Im Osten sind Frauen arm dran

von Susanna Karawanskij

Arbeit schützt vor Armut nicht. Es gibt zweifelsohne Situationen, in denen sich Armut aufgrund von verschiedenen gesellschaftlichen Gegebenheiten verstärkt, in denen nicht einzelne Lebensentscheidungen, sondern das gesellschaftliche Ganze über einzelne Schicksale entscheidet.

Frauenarmut ist so ein Beispiel für die Verstärkung von Armutslagen. Vor allem im Osten Deutschlands gibt es viele teilzeitbeschäftigte Frauen, Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen. Hier ist es gar nicht so einfach, „was arbeiten“ zu gehen, um davon die eigene Familie zu ernähren. Solche Verhältnisse fördern Frauen- und damit auch Kinderarmut und führen letztlich in die Altersarmut. Das Beispiel Sachsen illustriert die Lage von Frauen im Osten am besten: Im Freistaat leben fast 1,8 Millionen Frauen. Etwa 64 Prozent der 25- bis 45-jährigen Frauen haben Kinder unter 18 Jahren, 96.000 davon Kinder unter drei Jahren. Zwei Drittel dieser Frauen gehen trotz Kleinkindern einer Teilzeitbeschäftigung nach. Insgesamt sind 79 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten in Sachsen Frauen. Im Osten gibt es überdurchschnittlich viele Alleinerziehende – auch ein Armutsfaktor: In Sachsen waren zum Beispiel 59 Prozent aller Frauen, die 2015 ein Kind zur Welt brachten, nicht mit dem Vater des Kindes verheiratet.

Zwei Dinge lassen sich daraus schließen: Einerseits haben wir im Osten eine lobenswerte Tendenz zur Vielfalt an Lebensentwürfen, die nicht unbedingt das klassische Familienmodell favorisiert, andererseits aber wird gerade diese Vielfalt gesellschaftlich sanktioniert: durch viel niedrigere Löhne und damit später geringere Renten für Frauen, durch Teilzeitarbeit und befristete Beschäftigung. In der Armutsforschung spricht man oft von der Feminisierung von Armut, also davon, dass vor allem Frauen von Armut betroffen sind. Wenn man von solchen Dingen hört, neigt man dazu, an Entwicklungsländer zu denken und nicht an Deutschland, nicht an eines der reichsten Länder auf der Welt. Die Regierungspolitik hat immer breitere Bevölkerungsschichten in die Armut gestürzt und die Armut der Ärmsten noch verschärft. So etwas kann DIE LINKE nicht akzeptieren!

Die weit geöffnete Schere zwischen Armen und Superreichen muss durch eine sozial gerechte Umverteilungspolitik geschlossen werden. DIE LINKE fordert deshalb u.a. nicht nur Lohngerechtigkeit in Ost und West, sondern vor allem auch Geschlechtergerechtigkeit bei den Löhnen und Renten! Es ist längst überfällig, dass Frauen für gleiche Arbeit genauso viel verdienen wie Männer und ihnen der Aufstieg in Führungspositionen erleichtert wird. Um dies zu gewährleisten, müssen vor allem im Osten mehr allgemeinverbindliche Tarifverträge eingeführt, der gesetzliche Mindestlohn auf 12 Euro angehoben und Leiharbeit und Werkverträge verboten werden. Ein erster Schritt in Richtung Frauenförderung müssen spezifische Landeskonzepte zur Bekämpfung von Frauenarmut sein. Solche Konzepte müssen regional-spezifisch sein und die Vielschichtigkeit von Armutslagen berücksichtigen. Lange Erwerbsarmut führt irgendwann zu Altersarmut. Ein Kernpunkt unserer Ostdeutschland-Politik ist die Herstellung von Rentengerechtigkeit! Die gerechte Angleichung der Ost-Renten ist ein gebrochenes Versprechen der großen Koalition, denn der Rentenwert ist für Ostdeutsche im Durchschnitt um sechs Prozent geringer als der für Westdeutsche. Die steuerfinanzierte Angleichung des Rentenwerts (Ost) an den Rentenwert West unter Beibehaltung der Umrechnung (Höherwertung) der Entgelte würde das Versprechen erfüllen und die Ungerechtigkeiten auflösen.

Es heißt, die Fortschrittlichkeit einer Gesellschaft ließe sich daran ablesen, wie sie ihre Frauen behandelt. Wer nach Ostdeutschland kommt, kann derzeit nicht von rapidem Fortschritt reden. Wer den Fortschritt allerdings will, muss DIE LINKE wählen!