„Wir sind die Punkrockplatte im sächsischen Musikantenstadl“

René Jalaß, 34, ist der Neue im Sächsischen Landtag. Ende Februar rückte er für den ausgeschiedenen Sebastian Scheel in die Fraktion nach. Dort wird er in Zukunft neben Drogen- auch die Netzpolitik thematisch betreuen. Der ideale Anlass für das erste WhatsApp-Interview in der Geschichte von Sachsens Linke.

Das Interview führte Thomas Dudzak

René, wo erwisch‘ ich Dich gerade?

Ich komme gerade aus Wermsdorf. War da mit Suza und Frank Tempel in der Fachklinik Hubertusburg, eine Einrichtung der Suchtkrankenhilfe. Jetzt sitze ich im Gleis 8, am Leipziger Hauptbahnhof und warte auf den Zug nach Riesa.

Klingt nach einem engen Terminplan. Du bist jetzt seit etwas mehr als einem Monat Landtagsabgeordneter. Hast Du Deinen Kalender schon im Griff? Oder eher Dein Kalender Dich?

Beides. Ich trage selbst darin ein, was er mir diktiert 😥

Im Ernst: Wie war der erste Monat für Dich? Dass du in den Landtag nachrückst, war ja doch eher eine Überraschung.

Auf jeden Fall. Ich hatte am 1. Januar erst in der Landesgeschäftsstelle angefangen und im Februar ging’s schon rund. Der erste Monat bestand aus Parteiarbeit in der Wahlfabrik, der Mandatsannahme, dem Einfinden im Landtag, etlichen Interviews und einem (viel, viel eher geplanten) privaten Umzug. Es war der Horror.

Aber so langsam kommst Du im Arbeitsalltag an?

Ja, es strukturiert sich. Die Themenfelder zeichnen sich ab. Eigentlich würde ich keine nehmen. Die Fraktion hat schon weit über 50 (!) – zu viel für meinen Geschmack – aber es werden wohl Drogen- & Netzpolitik. Ich besuche jetzt schon etliche Einrichtungen. Viele mit freudigem Wiedersehen. 😀

Stimmt, Du bist ja in der Partei als Drogenpolitiker durchaus bekannt, hast u. a. die drogenpolitischen Leitlinien der Landespartei im Wesentlichen ausgearbeitet und den Prozess in unzähligen Veranstaltungen begleitet.

Das, und ich habe als Sozialarbeiter auch in etliche Bereiche geschaut. Spritzentausch, Jugendknast, etc. Die Kontakte bestehen natürlich immer noch. Mit einem guten Netzwerk und persönlichen Erfahrungen lassen sich die Parteibeschlüsse deutlicher, aktueller und präziser auch in den Landtag tragen. Es macht zumindest Sinn, zu wissen, worüber geredet wird.

Qualifiziert dich für Drogenpolitik. Aber wie kommst Du zur Netzpolitik?

Hey, ich hab ´nen Twitter-Account und ich liebe Memes.

Klar. Jeder, der twittert, ist da automatisch kompetent. Aber Spaß beiseite: Wie willst Du den Bereich mit Leben füllen?

Naja, hier muss ich mich schon reinwurschteln. Nur Facebook und Twitter reicht da nicht. Zuallererst hab ich mit Halina aus dem Bundestag verabredet, dass wir uns einen ganzen Tag lang hinhocken und ich eine Besohlung zu unseren bundespolitischen Aktivitäten bekomme. Dann sind da noch Jule Nagel und Falk Neubert, unsere Leute für Datenschutz und Medien, die ich natürlich belästigen werde. Fragend schreite ich voran. ❓

Nun wirst Du grad aber nicht über die Inhalte wahrgenommen, sondern vor allem über Äußerlichkeiten. „So bunt wird der Landtag“ usw. Und ein bisschen hast du das ja auch provoziert. Wie haben denn die lieben Kollegen auf deinen Pacman-Anzug reagiert, mit dem Du beim ersten Plenum aufgetaucht bist?

Damit, dass anderen vor Schreck das Monokel in den Brandy fiel. Dabei dachte ich, so mit Anzug, dass wäre schon angemessen. 😉 Aber im Ernst: Es ist nicht mein Job, den Spießern zu gefallen. DIE LINKE ist keine Behörde, wir sind jung und geil drauf. Die Punkrockplatte im sächsischen Musikantenstadl.

Dann können wir ja einiges erwarten. Letzte Frage: Lässt Du zumindest eine Namenstasse in der WahlFabrik?

Das wäre das Mindeste. 😆 Ich gehe mit einem stark weinenden Auge. 😥 Die anderthalb Monate waren zwar kurz, aber sauintensiv. Klar, es ist Wahljahr. Es ist irre, was alle dort – oft ungesehen – wegschleppen. Und zumindest für ´ne kurze Zeit war ich Teil des Teams und hatte nie das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Ihr seid ´ne fette Truppe. Aus Leipziger Sicht ist Dresden zwar am Arsch der Welt, aber komme trotzdem immer wieder gern reingeschneit. :smile:

Wollen wir hoffen. Ich danke für das Gespräch. Und viel Erfolg im Mandat.

Sänk ju!