FDS-Akademie: Nicht nur ein Angebot der politischen Bildung

von Simone Hock

Die Ende November des letzten Jahres stattgefundene FDS-Akademie hatte nicht nur die erwähnte Podiumsdiskussion mit Dietmar Bartsch, Anton Hofreiter und Katarina Barley zu bieten, sondern sehr viel mehr. In verschiedenen Workshops ging es um Einblicke in die Arbeit im Europaparlament und Europapolitik, um Erfahrungsaustausch in der Kommunalpolitik, um Öffentlichkeitsarbeit im Allgemeinen und eine erste Beschäftigung mit Themen für unser Bundestagswahlprogramm. Es ging um das Erstarken der Rechten, um linke Parteien und ihre Zukunft in Europa, die Bedeutung von Parteien in der heutigen Zeit, um Digitalisierung und viele weitere Themen. Ein breites Angebot, das die Teilnehmerinnen und Teilnehmern gerne annahmen. Darüber hinaus bot die Akademie die Möglichkeit, sich individuell auszutauschen, von den Erfahrungen der anderen zu lernen, Kontakte zu knüpfen.

Ich selbst war unter anderem beim Workshop zum Wahlprogramm dabei und fand, dass es dort interessante Anregungen gab. Etwa die, das Wahlprogramm einmal ganz anders aufzubauen, orientiert nach Zielgruppen. Für Eltern und Alleinerziehende etwa wollen wir bessere Kinderbetreuung, kurze Schulwege, kostenlose Schülerbeförderung, steuerliche Entlastungen und anderes. Doch diese Punkte finden sich nicht unter Schlagworten wie „Eltern“ oder „Alleinerziehende“, sondern verteilt in verschiedenen Kapiteln. Seien wir ehrlich: Wer nimmt sich ein Wahlprogramm und sucht sich auf endlosen Seiten zusammen, was für ihn und seine individuelle Lage von Interesse ist? Die Frage ist doch, für wen wir das Programm schreiben – für uns oder für den potentiellen Wähler, die potentielle Wählerin? Ich denke, es wäre auch eine Art Dienstleistung, eine Form der Barrierefreiheit, wenn wir unser Programm auch im Aufbau an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientieren würden. Alleinerziehende wollen eben wissen, was wir im Falle einer Wahl für sie tun wollen, und zwar kompakt in einem Kapitel oder noch besser in einem Absatz. Viel Text ist nicht immer viel Inhalt. Und noch eine Botschaft im Wahlkampf halte ich für wichtig. Die Menschen wollen nicht nur wissen, was wir wollen, sondern auch, wie wir das erreichen wollen. Ob wir bereit sind, auch Verantwortung zu übernehmen. Und da bin ich ganz klar dafür, zu sagen: DIE LINKE macht einen eigenständigen Wahlkampf mit dem Ziel, möglichst stark in den Bundestag einzuziehen. Gibt es dann rechnerisch eine Mehrheit für ein Mitte-Linksbündnis aus LINKE, SPD und Grünen, muss über Inhalte geredet werden, und können wir dann viele unserer Ziele umsetzen, bin ich auch dafür, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Und ja, mir ist bewusst, dass es bei einer Koalition immer auch um Kompromisse geht, dass wir nicht alle unsere Ziele werden umsetzen können. Doch je stärker DIE LINKE im Bundestag vertreten ist, desto stärker ist ihre Position auch in möglichen Koalitionsverhandlungen. Nach dem Motto „Alles kann, nichts muss“ sollten wir den Wahlkampf führen und nicht schon vorher sagen, was alles nicht geht. Verbreiten wir Optimismus, dass wir es können, wollen und auch schaffen. Lassen wir dieses ewige „aber“ hinter jedem Satz weg. Diese Aufbruchsstimmung – und ich rede jetzt wirklich nur über diese gefühlte Stimmung –, die sich bei den Sozialdemokraten mit der Nominierung von Martin Schulz gerade breit macht, wünsche ich mir für uns. Denn nur wer von sich selbst überzeugt ist, selbst voller Leidenschaft brennt, wird andere überzeugen und gewinnen können. In diesem Sinne wünsche ich mir, wünsche ich uns einfach einen frischen, modernen und natürlichen erfolgreichen Wahlkampf! Begonnen hat er schon.