Lehrer-Paket der Staatsregierung: Am Ziel vorbei

von Tobias Wetzel

Mit der Veranstaltung am 2. November 2016 fand im Kulturbahnhof in Stollberg bereits die zweite Stammtischrunde zum Thema Bildung statt. Eingeladen hatten Klaus Tischendorf und die Mitglieder des Schulausschusses Cornelia Falken und Verena Meiwald. Als weiterer Gast war der Wahlkreisabgeordnete der CDU, Rico Anton, dabei. Die Veranstaltung war gut besucht, es waren Schulleiter, Lehrer, Eltern und auch Schüler anwesend.

Cornelia Falken stellte drei Themen vor, die diskutiert werden sollten – Änderungen am Schulgesetz, das Maßnahmenpaket der Staatsregierung zur Lehrerversorgung und Vorhaben zur Inklusion. Auf Wunsch eines Schulleiters wurde das Maßnahmenpaket besprochen. Es soll dem Lehrermangel in Sachsen begegnen und sorgt unter anderem für höhere Einstiegsgehälter an den Oberschulen. Das wurde kontrovers diskutiert, denn dadurch verdient ein neuer Lehrer genauso viel wie ein Lehrer mit vielen Jahren Berufserfahrung. Letztere könnten sich also benachteiligt fühlen. An dieser Stelle wurde außerdem kritisiert, dass ein Lehrer an einer Grundschule genauso wertvoll ist wie ein Lehrer an einer Oberschule oder einem Gymnasium. Daher solle es keine Gehaltsunterschiede zwischen den Schularten geben.

Ein weiterer Punkt des Pakets sieht vor, die Quote der vorzeitigen Renteneintritte von Lehrern zu senken, indem das Regelstundenmaß im Alter nicht mehr nur um zwei, sondern um drei Wochenstunden ermäßigt wird. Des Weiteren kann Lehrern ab dem 63. Lebensjahr ein Zuschlag von bis zu 780 € gewährt werden. Dieser Maßnahme bescheinigten die Anwesenden nur eine geringe Wirksamkeit. