Silly auf „Wutfänger-Tour“

von René Lindenau

Im Rahmen ihrer „Wutfänger“-Tour machte die Rockgruppe Silly auch Station in der Lausitzmetropole Cottbus. Dank eines Tickets konnte ich in der hiesigen Stadthalle als Tour-Gast einchecken. Es war ein in vielerlei Hinsicht tolles Erlebnis! Altersbedingt krochen mal mehr, mal weniger Erinnerungen hoch, suchten ihren Ausgang und fanden ihn in Emotionen. So ging es mir, der Silly auch schon in der Besetzung mit der fulminanten Tamara Danz erlebt hat, die 1996 starb – und der ich damals unter anderem nachrief: „Auf dem Klangteppich ihrer Lieder, der vollgepackt ist mit ihren Emotionen, Träumen, Widersprüchen, Fragen, gekleidet in geschliffener Sprache, ist sie gegangen. An meinem Geburtstag …“

Es war eine gelungene Mischung aus neuen Songs und älteren Liedern aus der Schatzkiste Sillys, wie Anna Loos es ausdrückte – die Sängern, die schon vor etwa zehn Jahren gesanglich das Danz-Erbe angetreten hat. Sie hat es gut gemacht, mit ihrem Musikerkollektiv um Uwe Hassbecker, Rüdiger Barton und Hans-Jürgen Reznicek.

Natürlich war die Show ganz eindrucksvoll, die Lichtspiele, beeindruckende Instrumenten-Soli, das ausgeflippte lebensfrohe Tanzen von Anna Loos, aber auch immer wieder tolle Texte, wie man sie seit jeher von dieser Band kennt. Aber bei allem war es auch eine Show, die auch Raum für besinnliche Töne bereithielt. Wohltuend! Musikalisch spannte sich der Bogen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart. So waren „Verlorene Kinder“ (alt) und „Wutfänger“ (neu) zu hören.

In einer Strophe von „Verlorene Kinder“ heißt es:

Der Wohnblock spuckt sie in
Den kalten Wind
Wo sie zu Hause sind
Ab und zu nur sieht noch
Einer frierend hin
Wo sie zu Hause sind
Wo die Fenster locken
Mit so gelbem Licht
Wo sie zu Hause sind
Doch sie wissen diese
Zimmer wärmen nicht
Wo sie zu Hause sind
Wo sie zu Hause sind

Die erste Strophe von „Wutfänger“ lautet:

Er sitzt zu Haus vorm alten Fernseher
Seine Fabrik gibt’s lang nicht mehr
All seine Jahre, all sein Leben,
Sind auf einmal nichts mehr wert
Die Schuld gibt er den Fremden,
Die anders sind bei Tag
Die er nicht verstehen kann,
Allen die, die er nicht mag
Er hat nichts zu verlieren
Denn er hat nie was gehabt
Da ist nichts mehr was er spürt
Außer Wut und Hass
Und er läuft, er läuft, er läuft,
Nach rechts, dem Leben davon

„Das haben wir erlebt“ (weiterer Silly-Titel) – und ich war dabei. Schön war´s!