Vor 75 Jahren ermordet: GEORG LECHLEITER

von Prof. Dr. Kurt Schneider

Eine der stärksten Gruppen des deutschen Widerstandes gegen die faschistische Gewaltherrschaft war die in Mannheim von Georg Lechleiter gemeinsam mit Rudolf Langendorf und Jacob Faulhaber geleitete illegale Organisation.

Am 14. April 1885 in Appenweiler/Baden geboren, trat Georg Lechleiter, als Schriftsetzer in der Schweiz lebend, der Schweizer Sozialdemokratischen Partei bei. Ende 1918 nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er Mitglied der KPD und Mitbegründer der kommunistischen Parteiorganisation in Mannheim. Als Politischer Sekretär der KPD-Bezirksleitung Baden war Lechleiter zugleich verantwortlicher Redakteur der seit dem 1. Mai 1922 in Baden, Hessen und in der Pfalz erscheinenden „Arbeiter-Zeitung“. Wegen ihres gesellschaftskritischen Inhalts wurde Lechleiter 1923 zu einem Jahr und einem Monat Festung verurteilt.

Lechleiter, der bereits seit 1922 dem Stadtparlament Mannheim angehörte, wurde 1924 gewählter Abgeordneter des Badischen Landtags. Bald nach der Errichtung der faschistischen Diktatur verhaftet, durchlebte er Terror und Willkür in mehreren Konzentrationslagern. Nach seiner Freilassung leistete er eine umfassende illegale Widerstandsarbeit. Er formierte die kommunistische Mannheimer Widerstandsgruppe und trug maßgeblich dazu bei, zahlreiche Verbindungen zu Sozialdemokraten und parteilosen Arbeitern herzustellen und die Familien politischer Gefangener zu unterstützen. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion gab er die sich als „Informations- und Kampforgan gegen den Hitlerfaschismus“ bezeichnende Zeitung „Der Vorbote“ heraus. Durch einen organisierten Abhördienst ausländischer Radiostationen veröffentlichte „Der Vorbote“ außer Artikeln auch antifaschistische Stimmen aus unterschiedlichen Ländern. Die Basis der Gruppe lag in den Mannheimer Großbetrieben, darunter Benz, Lanz, Schiffswerft und Rheinhafen.

Im Februar 1942 gelang es der Gestapo, Georg Lechleiter und weitere Mitglieder der Mannheimer Widerstandsgruppe zu verhaften. In zwei großen Prozessen wurden unter dem Vorsitz des berüchtigten Blutrichters Freisler 19 Mannheimer Antifaschisten – Kommunisten, Sozialdemokraten und parteilose Hitlergegner – zum Tode und weitere Angeklagte zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Am 15. September 1942 wurden Georg Lechleiter und dreizehn seiner Kampfgefährten in Stuttgart hingerichtet. Mit ihm starben durch faschistische Mörderhand: Philipp Brunnemer, Jacob Faulhaber, Johann Kupka, Anton Kurz, Rudolf Langendorf, Rudolf Maus, Ludwig Moldrzyk, Robert Schmoll, Alfred und Käthe Seitz, geb. Brunnemer, Daniel Seizinger, Eugen Sigrist und Max Winterhalter. Hans Becker und Franz Grund starben den Freitod, Willi Probst erlag der Folter.

Weitere vierzehn Angeklagte der Gruppe Lechleiter standen am 21. Oktober 1942 vor dem Strafsenat in Stuttgart. Zum Tode verurteilt und am 24. Februar 1943 hingerichtet wurden Henriette Wagner, Ludwig Neischwander, Albert Fritz, Bruno Rüffer und Richard Jatzek.

Seit 1988 steht auf dem bereits 1945 so benannten „Lechleiter-Platz“ in Mannheim ein Bronzedenkmal des Bildhauers Manfred Kieselbach, das in stilisierter Form die Mitglieder der „Lechleiter-Gruppe“ darstellt.