Zwei CDs von und mit Uwe Steimle

von Ralf Richter

Bodenständig, „interkulturell“ und lehrreich, so lässt sich die CD „Mir san mir“ von Uwe Steimle und Helmut Schleich charakterisieren. Die Unterzeile „Ein Bayerisch-sächsischer Freundschaftsabend“ verdeutlicht, dass es den beiden Vollblutkabarettisten um das Verbindende zwischen Bayern und Sachsen geht – wobei es ja darum nicht immer gut bestellt war. Bevor Napoleons Franzosen Dresden besetzten, ließ der Korse erst die Württemberger und Bayern von der Leine. Diese wüteten in Elbflorenz dermaßen, dass den Dresdnern danach die „echte“ französische Besetzung fast wie eine Wohltat erschien und die Sachsen daraufhin bis fünf nach zwölf frankreichtreu blieben – und selbst in der Völkerschlacht zunächst noch auf Napoleons Seiten kämpften. Das war das finstere Kapitel zwischen Bayern und Sachsen, das die beiden beim Freundschaftsabend außen vor lassen. Stattdessen lässt man zum Beispiel „unseren“ Meißner Bischof Benno hochleben – der Schutzpatron Münchens und dessen Gebeine in der dortigen Frauenkirche liegen. Auch mit den Namen Semper und Wagner lassen sich goldene Brücken bauen zwischen den Freistaaten, ganz zu schweigen von Franz Josef Strauss, der mit seinem Milliardenkredit 1986 der DDR und damit auch den drei sächsischen Bezirken noch ein drei Jahre längeres Leben schenkte. Unvergesslich Honeckers (alias Uwe Steimle) Geburtstagsständchen zum 100. des legendären CSU-Mannes. Was Helmut Schleich – der Bayer – bietet, steht aber „unserem“ Uwe Steimle in nichts nach. Gerade die Weihnachtszeit ist ja in christlichen geprägten Gefilden – und in solchen, die so tun, als ob sie solche wären – Almosenzeit. Selbst manche Linke glauben, Tafeln unterstützen zu müssen, und werben Tafelgeschäftsführer, um sie mit Landtagsposten zu mandatieren. Dem hält der Bayer das klare Bekenntnis Tucholskys entgegen, dass sich die Almosenfreunde hinter den Spiegel klemmen sollten: „Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade!“ Für solche Sätze allein lohnt es sich, die CD zu besorgen.

Einziges Manko ist die Akustik. Der bayerisch-sächsische Freundschaftsabend wurde sowohl in München als auch in Leipzig mitgeschnitten. Die Idee, beide Abende auch akustisch zusammen zu bringen, ist sicher gut gemeint, aber in der Umsetzung verwirrend für den Hörer. Es wird in den 20 Nummern wild hin und her gesprungen zwischen Leipzig und München, teilweise selbst innerhalb der Nummer und innerhalb eines Dialoges. Das stört schon ein wenig, denn jeder Raum hat eine andere Atmosphäre.

Ist „Mir san mir“ witzig-lehrreich, so kann man die von Uwe Steimle herausgegebene CD „Walter Niklaus liest Stefan Zweig: Die schlaflose Welt“ als ein klares Statement des Dresdner Kabarettisten für den Frieden und gegen die Opportunisten aller Parteien betrachten. Zweig weist in seinem klugen Text darauf hin, wie austauschbar die Meinungen sind, die auf „Informationen“ beruhen und dass auch gerade in der Politik der jeweiligen Meinung hinterhergehechelt wird, während die wenigen Politiker, die so etwas wie eine auf solidem Wissen gründende Haltung besitzen – in der Linkspartei kann man an Sahra Wagenknecht denken –, eine Ausnahmeerscheinung sind. Ein wahres Lehrstück in Sachen Opportunismus boten vor Jahren Stadträte der Linken in Dresden nach der Abstimmung über die Privatisierung des kommunalen Wohnraumes. Nachdem sie mehrheitlich für die Privatisierung gestimmt hatten, verließen sie die Partei und vertraten die Politik der CDU, unter anderem als parteiloser Sozialbürgermeister.

Schlimmer noch als die Opportunisten sind Menschen, die in offener oder verbrämter Form für Kriegspolitik eintreten. Steimles ausgewählte Texte sind ein intellektuell anspruchsvolles Bekenntnis zu einer Friedenspolitik – für eine bedingungslose Ablehnung von Kriegen. Natürlich sind schon Sprache und Duktus von Walter Niklaus ein besonderer Genuss – von der grandiosen Qualität des Textes einmal abgesehen. Als Sahnehäubchen gibt es noch zu Anfang und zwischen den Texten gediegene Klänge. Texte aus dem vorigen Jahrhundert zu präsentieren, die heute aktueller sind denn je – das allein ist schon eine großartige Idee, für die man Uwe Steimle dankbar sein muss. Die CD „Mir san mir“ kostet 14,95 Euro, das Hörbuch mit dem Zweig-Text gibt es für 12,95 Euro. Weitere Infos: www.uwesteimle.de