Es ist der Kapitalismus!

von Rico Gebhardt

CDU-Generalsekretär Peter Tauber war in diesen Tagen verblüffend ehrlich. Eine Anfrage zum CDU-Wahlprogramm kommentierte er auf Twitter: „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“ Damit wiederholt er die Lebenslüge des Neoliberalismus, jeder sei nur seines eigenen Glückes Schmied. Das ist aber grundfalsch. Mal ehrlich: Haben FriseurInnen nichts Ordentliches gelernt? Stehen BäckerInnen zu Niedriglöhnen morgens immer so früh auf, weil sie nichts können? Wer bringt Herrn Tauber täglich seine Zeitung? Wer putzt sein Büro? Nein, es stimmt einfach nicht: In diesem System muss es, wenn es GewinnerInnen geben soll, auch hunderttausende VerliererInnen geben. Und das Problem hat einen Namen: Kapitalismus!

Dass ausgerechnet SPD-Fraktionschef Oppermann auf den ausgewachsenen Sturm in den sozialen Netzwerken aufzuspringen versuchte, war dann nur noch die Spitze des Eisberges. Mangelnden Anstand warf er Tauber für seine Äußerung vor. Mangelnden Anstand nenne ich es, ausgerechnet als Fraktionschef der SPD, also jener Partei, die maßgeblich die „Flexibilisierung des Arbeitsmarktes“ – genau diese Verhältnisse des Zwangs, des Drucks und der Niedriglöhne – vorangetrieben hat, Tauber diesen Moment der ideologischen Ehrlichkeit vorzuwerfen. Am Ende gibt es nur eine Partei im Bundestag, die dem realexistierenden Kapitalismus entgegentritt: DIE LINKE. Deshalb brauchen wir am 24. September jede Stimme, um mit einer starken Linksfraktion wieder in den Bundestag einzuziehen und die Verhältnisse ins Wanken zu bringen.