Nicht nur Bücher gesucht

Eine Bilanz zu fünf Monaten LINKE Leseratte – Hilfe ist erwünscht! Von S. Schenck und S. Soult

Seit dem Start des Projektes „LINKE Leseratte“ im Mai 2017 melden sich immer mehr Menschen, die ihre Bücher oft aus Platzgründen, aber auch Mangels eigenem Interesse der Leseratte übergeben. Auch für die Anschaffung neuer Bücher braucht man Platz in seiner Wohnung. Etwa 100.000 Buchtitel entstehen pro Jahr in Deutschland, in etwa 3.000 Verlagen. Oft sind die Interessenten an unserer Leseratte richtig froh, dass sie endlich eine neue Heimat für ihre Bücher gefunden haben, da leider meist niemand mehr Bücher annimmt und ihr Weg in den Müll ansonsten vorprogrammiert ist. Die Antiquariate sind bis unter das Dach gefüllt. Benutzte Bücher haben praktisch kaum noch einen materiellen Wert, um den sich heute leider so viel dreht. Nicht nur weil wir zuverlässig abholen, spricht sich unser Projekt in Leipzig und beginnend auch in Sachsen herum. Die kleinste Menge, die wir entgegengenommen haben waren sieben Stück, die größte Menge hingegen mehrere Transporterladungen. Auch weil wir eine Idee haben, was man mit dem „linken“ Wissen machen könnte, steigen der Bekanntheitsgrad und die Bereitschaft zur Unterstützung.

Und wir machen weiter! Wir suchen alle möglichen Bücher! Monatlich bekommen wir eine große Zahl an Büchern, Broschüren, aber auch historische Zeitungen etc. übergeben. Unser Bestand wächst stetig. Wer hat Bücher, die er in gute Hände geben will? Oft stehen sie in Kartons auf dem Boden oder im Keller und schlummern dahin. Wer kennt jemanden, der seine Bücher abgegeben will? Am besten ist es, wenn Ihr uns eine Mail schickt: linke-leseratte@web.de, dann können wir uns bezüglich der Einzelheiten verständigen.

In der Regel holen wir unkompliziert die Bücher ab, egal ob die Kisten jahrelang im Keller standen, ein Umzug bevorsteht oder gar ein trauriger Anlass Grund für die Auflösung der Bibliothek ist. Die Bücher müssen nicht verpackt oder sortiert sein, wir machen das. Und wir nehmen alles mit. Das Handbuch des Sportlehrers ist bei uns genauso gefragt wie eine Biografie von Albert Einstein oder ein längst vergessener utopischer Roman, aber auch Broschüren, wie etwa eine Parteitagsrede von einem LDPD-Parteitag. Kernstück bleiben Bücher zum breiten Thema Sozialismus in der Welt, gleichgültig ob aus der Vergangenheit oder der Gegenwart. Dabei spielen besonders die Geschichte von sozialistischen Versuchen, die Auseinandersetzung mit Gegnern dieser Ideen und anderen Gesellschaftsvorstellungen und auch Biografien, Reden und Aufsätze sowie Zeitzeugenberichte eine große Rolle. In der letzten Woche haben wir Literatur der KPD in Leipzig vor der Machtergreifung der Faschisten erhalten. Immer wieder tauchen solche Fundstücke auf. Diese möchten wir unbedingt erhalten und wieder zugänglich machen. Bibliotheken sind zudem ökologisch, nicht jeder muss ein Buch selbst besitzen, um es zu lesen.

