Fasanenschlösschen garantiert frei von Fasanen

Staatliche Schlösser und Gärten wissen, wie’s geht
von Reinhard Heinrich

Seit dem 1. April 2017 – und das ist kein Scherz – bietet der Kreis Meißen ein neues Plus für die touristische Erschließung seiner wertvollsten Reiseziele. “Von Burg zu Burg” fährt die Buslinie M, von der Meißener Albrechtsburg zum Schloss Moritzburg, von Deutschlands ältestem Wohnschloss und ersten gotischen Profanbau, der ersten europäischen Porzellanmanufaktur direkt zu Aschenbrödels Prinzenschloss.

Nun erfordert der Tagesausflug Dresden – Meißen – Moritzburg keine Parkplatzsuche mehr – sogar der Schoppen Meißener Wein ist erlaubt, denn der ÖPNV hat die missliche Lücke geschlossen. Das hat der Kreis Meißen gemacht. Und Gästeführer wie Touristen sowie das gesamte Tourismusgewerbe wissen es zu schätzen.
Unsere Buslinien-Tester bestätigen: Die Verbindung wird angenommen und der Bus ist gut besetzt. Zumindest am 11. April, unserem Test-Tag.

Am Abend selbigen Tages aber klagte eine Moritzburger Gemeinderätin ihren versammelten Parteimitgliedern das traurige Schicksal der Fasanerie am Fasanenschlösschen.

Auf historischen Grundmauern beim weithin bekannten Schlösschen, nach Aschenbrödels Jagdschloss und dem vielbesuchten Wildgehege das dritte Juwel in der Krone Moritzburgs, hatte der Züchter Kreher neue Volieren errichtet und die lokale Tradition der Fasanenzucht wieder aufgenommen. Etwa so, wie in der einstigen Orangerie August des Starken, dem Dresdener Zwinger neuerdings auch wieder, dem historischen Vorbild getreu, Orangenbäumchen zu sehen sind. Der touristische Wert wird damit ungemein gehoben und den staatlichen Schlössern und Gärten ist zur ästhetischen Aufwertung des Zwingers unbedingt zu gratulieren.

Eine gelungene Reverenz vor der sächsischen Kulturgeschichte, die immer wieder eine Einheit von wirtschaftlicher und kultureller Förderung durch das Herrscherhaus belegt. Übertroffen würde diese Verneigung nur noch durch eine historisch getreue Anzucht der Orangenbäume in Hoyerswerda, wo einst die pensionierte Mätresse August des Starken, Fürstin Lubomirska, ihre Abfindung in Grundbesitz zu einer lukrativen gärtnerischen Produktion als Hoflieferantin ummünzte. So “verschwendete” also der sächsische Hof seine Kosten für Festkultur durchaus in einheimische Arbeitsplätze.

Nicht so in Moritzburg. Weder die Anzucht von Orangenbäumchen noch von Fasanen erfordern eine große Industrie. Es genügen das entsprechende Know How, etwas Grund und Boden sowie Liebe zur Sache. Offensichtlich liebte die Lubomirska exotische Zierpflanzen und der Herr Kreher die Aufzucht von Fasanen. Beides eine Augenweide und beides mit einheimischen Mitteln machbar. Ohne die Liebe zur Sache hätte die Fürstin auch Kohl und Rüben anbauen können und Herr Kreher eine lukrative Bodenhaltung leistungsfähiger Legehennen, irgendwo auf dem Land, verborgen vor dem Auge des Touristen.

Aber nein – es mussten ja ausgerechnet Fasanen sein – am Fasanenschlösschen.
Und als der Züchter in Schwierigkeiten kam, war die Gemeinde Moritzburg außerstande, ihm zu helfen. Denn auf freistaatlich-sächsischem Grund und Boden der Schlösser und Gärten hat eine ländliche Gemeinde nichts zu sagen.

Die Untertanen mögen die Lasten tragen, die Straßen und Wege sowie die Wasserläufe instandhalten – auf dem edleren Grund und Boden bestimmen jedoch die Obrigkeiten, wem geholfen wird und wen man fallen lässt.
Der Pöbel mag um die Dorflinde tanzen, nach welchem Geflügel es die Herrschaft gelüstet, hat er nicht zu entscheiden.

Der Kreistag übrigens auch nicht.
Der darf Buslinien fahren lassen.
Damit die Attractionen auch touristisch wohlfrequentirt und angesehen sind.