Anti-Kriegs-Denkmale im sorbischen Crostwitz

Von Dr. Dieter Rostowski

Sorbische Kunst und Kultur gehörten immer schon zum Alltag der Menschen in der Lausitz und wirken über unsere Grenzen hinaus. So gab es im Rahmen internationalen Zusammenwirkens viele Begegnungen von sorbischen Kulturgruppen mit Funktionären der Domowina, dem Dachverband sorbischer Vereine und Vereinigungen, und Gästen aus dem benachbarten Ausland. Ein solches Treffen fand am 22. Juli 1966 in Zagan statt, woran aus dem Kreis Kamenz Erich Garten vom Rat des Kreises und der Sorbe Georg Schäfer von der Domowina teilnahmen. Es erfolgte ein Besuch im Divisionsstab der Panzertruppen in Zagan. Im Mittelpunkt eines Gesprächs mit polnischen Offizieren standen die Kämpfe in der Lausitz unter Mitwirkung der 2. Polnischen Armee 1945. Diese Armee erlitt im Gebiet zwischen Kamenz und Bautzen im April 1945 hohe Verluste im Kampf gegen SS-Einheiten und die deutsche Wehrmacht. Erich Garten und Georg Schäfer waren sich einig, dass aus diesem Anlass ein Gedenkstein bei Crostwitz gesetzt werden sollte, um der dort in den Kämpfen gefallenen etwa 2.000 polnischen Soldaten zu gedenken.

Der Königsbrücker Bildhauer Tausch schuf den Entwurf und arbeitete an der Umsetzung. In Stein gehauen werden der sterbende polnische Soldat in der aufgehenden Morgensonne und die weinende sorbische Mutter gezeigt. Die auf das Denkmal montierte Schale sollte mit den auflodernden Flammen den Frieden, die Freundschaft und das Glück der Völker sinnbildlich zeigen. Das Denkmal wurde im Oktober 1967 eingeweiht, worüber die sorbische Presse ausführlich berichtete. Das war vor 50 Jahren. Damals und in späteren Jahren fanden an dieser Gedenkstätte oft Begegnungen mit polnischen ehemaligen Kriegsteilnehmern und anderen Gästen sowie mit deutschen und sorbischen Menschen statt. Dabei füllte auch ein ehemaliger Soldat der polnischen Armee (H. Kolczynski) einen Pokal mit Lausitzer Erde, um sie nach Polen in seine Heimat mitzunehmen.

Denkwürdig war auch am 3. Mai 1975, als eine sorbische Jugenddelegation mit Soldaten der Sowjetarmee und der polnischen Armee sowie Vertretern der Domowina einen Autocorso auf den Straßen des Friedens durchführten, die vor 30 Jahren Straßen des Krieges waren.

Dabei regten Offiziere der ehemaligen 2. Polnischen Armee an, ein zweites Denkmal auf dem „Fulksberg“ zu errichten, das in seiner Größe und Gestaltung einen höheren Rang zur Würdigung der Gefallenen einnehmen würde. Nicht nur die Einwohner von Crostwitz, sondern auch die Bürger umliegender Ortschaften, der Dresdener Bildhauer Johannes Peschel, polnische Zimmerleute und die Brigade „Ostrowski“ vom Lausitzer Granitwerk aus Bischheim-Häslich waren daran beteiligt. In mehr als 4.500 freiwilligen Arbeitsstunden halfen sie alle, die gesamte Anlage zu erneuern.

Am Sonnabend, dem 7. Juni 1980 fand ein großes Freundschaftstreffen mit internationalen Gästen aus Polen und der UdSSR in Crostwitz statt. Schon in den Vormittagsstunden herrschte ein emsiges Treiben im Ort. Etwa 4.000 Teilnehmer waren zu diesem Freundschaftstreffen erschienen, in der Mehrzahl sorbische und deutsche Bürger der Kreise Kamenz und Bautzen sowie viele polnische Menschen. Unter den Teilnehmern befanden sich etwa 200 polnische Kriegsveteranen, Abordnungen der Sowjetarmee und der polnischen Armee, aber auch Abordnungen der NVA. Mit einem militärischen Zeremoniell, an dem Ehrenformationen der Streitkräfte der UdSSR, Polens und der DDR teilnahmen, und mit den Hymnen der drei Staaten wurde die Kundgebung eröffnet. In Ansprachen von Horst Dohlus (DDR) und Dr. Andrzej Werblan (Polen) wurde der Beitrag der Kämpfer der 2. Polnischen Armee an der Seite der Roten Armee zur militärischen Zerschlagung der Nazi-Streitkräfte und der damit erfolgten Befreiung der Menschen vom Hitler-Faschismus gewürdigt.

In den Achtzigern und den Jahren danach waren Jahrestage der Gründung der polnischen Armee oder der Befreiung Anlass, in Crostwitz der gefallenen polnischen Soldaten und Offiziere durch polnische sowie deutsche und sorbische Delegationen zu gedenken. Heute kommen Touristen und Delegationen mit Kriegsveteranen aus Polen, um am Denkmal ihren im Kampf um die Befreiung vom Faschismus gefallenen Landsleuten die Ehre zu erweisen.