„Erneuerbare Energie“?

von Rainer Tippmann

Man mag es nicht mehr hören, das Geschwätz von den „erneuerbaren Energien“ und davon, wie sie unser Leben und die energetische Basis verbessern werden. Was sind das für Energien, die wie die sogenannte Schöpfung aus der Erde, windiger Luft oder solaren Einstrahlungen stets ganz neu sind? Die Schwätzer haben wohl in Physik nicht aufgepasst, denn da müsste eigentlich gelernt worden sein, dass Energie nicht verschwinden, sich also auch nicht erneuern kann. Ist sie an einer Stelle verbraucht, so befindet sie sich anderenorts, dabei oft im potentiellen Zustand verharrend. Vielleicht weckt sie jemand dort, z. B. in einem Pumpspeicher-Kraftwerk. Erneuert hat sich da nichts, denn die wieder freizusetzende Energie des Obersees musste mühsam dorthin gepumpt werden. Man trenne sich vom Begriff der „Erneuerbaren“ und auch von der „regenerativen“ Energie. Re- bedeutet zurück, also rückerzeugte Energie; Unsinn!

Von den Begriffen zu den Umständen der heutigen Energiegewinnung und des heutigen Energieverbrauchs. Wir kommen nicht umhin, die Politik dabei ins Spiel zu bringen, eine verhängnisvolle Energiepolitik. Waren es anfangs nur die Grünen, die von „Erneuerbaren“ faselten, so haben sich mittlerweile alle anderen Parteien auf das Energierad geschwungen. Nachdem die nichtgrünen Parteien vor allem auf der Regierungsebene genugsam gegen Grüne gewettert hatten, verbündeten sie sich – wie die Grünen übrigens selbst – mit dem industriellen Komplex, um massenhaft windgetriebene Generatorenanlagen und Solarfelder zu bauen. Alle merkten mit einem Mal, dass sich damit auch sehr viel Geld verdienen lässt. Und man fand dazu den Beelzebub, die ach so gescholtenen Atomkraftwerke, und ist nun auch noch dabei, in nächster Sofort-Büberei die Braunkohle-Kraftwerke stillzulegen.

Klar dürfte indes sein, dass die deutschen Atom-KW die sichersten in der Welt sind. Die von dort eingehenden Störungsmeldungen betrafen nie die Freisetzung von Radioaktivität, sondern Störungen, wie sie in jedem großen und kleinen Kraftwerk vorkommen können. Das sind z. B. Lastabwurfsituationen nach Freileitungsschäden, Transformatorenbrände, Schalterstörungen usw. Das hat keine Auswirkungen auf den Atomreaktor, der durch vielfältige Kontroll- u. Schutzmaßnahmen elektronischer und elektromechanischer Art gesichert ist. Da Atom-Kraftwerke eigentlich Dampf-Kraftwerke sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass mal eine Turbine „hochgeht“. Die flogen manchmal sogar durch das Dach. Die Reaktoren werden in aller Regel durch Schnellabschaltungen nachgeordneter Komponenten und das Einfahren ihrer Bremsstäbe automatisch soweit herabgeregelt, dass nur noch ein minimaler radioaktiver Prozess ablaufen kann. Dass AKW niemals in seismisch gefährdeten Regionen errichtet werden dürfen, müsste allgemeiner Konsens sein. Beispielsweise gehören zu solchen Verbotszonen die Eifel und das Vogtland, aber auch stark beanspruchte Untergründe wie im Erz- und Kalibergbau. ln Japan dürften demnach gar keine AKW gebaut werden, ebenso in anderen Gebieten auf dem sogenannten „Feuerring“ unseres Planeten. Und sturmgepeitschte oder gar Tsunamigebiete sind ebenso strikt zu meiden.

Es wird der Glaube genährt, dass wir alle benötigte Elektroenergie von Sonne, Wind und Biomasse erzeugen könnten und diese dann im Überfluss und vor allem jederzeit zur Verfügung stünde. Diesbezüglich sollte man die Kraftwerks- bzw. Netzingenieure hören, die mit diesem diskontinuierlichen Energiesalat zurechtkommen müssen. Scheint keine Sonne, bleiben deren Energieumsetzer tot. Weht kein Wind, desgleichen. Bei Sturm gehen die Windräder automatisch in den Stillstand. Zieht ein Wolkenmassiv über ein Solarfeld, bricht dort die Energielieferung zusammen, ist es aber vorüber, steigt der Energiepegel stark an. Insgesamt ist bei solcher Diskontinuität kein beruhigtes Hoch- und Höchstspannungsnetz 110 bis 380 kV Drehstrom bzw. 400 bis über 1 000 KV Gleichspannung betreibbar. Wehe, man verlässt sich auf die nach kleinfritzischem Verstand alles und jedes regelnde Mikroelektronik. Man glaube nicht an ihre Störungsunanfälligkeit! Hackerangriffe dürften nur noch eine Frage der Zeit sein.

Viele Industrien benötigen hinsichtlich der Stromlieferung, Spannung und Netzfrequenz eine verlässliche Kontinuität, da die Qualität der Produkte oder überhaupt der Herstellungsprozess keine Schwankungen zulässt. Und da sind doch tatsächlich krause Laientheorien im Umlauf, dass die künftige Energieversorgung dezentral (wie in den alten Zeiten der Elektrifizierung um 1900) mit kaffeemühlenartigen Kleinkraftwerken, Wind- und Solaranlagen als Bedingungen für eine hochwertige Energieversorgung gewährt werden könnte?

Ach ja, die Braunkohle-Kraftwerke gibt es ja auch noch. Weg damit, möglichst heute noch! Gewiss, das Verbrennen fossiler Rohstoffe ist nicht der beste Weg, aber der krasse sofortige Ausstieg auch nicht. Das würde den geschilderten Regelungsprozess in den großen Netzen sofort so enorm belasten, dass die Gefahr besteht, dass das Netz außer Tritt gerät. Dass bei einer sofortigen Stilllegung der fossilen Kraftwerke schwerste soziale Probleme bis hin zu Situationen entstehen, die politisch nicht mehr beherrschbar sind, lassen wir hier mal beiseite; vergessen darf man es nicht! Aber um der Netzstabilität willen müsste Atomstrom aus anderen Ländern bezogen werden, die übrigens fleißig AKW bauen und sich über deren Leistungsabnahme durch Deutschland freuen dürfen. Der Einkauf von fremdem Atomstrom ist eigentlich ein zynisches Geschäft, denn dann kann im Störfall mit dem Finger auf die Anderen gezeigt werden.

Nun gibt es ja auch noch die Pumpspeicher-Kraftwerke (PSKW). Man ist gerade dabei, sie stillzulegen. Es darf auch nicht vergessen werden, dass sie keine Grundlast übernehmen können, denn dazu reicht die Speicherkapazität der jeweiligen Oberbecken nicht aus. Sie kommen nur für die Abdeckung im Spitzenlastbereich in Betracht. Vielleicht meinen die energetischen Laien, es sollten noch viele solcher KW gebaut werden. Das ginge wohl, aber auch nur zulasten jeweiliger Landschaften. Man stelle sich die Elbe als Wasserspender für 20 PSKW vor, die zwischen Bad Schandau und Riesa lägen, pfeifend auf schöne Landschaftsbilder wie das Elbsandsteingebirge, das man zu den Bausteinen der KW verarbeiten könnte. Darf soweit gegangen werden, dass um der Energiegewinnung willen alle Lebensqualität aufgeopfert werden sollte?