Das „LOVE ME GENDER“ in Leipzig – drei Tage feministisch, immer feministisch

von Josephine Witt

Die Räume des Interim sind voll, die Pinnwände gefüllt mit Begriffen wie „Empowerment & Solidarität“, „hegemoniale Männlichkeit“, „geschlechterneutraler Konsum“ und „Rollenbilder aufbrechen“, Urinellas mit der Aufschrift „Wir pissen aufs Patriarchat“ liegen an der Anmeldung aus und überall sind junge Menschen, die interessiert miteinander diskutieren oder aufmerksam den Vortragenden lauschen. Das Plakat an der Tür verkündet in großen pinken Buchstaben den Titel der Veranstaltung – „Queerfeministisches Wochenende: LOVE ME GENDER – or fuck off“. Das Programm des von der linksjugend [’solid] Sachsen organisierten Wochenendes vom 07.-09. April 2017 in Leipzig ist prall gefüllt. So tauschten sich am Freitagabend die Politikerinnen Katja Kipping (MdB), Sarah Buddeberg (MdL) und Anja Klotzbücher (MdL) mit den Teilnehmenden darüber aus, was es heißt, als Frau aktiv Parteipolitik zu machen, welche Hürden sie überwinden mussten, aber auch welche Unterstützung sie auf ihrem politischen Werdegang erfahren haben. Außerdem legten sie die derzeit wichtigsten gender- und gleichstellungspolitischen Themen dar. Das Wochenende war geprägt von intensiven Workshopphasen in angenehmer Diskussionsatmosphäre. Die Teilnehmenden setzten sich etwa mit der Diskriminierung und Vorurteilen gegenüber Körpern, die nicht dem genormten Schönheitsideal in unserer Gesellschaft entsprechen, auseinander und wie man sich diesem Druck widersetzen kann. Ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit dem Zusammenhang zwischen Geschlecht und Kapitalismus. Ebenfalls diskutierten wir über die Inhalte von „linkem Feminismus“ oder kamen bei einer Straßenaktion zum Thema „Wie männlich oder weiblich fühlst du dich?“ mit Passant*innen ins Gespräch. Kaum vom Thema loslösen konnten sich die Teilnehmer*innen des Workshops „Kritische Männlichkeiten“ und zeigten so die Notwendigkeit, sich aus einer feministischen Perspektive mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Im Workshop reflektierten sie, welche Vorstellungen von „Männlichkeit“ herrschen und inwieweit wir selbst uns an diesem sozialen Konstrukt orientieren und dieses selbst reproduzieren. Etwas spezifischer wurde etwa der Vortrag zum Thema „Lesben in der DDR – Gab´s die* denn überhaupt?“, der anhand von Zeitzeug*innenberichten, Dokumenten lesbischer Gruppen und anderen Materialien die Geschichte von Lesben in der DDR lebendiger werden ließ. Das Queer Refugees Network Leipzig hat uns über die rechtliche Situation von LGBTI*-Geflüchteten in Deutschland, Europa und weltweit informiert und Einblicke in ihre tägliche Beratungsarbeit gegeben. Begeistern konnten uns Jennifer Gegenläufer + Le_go nicht nur als Referent*innen zu FLTI (Frauen, Lesben, Trans und Inter) im Hip-Hop-Mainstream, sondern auch als kraftvolle Künstler*innen auf unserer Party im Sublab Leipzig, zu der uns auch DeFranzy und shannon soundquist mit ihrer Mucke zum Tanzen brachten. Besonders schön war in unseren Augen, dass sich auch viele Nicht-Mitglieder der Linksjugend für die queerfeministischen Inhalte des Wochenendes begeistern ließen.