Gelacht, gewogen, gewonnen …

Beobachtungen beim 5. Lachmesse-Nachwuchs-Slam. Von Michael Zock

Bewusst entschied ich mich für diesen Termin und war am 17. Oktober im Kabarett „academixer“ während des Europäischen Humor- und Satire-Festivals zugegen. Nicht den bekannten, sondern den unbekannten Brett´l-Künstlern gehörte da die Bühne. Erste Beobachtung: Das Publikum im ausverkauften Leipziger Keller war altersmäßig 50plus. Die drei Auserwählten Sandra Da Vina, Benjamin Eisenberg und Nektarios Vlachopoulos waren unübersehbar jünger. So ein Alters- und Erfahrungsunterschied sorgt für Spannung auf der Bühne und im Parkett, das ist reizvoll.

Zweite Beobachtung: Mancher war irritiert, weil der Abend nicht so ablief wie in den Kleinkunstfernsehformaten. Ich empfand das als sehr erfrischend, was auch dem jungen, schrägen Moderator Christoph Walther zu danken war. Er erfand die scheinbar unpassendsten Worte, jedoch gerade die trafen genau den Nerv. Wunderbar!

Als einmal unerwartet von der Bühne in den ausverkauften kleinen Saal gefragt wurde: Wer hat denn von Ihnen die AfD gewählt?, meldete sich keiner. Na gut, es gibt ein Wahlgeheimnis.

Bei den Auftritten der drei eingeladenen Newcomer (allesamt aus den alten Bundesländern), die nacheinander für jeweils 30 Minuten in unterschiedlichster Art und Weise um die Publikumsgunst rangen, wurde viel gelacht, viel nachgedacht, und am Ende gewogen. Jeder im Parkett erhielt einen Kupferpfennig und warf die kleine Münze im Foyer in eines der bereitgestellten Gefäße. Auf ihnen stand der Name der Konkurrierenden.

Gewonnen hat Nektarios Vlachopoulos, das ist übrigens kein Künstlername. Der junge ehemalige Lehrer mit Migrationshintergrund bekam auch meinen Kupferpfennig. Als Sieger winkt ihm nun das Preisgeld von 50.000 Cent. Sein Programm bewies, dass der Generation 50plus Lebenssichten und Politikansätze der Generation 30plus nicht fremd sein müssen.

Acht Tage Humor und Satire gab es bei der 27. Auflage dieses Europäischen Festivals. Egal wofür man eine Karte erstand, man verpasste immer etwas. Den „Leipziger Löwenzahn“ für das beste Programm 2016 erhielt im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Kabarettist Helmut Schleich. Gut, wer den verpasste, wird ihn in diversen Fernsehprogrammen wiederfinden. Garantiert!