Schwierigkeiten mit Gegensätzen

Meinung zu den Beiträgen von Jochen Mattern und Rolf Ziegenbein über Lothar Fritze
von Fred Geigers

Gegensätzliche Einschätzungen zum gleichen Autor in ein und derselben Zeitung, hier in der Nr. 01-02/2017 von „Sachsens Linke!“ (S. 2) und „Links!“ (S. 9)? Das kann es durchaus geben, da die Rezensenten zwei sehr unterschiedliche Veröffentlichungen von Lothar Fritze aus dem Jahr 2016 bewerten. Leider werden die beiden Rezensionen dabei nicht in Beziehung zueinander gebracht.

Der in der Sächsischen Zeitung veröffentlichte Text „Der böse gute Wille“ (auf dem gleichnamigen Buch von Fritze fußend) offenbart einen Einblick in die geistigen Grundlagen von AfD und Pegida und rechtfertigt damit die Zuordnung dieses Politikprofessors zur akademischen Rechten. Dem gegenüber steht die ein halbes Jahr vorher erschienene Schrift Fritzes zur „Delegitimierung und Totalkritik“. An die Adresse seiner eigenen Zunft richtete er eine deutliche Warnung vor Vereinfachungen und Fehlern bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Vom Rezensenten wurde das zu Recht als beachtenswerte „neue Töne vom Hannah-Arendt-Institut“ gewürdigt.

Ich wünschte mir jedoch in der Links-Zeitung eine Aufklärung, wie es in der Person ein und desselben Autors in kurzer Zeit – unabhängig von den behandelten Themen – zu zwei so unterschiedlichen Haltungen kommt. Es würde sich herausstellen, dass sich in der Kritik Fritzes an der Totalkritik der DDR bereits einige Ansätze seiner neurechten Thesen finden. Schade, mit dem rechtsakademischen Pamphlet delegitimiert sich Lothar Fritze als glaubhafter Kritiker selbst.