Die „Streitkultur“ in Sachsen wird rauer

von Uta Knebel
Am 21. Februar 2017, am helllichten Tag, wurde in das MdL-Bürgerbüro Riesa ein Stein geworfen. Es kam zu einem nicht unerheblichen Schaden an der Fensterfront. Nun ist das in den letzten Jahren häufiger geschehen, an diesem Büro seit August 2015 zum dritten Mal. In diesem Fall geschah es allerdings bei Tage und das Büro war zudem besetzt.

Durch den dumpfen, lauten Schlag aufgeschreckt, stellt Bärbel Heym, die Fraktionsvorsitzende der Kreistagsfraktion DIE LINKE, die Steinewerfer zur Rede. Dies wurde mit hässlichem Gegröle und „Mach den Schlauch zu, alte Zecke“ quittiert. Obwohl die Jugendlichen im Alter zwischen elf und 15 Jahren flüchteten, konnten Sie durch die Polizei innerhalb einer kurzen Zeitspanne gefasst werden.

Das ist ein Vorfall, der die Beteiligten betroffen gemacht hat. Jugendliche, fast noch Kinder, haben keinen Respekt vor Personen und vor dem Eigentum Dritter. Wie sich später im Gespräch mit einigen der Beteiligten herausstellte, soll das Ziel bewusst ausgesucht worden sein. Wer oder was treibt Kinder zu solcher Art „Mutproben“? Wie weit ist die Hemmschwelle gesunken, andere Menschen und das Eigentum Dritter zu gefährden und letztlich sogar zu schädigen? Was sagt das über unsere Gesellschaft aus?

Anfangs schien das Interesse der Presse so gering, wie bei den Fällen vorher. Ist das nicht seit Jahren so? Die Häufung der Angriffe auf Büros der Partei DIE LINKE in den letzten Jahren war nicht ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen, sie wurde als Erscheinung deklariert, die es seit Anfang der neunziger Jahre zu verzeichnen gebe.

Werner Rellecke, Interimsdirektor der Landeszentrale für politische Bildung, wurde zu diesem Fall in der Sächsischen Zeitung vom 24. Februar 2017 wie folgt zitiert: „Das ist ein Phänomen, das es in den letzten 25 Jahren so nicht gegeben hat. Auch nicht in den 90er-Jahren. Das wirkt sich leider nicht nur in den sozialen Netzwerken aus, sondern auch im realen Leben. Das geht bis hin zur Gewalt gegen Eigentum politischer Parteien oder Personen.“ Dieser SZ-Beitrag wurde allerdings auch dazu benutzt, um auf die Angriffe auf ein Restaurant in Großenhain, vermeintlich ausgeführt durch Anhänger der „Rote Beete Fraktion“, hinzuweisen. Leider wird nicht darauf verwiesen, dass gemäß der Stellungnahme unseres Ortsverbands diese Art „Streitkultur“ nicht unsere ist. Wir missbilligen dieses Verhalten. Nicht nur eigene Erfahrungen haben zu dieser Haltung beigetragen. Nur im respektvollen Umgang sind ein friedliches Miteinander und die eigene Freiheit gesichert.