Volker Caysa zum Angedenken

Von Klaus Kinner / Manfred Neuhaus

Dr. phil. habil. Volker Caysa

*24. Juni 1957 † 3. August 2017

Wir trauern um einen radikalen und scharfsinnigen Denker, um jemanden, der den Anderen tatsächlich zu verstehen versuchte, vor allem auch in seinem Anderssein.

Sein Werk und Wirken bleiben unvergessen.

Willi Beitz, Hans-Ulrich Beyer, Jonas Beyer, Michael Brie, Gerald Diesener, Steffen Dietzsch, Peter Fischer, Wolfgang Geier, Stefanie Götze, Wladislaw Hedeler, Annemarie und Erhard Hexelschneider, Ger­hard Hoffmann, Hartmut Kästner, Siegfried Kätzel, Mario Keßler, Klaus Kinner, Ha­rald Koth, Volker Külow, Annelies Laschitza, Adelheid Latchinian, Gisela Marx­hausen, Giesela und Manfred Neuhaus, Antonia Opitz, Klaus Pezold, Holger Politt, Peter Porsch, Horst Richter, Hartwig (Ingo Graf) und Monika Runge, Susann Scholz-Karas, Jörn Schüt­rumpf, Karl-Heinz Schwabe, Ewa Seeber, Wulf Skaun, Jürgen Stahl, Harry und Sabine Stein, Gerd-Rüdiger Stephan, Hagen Wiel, Roland Wötzel, Ursula Wohlfeld, Michael Zock.

Volker Caysa zum Angedenken

Die deutsche Linke hat einen philosophischen Kopf verloren. Viel zu früh, im Alter von nur 60 Jahren, hat Volker Caysa den Kampf gegen eine tückische Krank­heit verloren.

„Philosophischer Kopf“ ist ein großes Wort. Es meint nicht den nach Studium, Promo­tion und Habilitation tätigen Hochschul­lehrer, wenngleich es diesen nicht ausschließt. Volker Caysa hat das Selbstverständnis des eigenen Philosophierens in einer Würdi­gung seines akademischen Lehrers Helmut Seidel beschrieben: „Man sollte nicht dem Irrglauben verfallen, dass angestellte Philosophiehistoriker schon Philosophen sind, man ist nicht Philosoph qua Amt, man ist es, weil man denkt.“ Auch ohne beru­fenes Lehramt hätte Seidel nichts anderes getan, „als die Angelegenheit der Polis zu diskutieren … Freilich hätte er mit irgendeiner Tätigkeit sein Leben sichern müssen, aber das Denken war sein Leben, seine Haltung.“ Hier spricht Volker Caysa nicht nur über den Lehrer, sondern beschreibt zugleich die fragile eigene Existenz.

Der Leipzi­ger Privatdozent, dem in Deutschland die Berufung zum Professor versagt blieb, hat sein Brot viele Jahre als Gastprofessor in ?odz und Opole verdient.

Er hinterlässt ein Werk, das eines hochbetagten kreativen Emeritus würdig wäre.

Volker Caysa war ein humaner Aufklärer und aufgeklärter Humanist. Wir verdanken ihm wichtige Wortmeldungen im linken Diskurs. Nur wenige Autoren haben das Un­ab­gegoltene im Leben und Werk Rosa Luxem­burgs so erhellend und emphatisch beschrieben wie er. Wichtige Schriften sind „Geist der Leipziger Bloch-Zeit. Kulturphi­lo­so­phische Reflexionen über Erinnerung und Geschichte“ (2003), „Körper­utopien. Eine philosophische Anthropologie des Sports“ (2003), „Kritik als Utopie der Selbstre­gierung. Über die existenzielle Wende der Kritik nach Nietzsche“ (2005). Als ihm die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen dereinst ihren Wissenschaftspreis ver­lieh, be­kann­te er in seiner Dankesrede: „Ich selbst würde gern mehr Zeit haben für das, was Kurt Reiprich einmal als meine ,Fundamentalphilosophie? bezeichnet hat, und all die vorliegenden Teilstudien in einem systematischen Ganzen unter dem Titel ,Kritik der Ontologie des gesellschaftlichen Seins (Hegel-Heidegger-Lukácz-Bloch) ausführen.“ Es war ihm vergönnt, sein Opus magnum noch zu vollenden. Es trägt nun den Titel „Emprak­tische Vernunft“ und ist vor Jahresfrist erschienen. In unserer Trauer und Fassungslosigkeit beginnen wir, es als das Vermächtnis unseres Freundes zu begreifen.