We tried to make solidarity great again – Resümee zum Jugendwahlkampf

von Jacob Wagner

Der Jugendwahlkampf der Linksjugend Sachsen war, so würde ich mal ganz dreist behaupten, von einer für einen Jugendverband hohen Professionalität geprägt. Wir traten mit einem gut durchdachten Corporate Design und breit gefächerten Materialien auf, mit denen wir auf viel positives Feedback stießen. Besonders hervorzuheben ist, dass unser Wahlkampf papierlo(o)s war, wir also keinen Papiermüll ohne weiteren Verwendungszweck (wie ihn z. B. Aufkleber haben) produziert haben. Die Gimmicks waren nachhaltig und allseits beliebt (Bauchtaschen, Becher, Zahnbürsten). Der Onlineauftritt fand auf mehreren Plattformen statt, aber leider mit weniger Resonanz als erhofft. Wir waren auf mehreren Festivals, Festen und Parteiveranstaltungen präsent, deren Höhepunkt unsere viertägige Republik-Europa-Tour durch Sachsen bildete. Zusätzlich war Tilman Loos als unser Jugendkandidat auf zahlreichen Podien vertreten und bekam auch dort überwiegend positives Feedback als streitbarer Diskussionspartner. Viel Ruhe gab es also im letzten Vierteljahr nicht. Für einen Jugendwahlkampf auf hohem Niveau halfen uns die Erfahrungen der Landtagswahlkampagne 2014 und auch, dass uns erneut viele Ressourcen von der Landespartei zur Verfügung gestellt wurden. Vielen Dank an dieser Stelle!

Doch möchte ich nicht zu den negativen Erfahrungen schweigen. Es waren über weite Strecken leider nur sehr wenige Menschen an der Umsetzung der Kampagne beteiligt. Dies kostete die übrigen Menschen teilweise sehr viel Kraft und Aufwand und schmälerte aus meiner Sicht die Ausschöpfung des vollen Potentials unserer Kampagne. Die Gründe dafür liegen sicher auch im Privaten, aber wahrscheinlich vor allem darin, dass viele gleichermaßen auch in den Strukturen der Partei oder des Jugendverbandes vor Ort eingebunden sind. Aber möglicherweise liegt es auch in der immer wieder schwierigen Einbindung der Breite des Jugendverbandes. Punkt Eins des Fazits lautet also: Es ist schwierig, aber umso wichtiger, die Waage zwischen ausgeglichener Beteiligung und Professionalität auszutarieren. Neue Kommunikationswege sollten nicht gescheut, erfolgreiche evaluiert und beibehalten werden.

Punkt Zwei: Durch die weniger verfügbaren personellen Kräfte sowie die gewissen Routine, der Kehrseite der erwähnten Professionalisierung, blieben unkonventionelle Ideen oft auf der Strecke. Sicherlich haben wir z. B. mit den langlebigen Gimmicks oder Ständen auf Festivals neue Maßnahmen erfolgreich etabliert. Dennoch haben wir damit den Transrapid nicht neu erfunden. Am erfolgreichsten waren dagegen Maßnahmen wie beispielsweise das spontane Remake eines Lindner-Plakates mit dem Slogan „Solidarität first. Eigentum second. Verteilen wir Neu“ (erreichte über 60.000 Menschen auf Facebook). Und die beste Veranstaltung der Republik-Europa-Tour mit ca. 100 Personen fand nicht in den linksliberalen Szenevierteln Leipzigs oder Dresdens statt, sondern auf dem Bautzner Kornmarkt, zufällig neben der NPD-Tour. Im Fazit heißt das aus meiner Sicht: Gewohnte Pfade müssen immer wieder in Frage gestellt werden, um online wie offline mehr als die eigene Stammwähler_innenschaft in einem linken Resonanzraum zu erreichen. Denn das ist in Zeiten wie diesen bitter nötig!