Wichtiger und historischer Moment: Der 8. März

von Anja Eichhorn

Am 8. März findet auch in diesem Jahr der Internationale Frauen*tag statt. Viele Aktivist*innen streiten an diesem Tag und darüber hinaus für eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Gesellschaft. Im Zuge der anstehenden Aktionstage, gerade angesichts der aktuell politischen Dringlichkeit, sich für Freiheitsrechte stark zu machen, gehen wir eine Spurensuche: Woher stammt dieser Tag? Welche Geschichte hat er und was bedeutet er heute – oder besser: warum ist er immer noch wichtig?

Wie entstand der Internationale Frauen*tag?

Entstanden ist der Internationale Frauen*tag aus der Initiative sozialistischer Frauen*rechtsorganisationen in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Einigender Fokus der Bewegung waren die langwierigen Kämpfe um das (noch nicht existierende) Wahlrecht für Frauen und der Kampf für die Rechte und Gleichberechtigung von Arbeiterinnen. Niemand anderes als Clara Zetkin forderte auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen 1910 die Einführung eines internationalen Frauen*tages. Bezogen hatte sie sich dabei auf die Forderungen amerikanischer Frauenrechtlerinnen, die einen nationalen Kampftag für das Frauen*stimmrecht forderten. Ein Jahr später fand der erste Frauen*tag in Deutschland, der Schweiz und Österreich statt. Besonders eindrücklich ist der revolutionäre und stark politische Charakter, der in den Forderungen nach gleichberechtigtem Stimmrecht und politischer Mitbestimmung laut wurde. 1919 wurde das Wahlrecht für Frauen* dann in der Verfassung der Weimarer Republik festgeschrieben. Damit schien ein erstes großes Ziel früher feministischer Bewegung erreicht. Der gemeinsame Gedanke des Frauen*tags blieb darüber hinaus bestehen, wenngleich anders als bisher.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Frauen*tag, der sich wesentlich durch sozialistisches Engagement gegründet hatte, verboten. Stattdessen setze man die deutsche nationalsozialistische Frau als Mutter in den Mittelpunkt und erhob den Muttertag zum nationalen Festtag. Der Einsatz für Emanzipation, politische Teilhabe oder gesellschaftlicher Mitbestimmung war nicht nur unter Strafe verboten, sondern einem rückschrittlichen, chauvinistischen Frauenbild und rassistischer Ideologie gewichen. Als Zeichen des stillen Widerstandes wurde der Frauen*tag von nun an im Privaten zelebriert.

Nach Ende des Krieges wurde der Frauen*tag in beiden Teilen Deutschlands begangen, wenn auch mitunter sehr unterschiedlich. Eine neue Art der Politisierung fand infolge der 68er und der neuen Frauen*bewegung statt. Die Politisierung des Aktionstages hielt nach der Einigung an, weg vom reinen Muttertags-Danksagungsgedanken und hin zur stärkeren Sichtbarmachung feministischer Forderungen. Denn trotz wesentlicher Fortschritte war Deutschland gleichstellungspolitisches Hinterland – und ist es bis heute. Zum Internationalen Jahrestag erhoben wurde der 8. März von den Vereinten Nationen im Jahr 1975. Fortan beteiligten sich immer mehr Länder, verbunden mit Forderungen nach der Gleichstellung der Geschlechter, dem Kampf gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen und Diskriminierung. Bis heute finden weltweit in vielen Städten Veranstaltungen rund um den 8. März statt.

Was bedeutet der Frauen*tag heute?

Wir erleben auf allen Ebenen einen gesellschaftlichen Rollback, verbunden mit dem Kampf rechter Kräfte gegen wesentliche Freiheitsrechte. Dabei geht es um nichts Geringeres als den Kampf um gesellschaftliche Hegemonie, und er wird von AfD & Co. massiv geführt. Demokratie und gesellschaftliche Vielfalt und Selbstverwirklichung sind noch weniger selbstverständlich geworden. Mehr denn je gilt es emanzipatorische Grundwerte zu verteidigen.

Für uns als LINKE ist der 8. März und die damit verbundene Forderung für Gleichberechtigung ein fester Bestandteil unseres Selbstverständnis als feministische Partei, und viele Genoss*innen sind an diesem Mittwoch im März und darüber hinaus dafür unterwegs. Es ist wichtig, sich an diesem Tag deutlich und öffentlichkeitswirksam zu den Rechten von Frauen und einer gleichberechtigten Gesellschaft zu bekennen.
Das allein oder bloße Lippenbekenntnisse aber reichen nicht aus, um in diesen Fragen nachhaltig voranzukommen. Es ist dem täglichen, unablässigen und langwierigem Engagement vieler Menschen zu verdanken, dass sich Festgeschriebenes ändern konnte. Es sind die kleinen und große Schritte, die verändern, das unermüdliche Lautsein, der Widerspruch, das Aufbegehren und der zivilgesellschaftliche Dialog über unsere gemeinsame Vorstellung von gleichberechtigtem und respektvollem Leben miteinander. Daran sollten wir festhalten. Der Internationale Frauen*tag ist ein wichtiger und historischer Moment frauen*rechtlicher Kämpfe und Errungenschaften. Wir sollten ihn nutzen, Streiter*innen für Gerechtigkeit danken und vor allem politisch(er) werden. Gerade angesichts der rechten und konservativen Angriffe, mit denen wir uns täglich konfrontiert sehen.

In diesem Sinne: Aufstehen! Einmischen! Gerade jetzt!