Sportförderung des Bundes neu justieren!

Von André Hahn

Viele Zahlen kamen mit der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der LINKEN „Die Sportpolitik im Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2018? (Drs. 18/13643) auf den Tisch. Aber auch Widersprüche und Handlungsbedarf für die Sportpolitiker*innen des neu gewählten Bundestages wurden deutlich.

Der im Regierungsentwurf für den Bundeshalt 2018 geplante Ansatz von rund 310 Millionen Euro zur Förderung des Sports verzeichnet zwar einen geringen Aufwuchs, dieser entsteht aber lediglich durch eine größere Baumaßnahme für eine Sportstätte im Einzelplan des Bundesverteidigungsministeriums. Dem auch vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mit Blick auf die Reform der Spitzensportförderung angemeldeten Bedarf wird mit der derzeitigen Planung keinesfalls Rechnung getragen. Nicht nachvollziehbar ist, dass der Bund seine Förderbescheide für das zu Ende gehende Jahr 2017 für die Bundessportfachverbände sowie die Olympiastützpunkte und Bundesleistungszentren bisher nur zum Teil ausgereicht hat. Die Sportverbände, die Athletinnen und Athleten sowie die Trainerinnen und Trainer brauchen eine angemessene Förderung und ebenso wie die Länder und Kommunen auch Planungssicherheit.

Bereits 2005 sah das Leistungssportprogramm des zuständigen Ministeriums eine gleichberechtigte Förderung des Leistungssports von Menschen mit und ohne Behinderung vor. Als die Reform der Leistungssportförderung Ende des vergangenen Jahres öffentlich gemacht wurde, wurde genau diese Gleichstellung von der CDU/CSU/SPD-Koalition als große Neuerung gefeiert. Angesichts der nun vorliegenden Zahlen wird allerdings deutlich, dass zwischen Lippenbekenntnis und Realität immer noch Welten liegen.

Der vorliegende Haushaltsentwurf steht weder für einen höheren Stellenwert des Sports und für langfristige verlässliche Perspektiven in der Gesellschaft noch für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Spitzen- und Breitensport, für den Abbau des Investitionsstaus bei Sportstätten oder für die gleichberechtigte Förderung des Behindertensports. Hier müssen der neu gewählte Bundestag und die künftige Bundesregierung schnell und gründlich nacharbeiten.

Schwerpunkt wird sicher die künftige Förderung des Spitzensports sein, die auch Gegenstand einer Kleinen Anfrage der LINKEN zur „Neustrukturierung des Leistungssports und der Spitzensportförderung“ (Drs. 18/13657) war. Zum derzeitigen Stand der 2016 von BMI und DOSB begonnenen Reform gibt es große Unterschiede zwischen der Wahrnehmung des Sportministers und jener der Sportwelt. Entweder ist Thomas de Maizière (CDU) wirklich davon überzeugt, dass die Spitzensportförderreform reibungslos in die richtige Richtung läuft, dann ist er ausgesprochen blauäugig. Oder er glaubt, die Schwierigkeiten, die bei der Umsetzung offensichtlich auftreten, könnten vor den Abgeordneten und der Öffentlichkeit geheim gehalten werden. Dann wäre dies die Fortsetzung der während der Reform seitens des Ministeriums gepflegten Intransparenz.

Beides schadet dem Sport und vor allem den betroffenen Sportlerinnen und Sportlern. Es ist höchste Zeit, dass eine neue Bundesregierung diese Reform vom Kopf auf die Füße stellt. Dem beziehungsweise der künftigen Sportminister/in steht viel Arbeit bevor.