Ein aufregendes Wochenende in Berlin

Vor wenigen Wochen bekam ich einen Anruf von meinem Kreisverband (Zwickau). Unsere Geschäftsführerin Gudrun fragte mich, ob ich Lust und Zeit hätte, mit einem weiteren Delegierten des Landesverbandes Sachsen nach Berlin zum Neumitgliedertreffen zu fahren. Ich fühlte mich „geehrt“ und sagte natürlich zu.

Voller Euphorie und freudiger Erwartung packte ich also „meine sieben Sachen“ und fuhr mit der Deutschen Bahn nach Berlin. Nachdem ich im Hotel eingecheckt hatte, lief ich schnurstracks rüber zum Karl-Liebknecht-Haus. Dort traf ich auf Tanju und Inke, unsere Betreuer und Organisatoren, und setzte mich intuitiv direkt an den großen runden „O-Tisch“ neben Holger Hartmann, den anderen sächsischen Delegierten. Er kam aus Freiberg. Der Saal war voll, jeweils zwei Neumitglieder aus jedem Bundesland waren da. Wir hielten Smalltalk und machten uns gegenseitig und mit dem weiteren Ablauf der beiden kommenden spannenden Tage vertraut. Die Stimmung war locker und es herrschte eine offene Atmosphäre.

Danach gingen wir auf den Festplatz, wo wir mit einer „Geburtstagstorte“ und mit einem Getränk herzlich empfangen wurden. Zahlreiche prominente „Linke“ waren genauso dabei wie Alt-und (wir) Neumitglieder. Gegen 19 Uhr begann der Festakt „10 Jahre DIE LINKE“ in der nahegelegenen „Volksbühne“, wohin wir gemeinsam – Seit‘ an Seit‘ – „marschierten“.
Matthias Höhn moderierte den Abend und begrüßte auch uns Neumitglieder ganz persönlich. Holger und ich schätzten, dass so um die fünfhundert Gäste da waren. Volker Lösch, Stuttgarter Theaterregisseur, brachte uns „sein Ständchen“ als kritischer Parteifreund. Viele „Legenden“ unserer gemeinsamen historischen Vergangenheit und Gegenwart folgten: Katja, Gregor, Oskar, Sahra, Dietmar, Gesine, Bernd, Klaus hielten großartige Reden oder gaben Interviews. Dazwischen gab es kulturelle Einlagen von AnniKa von Trier. Es war ein interessanter, wenn auch ziemlich langer Abend. „Belohnt“ haben wir uns anschließend gemeinsam „Im roten Salon“, wo bei kubanischen Rhythmen Samba getanzt, diskutiert (und getrunken) wurde.

Ausschlafen war allerdings nicht angesagt, denn nach dem Frühstück ging es halb zehn in die erste Gesprächsrunde mit Matthias Höhn und Bernd Riexinger. Hier hatten wir zum ersten Mal Gelegenheit, konkrete Fragen zu stellen. Es ging um unsere Forderungen im Wahlprogramm, also: Mindestlohn, Mindestrente, Mindestexistenzsatz(-absicherung) aber auch um europäische und kommunal-politische Fragen, die uns kompetent und detailliert beantwortet wurden. Also kein „Um-den-heißen-Brei-Gerede“, wie wir es von den neoliberalistischen Parteien kennen! Klare, umsetzbare Ziele, die auch finanzierbar sind!
Nach dem Mittagessen gab es einen Vortrag zur Geschichte des Karl-Liebknecht-Hauses mit anschließender Begehung des „geheimen Tunnels“, der damals einige KPD-Mitglieder und interne Akten schützte – und auch manches Leben vor der „Gestapo“.

Das „Fest der Linken“ war derweil schon in vollem Gange, weitflächig und zahlreich besucht auf dem Festgelände vor „unserem“ Haus bis hin zur „Volksbühne“. Hier traten natürlich nicht nur unsere „Promis“ auf, sondern alles wurde musikalisch und satirisch von guten Künstlern mitgestaltet. Es war ein tolles Fest mit zahlreichen Infoständen und kulinarischen Bereicherungen. Auch ich durfte auf der Talkbühne mit vier anderen Neumitgliedern über die Motive unseres Eintritts sprechen.

Nach dem gemeinsamen Abendessen in einer voll besuchten Pizzeria machten wir es uns nochmal auf der „Festwiese“ gemütlich und diskutierten, nicht immer ganz so ernst, denn es wurde auch viel gelacht.

Es wurde wieder spät, aber alle waren pünktlich am Sonntagmorgen wieder wach. Denn zum „Abschluss“ erwartete uns noch (m)ein besonderes „Highlight“: Der Besuch des Reichstags, also des Deutschen Bundestages mit Führung durch alle Fraktionsräume. Manfred, der das natürlich ehrenamtlich „ran hing“ begrüßte uns auf das Herzlichste. Petra Pau (Vizepräsidentin des deutschen Bundestages) und Gesine Lötzsch (Vorsitzende des Haushaltsausschusses) empfingen uns, genauso ihre Freizeit opfernd im Fraktionssaal, der mir noch am besten von allen gefiel, im „Clara-Zetkin-Saal“. Er heißt so, weil die Straße davor kurz vor Fertigstellung des neuen Parlaments-Gebäudes und des Umzugs von Bonn nach Berlin in „Dorotheen-Str.“ umbenannt wurde. Die beiden erzählten von ihrem schweren Kampf mit zwei „hinzugestellten“ Sitzen im Parlament vor fünfzehn Jahren, als damalige Direktkandidatinnen der PDS. Beide mussten sich viele „dumme Sprüche“ der anderen Abgeordneten und natürlich auch der Fraktionsvorsitzenden gefallen lassen … Heute habe sie sich etabliert, entgegen jeder damaligen Prognose „ihrer Konkurrenten“.

Französische, russische, amerikanische und viele andere Künstler haben den Bundestag mitgestaltet und zum meistbesuchten Parlaments-Gebäude der Welt gemacht. Es war so beeindruckend, dass ich nur jedem empfehlen kann, so eine Führung zu machen. Weitere Eindrücke würden den Rahmen sprengen. Nur so viel noch: Nach dem Mittagessen fiel uns der Abschied sehr schwer. Unser Dank gilt Dietmar Bartsch, dem Initiator jenes Treffens, natürlich Tanju und Inke, die sich sehr fürsorglich um uns gekümmert haben und mein persönlicher Dank gilt auch Manfred, mit dem ich bei der einen oder anderen Zigarette noch mehr erfahren durfte …