert auf tatschliche politische Inhalte gelegt wird. Vielmehr lebten populistische Strömungen von Emotionen wie Verbundenheitsgefühlen, Wut und Enttäuschung. Momentan wird das klassische Parteiengefüge schwächer und besonders das Jahr 2015 zeigte anhand der „Flüchtlingskrise“, dass die Parteien überfordert waren. Die Menschen erlitten einen Globalisierungsschock. Besonderer Wert wird in solchen Situationen auf das Festhalten an Bewährtem das Abgeben von politischer Verantwortung gelegt. Einige Menschen wünschen sich laut Kliche in Krisensituationen eine starke Persönlichkeit, die ein Gefühl von Sicherheit und Führung vermittelt und den Hass gegen politische Gegner wieder salonfähig macht. Statt konkrete Auswege aus der Krise aufzuzeigen, wird gegen „die da oben“ gehetzt.

Doch welche Gründe haben Menschen nun, Rechtspopulist*innen zu folgen? Kliche unterscheidet drei Motivationen. Erstens scheint vielen die Idee einer Verantwortungsarmut zu gefallen, wobei sie wenig Interesse oder Verantwortung für Politik zeigen müssen. Hier übernehmen die Populist*innen und verkaufen ihren Anhänger*innen Politik verständlich, gefühlsbezogen und konsumbereit. Die zweite Motivation ist das Gefühl, gesellschaftlich abgehängt worden zu sein. Die rechtspopulistische Bewegung setzt sich vermeintlich für die Ausgebeuteten und Vergessenen ein und nutzt dazu in ihrer Argumentation (deutsche) Nationalität als Anspruch auf gewisse Leistungen oder Privilegien. Als dritte Motivation bleibe zu sagen, dass Studien zeigen, dass ungeachtet aller gesellschaftlichen Gegebenheiten immer zwischen 12 und 18 Prozent der Bevölkerung rechte Überzeugungen wie beispielsweise Rassismus oder Homophobie teilen.

Rechtspopulist*innen wie die AfD oder Donald Trump versprechen also eine Aufwertung des „Wir-Gefühls“ und stellen ein einfaches Weltbild bereit. Sie suggerieren Kontrolle durch eine Störungsmacht, in Form von Protestwahlen. Populist*innen versprechen ihren Wähler*innen Politik als „Gefühlsgenuss“ und entwickeln sich aus affektiven Beweggründen zu einer Protestbewegung, resümierte Kliche.

Was können wir als Linke nun angesichts des Rechtsrucks tun? Keine einfache Frage, für die Professor Kliche auch keine Patentlösung hatte. Trotzdem versuchte er Handlungsempfehlungen auszusprechen. Er bemängelte an den mittig-links stehenden Parteien interne Streitigkeiten und die Unfähigkeit, konkrete Gesellschaftsentwürfe zu entwickeln, die sich konkret umsetzen lassen. Die Linke solle sich mit nicht-parlamentarischen und inhaltlich nahen Bewegungen besser vernetzen und sich politisch offener aufstellen, um ein breites linkes Bündnis anzustreben.

Nach Kliches Vortrag begannen die Zuhörer*innen zu diskutieren, wobei eine Frage in allen Gesprächen mitschwang: Wie soll man es schaffen, den Mut nicht zu verlieren und andere von einer sozialen, linken Gesellschaft überzeugen? Der Experte hatte kein Allheilmittel gegen politischen Pessimismus, er ging jedoch fest davon aus, dass es sich lohnt, für seine Ideale einzustehen. Eines weiß Kliche ganz bestimmt: „Die politische Situation kann sich immer verändern und es ist an uns allen, sich außerhalb der Parteikategorien zu vernetzen, interne Auseinandersetzungen beizulegen und immer weiter mutig mit Lösungsverschlägen zu jonglieren“.