1,5 Millionen Überstunden

Der Personalmangel in der Pflege gefährdet Menschenleben, warnt Susanne Schaper

Die demografische Entwicklung spiegelt sich in der Zahl der vollstationären Krankenhausbehandlungen. 2016 wurden über eine Million Patientinnen und Patienten in den 78 sächsischen Krankenhäusern behandelt. Die Aufwüchse beim Personal dagegen halten mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Das belegen die 1,5 Millionen Überstunden, welche die Pflegekräfte in sächsischen Krankenhäusern mittlerweile angehäuft haben. Dann fällt das überlastete Krankenhauspflegepersonal oft selbst krankheitsbedingt aus, was die Situation weiter verschärft. Die Staatsregierung muss sich daher dringend für mehr Personal in den sächsischen Krankenhäusern einsetzen und endlich einen verbindlichen Personalschlüssel festlegen. Gleichzeitig muss sie die Krankenhausfinanzierung deutlich verbessern, damit Investitionen getätigt werden können, ohne beim Personal einsparen zu müssen.

Doch das allein wird nicht ausreichen. Schon jetzt fehlt Fachpersonal im Pflegebereich, was vor allem auf die schlechten Arbeitsbedingungen zurückzuführen ist. Dass 27 Jahre nach der sogenannten deutschen Einheit Pflegefachkräfte im Osten immer noch deutlich weniger verdienen als im Westen, ist ein Skandal. Doch eine finanzielle Anpassung an die Verhältnisse in den alten Bundesländern regelt noch lange nicht alles. Auch muss die Bürokratie in der Pflege auf ein Minimum beschränkt werden. Die Pflegekräfte sollen mehr Zeit für ihre Patientinnen und Patienten haben, anstatt sich stundenlang mit Akten und der Dokumentation beschäftigen zu müssen.

Ein gesetzlicher Personalschlüssel, wie es ihn schon im Bereich der Kindertagesstätten gibt, kann helfen, die Arbeitsbedingungen im Pflegeberuf deutlich zu verbessern und somit den Beruf attraktiver zu gestalten. Was dieser wunderbare Beruf außerdem braucht, ist mehr Anerkennung und interessante Aufstiegschancen, z. B. durch Akademisierung, um mehr Kolleginnen und Kollegen gewinnen und ausbilden zu können. Jeder, der arbeitet, braucht schließlich Perspektiven und wünscht sich, dass seine Arbeit auch wertgeschätzt wird. Das ist gerade in diesem Bereich wichtig, der den Beschäftigten psychisch und physisch viel abverlangt.

Die Staatsregierung muss daher endlich aktiv werden und darf den Personalmangel und die Zunahme der Überstunden nicht länger hinnehmen. Die Kosten für die oben genannten Verbesserungen dürfen aber nicht allein den Versicherten aufgebürdet werden, die in Sachsen für den Reformationstag ohnehin schon mehr bezahlen als der Rest der Republik. Neben der Forderung, die Parität zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern wiederherzustellen, müssen Mehrkosten aus Steuermitteln finanziert werden. Denn Pflege, egal ob Kranken- oder Altenpflege, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das Thema kann jede und jeden unter uns früher oder später betreffen.