Roma in Ungarn: Konkrete Hilfe ist nötig

von Richard Gauch

1990 wurde das Roma Parlament in Budapest von zivilen Romagruppen gegründet. Es war deren erste nichtstaatliche und selbstverwaltete Dachorganisation. Ziel war es, die Situation der Roma in Ungarn zu verbessern. Dazu wurden öffentliche, künstlerisch-professionelle Programme organisiert und über Rechtsschutz informiert.

In Budapest wurde vor 25 Jahren ein Bürgerzentrum geschaffen, das u.a. ein Museum beherbergte. Dort gab es auch eine einzigartige Dauerausstellung der zeitgenössischen Kunst der Roma. Die Bibliothek des Roma-Parlaments sammelte alle Ausgaben künstlerischer und fachlicher Werke, um diese dann auch Schulen und Institutionen zur Verfügung zu stellen.

Doch warum gibt es das nicht mehr? Im Oktober 2016 haben städtische Beamte Budapests unter Verweis auf „lebensbedrohliche Zustände“ die Räumlichkeiten des Roma-Parlaments aufgebrochen. Das kulturelle Eigentum, eine öffentliche Kunstsammlung, die Archive, Finanzunterlagen, wertvolle Gegenstände aus mehr als 26 Jahren wurden an einen unbekannten Ort gebracht. Am nächsten Tag entschied man unter Berufung auf einen Regierungsbeschluss, das nunmehr leerstehende Gebäude auf die Regierung zu übertragen. Diese will hier nun ein „Vorzeigeobjekt“ schaffen. Offensichtlich soll das Roma-Parlament durch ein regierungstreues Angebot ersetzt werden. Wie sonst ist es zu erklären, dass bis zum heutigen Tage dem Roma-Parlament weder das entwendete Eigentum zurückgegeben, noch ein alternatives Gebäude zur Nutzung zur Verfügung gestellt wurde.

Es ist festzustellen, dass sich in Ungarn fast überall die Situation für Roma weiter verschlechtert. Dabei werden Roma eher indirekt denn direkt benachteiligt. Viel wird über Geld gesteuert: Wenn man kein Geld hat, kann man den Bus nicht bezahlen, kann man also nicht zur Schule oder zum Arzt fahren. Es gibt Dörfer, in denen in einem Teil (fast) nur Roma leben und in denen es keine Infrastruktur gibt. Dies liegt dann zumeist daran, dass dies eine bewusste politische Entscheidung vom Bürgermeister ist. Allerdings gibt es hier auch Ausnahmen. Es gibt Bürgermeister, die selbst der Regierungspartei angehören und trotzdem das nicht mitmachen, die im Gegenteil versuchen, den Zusammenhalt vor Ort zu befördern.

Doch um etwas in Bewegung zu bringen, braucht man Geld. Um eine teilweise Eigenversorgung mit Lebensmitteln zu ermöglichen, braucht es Anschubinvestitionen – z.B. für Samen, um so selbst Lebensmittel anbauen zu können. Wir betreiben seit 5 Jahren ein solches „Samenprojekt“. An einem ersten Projekt waren 25 Familien beteiligt. 10 Euro reichten aus, damit die Familien sich drei Monate selbst verpflegen können.

Das Projekt ist so gut, dass es sich rumgesprochen hat. Weitere Roma-Gemeinden haben angefragt, ob sie auch Samen bekommen können. So wurden im Frühjahr weitere 750 Euro über Spenden gesammelt, damit jetzt weitere 75 Familien mitmachen können.

Sicher, grundsätzlich ist die Politik gefordert, hier etwas zu verändern. Doch wenn Victor Orban daran kein Interesse hat, kann und muss man konkret und direkt helfen. Mit wenig Geld kann man viel ermöglichen. Viele haben das schon getan. So bedankt sich die BI Leipzig Korrektiv bei Mitgliedern und MandatsträgerInnen der LINKE. auf allen Ebenen und insbesondere beim Leipziger Stadtverband, dem Sächsischen Landesverband sowie den Fraktionen im Sächsischen Landtag, im Bundestag sowie der Fraktion GUE/NGL im EU-Parlament.

Wer unsere Projekte unterstützen will, kann auf folgendes Konto spenden:

Menschen.Würdig e.V.
IBAN: DE20 8306 5408 0004 9621 09
BIC: GENODEF1SCR,
Verwendungszweck: BI Leipzig Korrektiv