Vor 40 Jahren ermordet: Steve Biko

Weltweit wird an den großen schwarzen Studentenführer aus Südafrika erinnert – auch von Ralf Richter

Die Qualitätsblätter in Deutschland haben an seinen 40. Todestag erinnert. Als seine Ermordung 1977 bekannt wurde, herrschten Wut und Entsetzen nicht nur in Afrika, sondern im gesamten Gebiet zwischen Wladiwostok und Berlin und bei allen linken Kräften auf der ganzen Welt. Der Kampf der Schwarzen um ihre Selbstbestimmung wurde mit allen Mitteln unterstützt – egal ob es um Angola, Mosambique, Namibia, das damalige Südrhodesien (heute Zimbabwe) oder Südafrika ging. Wobei im Kern immer das Rassistenregime in Südafrika stand, das es zu bekämpfen galt.

Sehr große Sympathien erhielt in jener Zeit der junge Medizinstudent Steve Biko. Zwar gab es in Südafrika schon seit den 20er Jahren Studentenorganisationen, aber bis zum Ende der Apartheidzeit 1994 kaum schwarze Studenten. Dabei stellten Schwarze etwa achtzig Prozent der Bevölkerung Südafrikas. Die Interessen der wenigen schwarzen Studenten wurden zudem von liberalen Weißen vertreten. Schwarze Studenten konnten nur versuchen, sich in weiße Studentenorganisationen einzufügen. Das aber genügte Biko nicht.

Peter Gabriel hat ihm mit seinem Song „Biko“ ein bleibendes Denkmal gesetzt. Auf youtube findet man auch eine deutsche Version seines Liedes. Was die millionenfach gesehene Originalversion „Biko – Peter Gabriel“ (www.gleft.de/1Ul) so sehens- und hörenswert macht, ist nicht nur der engagierte Auftritt des Sängers, sondern es sind vor allen Dingen die Bilder des legendären Films „Cry Freedom – Schrei nach Freiheit“ des britischen Filmemacher Richard Attenborough. Der wiederum war vom Buch des weißen Journalisten und Biko-Freundes Donald Woods so begeistert, dass er es verfilmen musste.

Erzählt wird, wie ein einstiger Apartheidbefürworter den schwarzen Studenten Steve Biko kennen lernt und durch ihn das Verbrechen an den Schwarzen erkennt. Er versucht die Bewegung um Biko mit der schwarzen Regierung ins Gespräch zu bringen, was die Regierung verweigert. Stattdessen gerät der Journalist selbst in Gefahr. Biko – im Film verkörpert von Denzel Washington – erklärt seinem weißen Freund, dass die Schwarzen sich selbst organisieren müssen. Er selbst steht damals an führender Stelle der „Schwarzen Selbstbewusstseinsbewegung“, die u.a. in Townships Gesundheitsstationen aufbaut, Bildungskurse für Erwachsene abhält oder schwarze Kleinunternehmen unterstützt. Doch Schwarze, die nach Bildung streben und jenseits des staatlichen Zwangsregimes eigene Unterstützungsgruppen aufbauen, sind der Regierung verhasst. Biko wird „gebannt“, er darf also weder das Haus verlassen noch publizieren.

Ein Höhepunkt der Bewegung war der Studenten- und Schüleraufstand 1976 in SOWETO. Die Regierung versuchte gegen die Interessen der Schwarzen die verhasste „Apartheid-Sprache“ Afrikaans als Unterrichtssprache durchzusetzen. Dagegen machte Bikos Bewegung mobil. Es kam zu Massenprotesten. 20.000 Schüler und Studenten gingen auf die Straße. Die Polizei reagierte mit Gewalt und erschoss dabei einen 12-Jährigen. Das Foto, das einen Mann zeigt, der den toten Hector Pieterson trägt, ging damals um die ganze Welt und führte zu Massenprotesten gegen die Apartheidspolitik. In Südafrika breitete sich die Rebellion auf das gesamte Land aus. Durch brutale Folter versuchte die Polizei, die Aktivisten des Aufstandes zu ermitteln. Steve Biko wurde als einer der Führer der Bewegung festgenommen und zu Tode gefoltert. Die Ermordung wurde von der Regierung als Unfall dargestellt, doch ein Obduktionsarzt wies zahlreiche Rippenbrüche und schwere Kopfverletzungen nach, die nur durch Folter entstanden sein konnten. Der bewusstlose und schwer verletzte Biko war gefesselt in einem Jeep über 1.200 Kilometer von Port Elizabeth in ein Krankenhaus nach Pretoria transportiert worden, wo er am 12. September 1977 verstarb. Zahlreiche andere schwarze politische Gefangene starben ebenfalls – angeblich rutschten sie aus und verletzten sich dabei tödlich, oder sie fielen aus einem Fenster. Diese Morde sind bis heute ungesühnt, die Täter wurden nie zur Verantwortung gezogen. Auch Bikos Mörder leugneten vor der Wahrheitskommission.

Insbesondere die schwarze südafrikanische Jugend verehrt Steve Biko heute. Sie fühlt sich zunehmend von den Economic Freedom Fighters (EFF) vertreten, die vom ehemaligen Chef der ANC-Jugendorganisation Julius Malema geleitet wird. Malema stellt in seinem in der Johannesburger Sundaytimes am 10. September erschienenen Artikel „They killed Biko …“ einen Zusammenhang her zwischen den Forderungen von Bikos Bewegung und der aktuellen schwarzen südafrikanischen Studentenbewegung, die die Abschaffung von Afrikaans als Lehrsprache und ein gebührenfreies Studium fordert. Auch die Kolonialisten-Denkmäler im Land will sie beseitigen.