„Der Name Pellmann hat gezogen“

Marko Forberger sprach mit Sören Pellmann, dem einzigen in Sachsen direkt gewählten LINKEN Bundestagsabgeordneten.

Unterstützt vom Wahlkampfmaskottchen „roter Bär“ haben Sie in Leipzig einen großartigen Erfolg erzielt. Was waren die ausschlaggebenden Punkte, denn der Trend ging ja insbesondere in den östlichen Bundesländern in eine andere Richtung?

In der Tat trotzen wir dem allgemeinen Abwärtstrend der Partei in Ostdeutschland und setzten mit dem Gewinn des bundesweit einzigen Direktmandats jenseits von Berlin ein großes rotes Stoppzeichen gegen den gesellschaftlichen Rechtsdrall. Für den Wahlerfolg kommen mehrere Faktoren zusammen, die man in ihrer Gesamtheit betrachten muss. Zunächst war es ein fulminanter Wahlkampf gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Mitgliedern und meiner Familie. Dafür auch an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an alle Beteiligten. Dann wurde der Erfolg inhaltlich und strukturell systematisch vorbereitet, zum Beispiel schon frühzeitig eine genaue soziodemografische Analyse des Wahlkreises mit seinen insgesamt 31 Ortsteilen vorgenommen und ein zielgruppenspezifischer Wahlkampf durchgeführt. Die deutliche Verbesserung der Ergebnisse – es gab diesmal 6198 mehr Erststimmen als 2013 – und die Verluste der CDU in Richtung AfD waren am Ende der Schlüssel zum roten Erfolg in Leipzig. Und bei aller Bescheidenheit: Der Name Pellmann hat gezogen.

Die konstituierende Sitzung des Bundestages war sicherlich ein großes Kontrastprogramm zu Ihrem bisherigen Berufsalltag als Grundschullehrer. Wie lief der Abschied in Ihrer Schule in Leipzig-Mockau und was nehmen Sie aus dem bisherigen Beruf mit nach Berlin?

Die Verabschiedung von meiner Grundschule war sehr emotional und einige Tränen flossen, insbesondere in meiner Klasse, aber auch bei mir. Meine KollegInnen schenkten mir zum Abschluss eine Collage mit persönlichen Fotos, das hat mich ebenfalls sehr berührt. Ich werde mich bemühen, diese Verbindung aufrecht zu erhalten, denn die Erdung für Berlin ist mir ganz wichtig. Wenn ich nur an die bedrückende Kinderarmut denke, mit der ich als Lehrer jeden Tag aus nächster Nähe konfrontiert war. Um die Bodenhaftung zu behalten, bleibe ich auch Vorsitzender unserer Fraktion im Stadtrat. Ich bin überzeugt, dass sich da viele Synergien mit dem Bundestag ergeben werden.

Hatten Sie schon Gelegenheit, über Projekte und inhaltliche Schwerpunkte nachzudenken?

Die Verteilung der Ausschüsse und Sprecherposten ist wegen der ausstehenden Regierungsbildung noch nicht erfolgt. Da es unter Jamaika sicher deutlich kälter wird, werde ich mich um einen Sitz im Sozialausschuss bemühen. Bildungspolitik steht für mich als Lehrer natürlich auch ganz weit oben. Und bei Gesine Lötzsch und Petra Pau werde ich mir Rat holen, wie man einen Direktwahlkreis betreut und gegebenenfalls auch erfolgreich verteidigt (lacht).

Die Bundestagsfraktion hat neben den „schwierigen“ Personalfragen auch über erste inhaltliche Schritte in der neuen Legislatur gesprochen und sich zum politischen und parlamentarischen Umgang mit der AfD verständigt. Wie schätzen Sie das ein?

Über den Verlauf der Klausur in Potsdam war ich ziemlich erschüttert. Hier wurde sowohl innerparteilich, aber noch mehr in der Öffentlichkeit, leichtfertig und sinnlos viel Porzellan zerschlagen. Es wird sicher noch länger dauern, diesen Schaden zu reparieren. Beim Umgang mit der AfD ist viel Geschick erforderlich. Wir müssen sie natürlich als politischen Gegner strikt bekämpfen, dürfen aber nicht auf jede Provokation hereinfallen. Es stellt sich das strategische Problem in den Vordergrund, wie eine konsequent linke Politik der gesellschaftlichen Rechtsentwicklung und insbesondere der völkischen Instrumentalisierung der „sozialen Frage“ begegnet und wie sie langfristig dazu beitragen kann, die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse so zu verändern, dass der AfD der Boden entzogen wird.