Oft wendet man sich an uns, wenn es um die komplette Übergabe einer privaten Bibliothek geht. Vor Ort ist es unmöglich auszuwählen, alles soll in der Regel schnell gehen. Da wir alle ehrenamtlich arbeiten, ist auch unsere Zeit begrenzt. Auf diese Weise gelangt sehr viel „Beiwerk“ zu uns, welches eigentlich mit einer „LINKEN Leseratte“ nicht viel zu tun hat. Diese Bücher sind aber ebenso wichtiges Kulturgut und sollen genutzt werden. Daher sind wir zu dem Entschluss gelangt, die Leseratte zu unterteilen, zum einen in die bisherige „LINKE Leseratte“ und die „LESERATTE“. In die erste Untergliederung gelangen alle Bücher, die sich mit linken Themen beschäftigen, alle anderen Bücher werden von der LESERATTE aufgefangen. Nun suchen wir nach einer besseren Bezeichnung für unser Projekt. LINKE Leseratte sollte eigentlich nur ein Arbeitstitel sein. Noch sind wir in der Anfangsphase, dem fleißigen Sammeln von Büchern. Bis zum öffentlichen Start des Projektes soll ein passender Name gefunden sein. Wir werden die Inhalte der Bücher nicht bewerten, wir sammeln frei von Dogmen. Lediglich Literatur der Faschisten – etwa aus dem Wehrmachtsverlag – werden wir nicht in den Bestand übernehmen. Faschismus ist keine gesellschaftliche Idee, sondern ein Verbrechen.

Im Januar 2018 startet die zweite Phase, das Einsortieren und Erfassen aller Bücher in eine abschließende Systematik. Zudem wird eine Satzung erarbeitet. Hier suchen wir jemanden, der vielleicht als Bibliothekar/in gearbeitet hat und uns beraten kann. Natürlich arbeiten wir nicht mehr mit einem Zettelkatalog. Verschiedene Software testen wir auf ihre Tauglichkeit. Wer kann uns zum Katalog oder zur Software Tipps geben? Das System muss sehr viele Bücher schnell erfassen können und daher möglichst die fehlenden Daten zum Buch ohne größere Eingabe aus dem Netz ziehen. Auch muss es Listendarstellungen ermöglichen und internettauglich sein. Die Kosten müssen gering sein, wir betätigen uns nicht kommerziell und die Mittel sind folglich begrenzt.

Über die Frage des Verleihs haben wir uns noch nicht abschließend gefunden. Auch der Urheberrechtsschutz muss geklärt sein. Eigentlich besteht mangels des damit verbundenen Aufwandes und der Abnutzung oder gar des Verlustes der Bücher kein Interesse daran das eigentliche Buch zu verleihen. Unser Ziel ist ein anderes. Ab dem Jahr 2020/2021 wollen wir mit der kompletten Digitalisierung des Bestandes der „LINKEN Leseratte“ beginnen. Wir möchten im Ergebnis elektronisch Buchdateien verleihen und ausschließlich online auftreten. Der Verleih eines Buches soll nicht mehr als 40 Cent (wahrscheinlich Vereinsbeitrag) kosten, Geld für die Kosten der Domain, den Stromverbrauch und für Reparaturen und Werbung. Unsere Bibliothek hat dann 24 Stunden geöffnet. Alle Prozesse sollen weitgehend automatisch ablaufen. Sind die 40 Cent eingegangen, wird die Buchdatei für drei Monate freigeschaltet. Das dafür zu entwickelnde System ist uns erst im groben Ansatz und einigen technischen Details klar. Das ist aber noch Zukunftsmusik und gegenwärtig nicht aktuell, wir haben zu wenige Bücher und gegenwärtig sind kaum erschwingliche (automatische) Buchscanner auf dem Markt bzw. überhaupt entwickelt worden. Sollten wir Spenden oder gar Förderungen erhalten, werden wir diese für die Anschaffung dieses Scanners zurücklegen. Die Bücher lagern wir ein, der Platz dafür ist bereits geschaffen. Die Bibliothek soll letztlich ausschließlich virtuell bestehen.

Zeit ist kostbar, wir wollen den Weg in die Bibliothek digitalisieren und Bücher einfacher zugänglich machen, die in den meisten Bibliotheken oder online gar nicht zu finden sind. Wenn die LINKE Leseratte komplett gescannt ist, wird der Bestand der LESERATTE folgen. Wir wissen noch nicht, was wir mit doppelten Exemplaren machen werden. Keinesfalls wollen wir zum herkömmlichen Antiquariatsmarkt in Konkurrenz treten. Geplant ist auch eine monatliche Buchvorstellung eines „alten“ Buches in einer Zeitung und auf Facebook. Das Projekt soll Spaß machen und im Ergebnis etwas schaffen, was es in dieser Form nicht gibt. Wenn Ihr dieses Projekt unterstützen wollt, so meldet Euch einfach! Wir freuen uns über Anregungen, Hinweise und Unterstützung.