Vor 110 Jahren geboren: Otto Brenner

Von Prof. Dr. Kurt Schneider

Der am 8. November 1907 in Hannover geborene Otto Brenner gehörte zu den linken Kräften der deutschen Arbeiterbewegung, insbesondere der IG-Metall. Bereits mit 13 Jahren trat er in die „Sozialistische Arbeiterjugend“ (SAJ) ein und wurde wenige Jahre danach Mitglied der SPD. Doch bereits 1929 wurde er wegen seines Protestes gegen den Panzerkreuzerbau, der von der Führung der SPD Unterstützung erfuhr, aus der Partei ausgeschlossen. Seiner sozialistischen Überzeugung treu bleibend, gründete er zusammen mit anderen aus der SPD ausgeschlossenen Kampfgefährten die „Sozialistische Arbeiterpartei“ (SAP) und wurde deren Bezirksleiter für Hannover.

Engagiert trat Brenner gegen den sich formierenden Faschismus auf und leistete nach dessen Machtergreifung illegale Widerstandsarbeit. Als er Ende August 1933 mit seinem Bruder Kurt von der Gestapo verhaftet wurde, nahm er die alleinige Verantwortung auf sich. Ein faschistisches Sondergericht in Hamm verurteilte ihn wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zwei Jahren Zuchthaushaft.

Nach dem Krieg schloss er sich wieder der SPD unter der Führung von Kurt Schumacher an und wurde einer ihrer Ratsherren in Hannover und niedersächsischer Landtagsabgeordneter. Nahezu gleichzeitig erfolgte seine Wahl zum Landesvorsitzenden der Wirtschaftsgruppe Metall in Niedersachsen. Die von ihm geleiteten Arbeitskämpfe, so im Dezember 1946, zielten auf die Vergesellschaftung der Produktion und auf eine Wirtschaftsdemokratie, gekennzeichnet durch „das volle Mitbestimmungsrecht der Arbeiter und Angestellten im Betrieb und in der Wirtschaft“. Von Anbeginn in Opposition gegen den Hauptvorstand der Gewerkschaft stehend, sah er in der „Demokratisierung der Gewerkschaft“ das derzeit „oberste Ziel“. 1947 wurde er zum Bezirksleiter der IG-Metall Hannover und schließlich 1952 zunächst gemeinsam mit Hans Brümmer zum Vorsitzenden der IG-Metall gewählt. In dieser Funktion hatte er erheblichen Anteil am Zustandekommen des DGB-Aktionsprogramms von 1955 und des neuen Grundsatzprogramms von 1963 sowie am Kampf der Gewerkschaften gegen die angestrebte Notstandsgesetzgebung.

Mit aller Kraft trat Otto Brenner für eine „kämpferische Integration der Gewerkschaften in Gesellschaft und Staat“ ein. Sein Grundsatz lautete: „Es gibt keine demokratische Gesellschaft ohne freie Gewerkschaften! Es gibt keine Demokratie ohne soziale Gleichberechtigung der Arbeitnehmer!“ Kurz vor seinem Tode übermittelte er einer internationalen Arbeitstagung der IG-Metall die Botschaft: „Unser Ziel bleibt unverrückbar dasselbe: eine von materieller und geistiger Ausbeutung befreite internationale Gesellschaft des Friedens, der Völkerverständigung, der sozialen Gleichberechtigung und der vollen demokratischen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“

Mit dem Tod von Otto Brenner am 15. April 1972 verlor die westdeutsche Gewerkschaftsbewegung einen ihrer kraftvollsten Streiter für Demokratie und soziale Gerechtigkeit.