Auf Bildungsreise in Polen

von Werner Kujat

Vom 22. Juli bis zum 1. August 2017 war eine Delegation von 19 Mitgliedern der linksjugend [’solid] Sachsen nach Polen gereist. Elf Tage, drei Städte, 8-stündige Stadtführungen, schier ewige Zugfahrten – es hat sich gelohnt! In Wroclaw, Kraków und Warszawa lernten wir viel über die Geschichte und die Kultur Polens. Besondere Schwerpunkte waren das jüdische Leben, der Zweite Weltkrieg und die Zeit des Ostblocks. Infolge der Umbrüche 1989, so stellten wir fest, wurde Polen durch Einzug des Kapitalismus noch schwerer getroffen als Ostdeutschland: Industrie wurde abgebaut, Arbeitsplätze und soziale Sicherheiten verschwanden.

In Wroclaw und Kraków trafen wir unsere junge und progressive Schwesterorganisation Razem. Diese neue Partei gibt es erst seit zwei Jahren, sie ist die einzige links von den Neoliberalen. Wir haben intensiv über gemeinsame Ziele im Kleinen und Großen gesprochen und uns über die politische Lage und die Zukunft Europas ausgetauscht.

In Polen zermürbt die allein regierende PiS (quasi deren AfD) die Demokratie und schürt den Nationalismus – in Zusammenarbeit mit der extrem einflussreichen katholischen Kirche. In vielen Kirchen wird offen für rechts-konservative Parteien geworben und linken Parteien und Organisationen vorgeworfen, die „alten Kommunisten“ zu verkörpern. Inhaltlich stehen Razem der linksjugend bei den Themen Feminismus, soziale Gerechtigkeit, Laizismus, Migration und Europa recht nahe. Man kann sagen, dass DIE LINKE etwa 75 Prozent programmatische Übereinstimmungen mit Razem hat. Wir arbeiten an einem Wiedersehen in naher Zukunft und einer dauerhaften Zusammenarbeit über die Ländergrenzen hinweg.

Von Kraków aus besuchten wir die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Trotz gemeinsamer Vor- und Nachbereitung waren wir erschüttert über das Grauen. Es ist nicht möglich, dies hier in wenigen Sätzen darzustellen. Alle Menschen sollten einmal in ihrem Leben Auschwitz besuchen. An einem weiteren Tag besichtigten wir das Gelände des Arbeitslagers Monowitz. Dort hat die I.G. Farben unter Zwangsarbeit und mit Unterstützung der SS Millionenumsätze gemacht. Bis heute haben die Nachfolger der I.G. Farben (z.B. die Bayer AG) keine Entschädigungszahlungen an die Opfer geleistet.

Den Abschluss fand unsere Reise in Warszawa. Hier erhielten wir spannenden Input über das Protestcamp gegen die Abholzung des letzten Urwalds Europas im Bialowieza-Nationalpark, einen Blick auf feministische Perspektiven in Polen und den Czarny Protest für die Selbstbestimmung von Frauen* und von der Zeitschrift Krytyka Polityczna Einblicke in das schwierige Unterfangen, unabhängigen linken Journalismus in Polen zu betreiben. Denn de facto betreibt die PiS-Regierung Zensur der Staatsmedien.

Auf dieser Reise haben wir auch die polnische Küche ausführlich getestet und uns das eine oder andere Pivo mit neuen Freundinnen und Freunden gegönnt. Ein Blick von „Stalins Rache“ in Warszawa durfte natürlich auch nicht fehlen. Ermöglicht wurde die Fahrt in Kooperation mit dem Ring politischer Jugend Sachsen e. V. und durch den besten Reiseleiter der Welt, unseren Jugendkoordinator Jakob Müschen. Der saß in Polen nach den Tagesausflügen teilweise bis 22 Uhr am Tisch und hat Abrechnungen gemacht. Chapeau und vielen Dank!

Die nächste Reise in die Ukraine ist schon geplant. Denn auch international gilt: Make #solidarity
#greatagain!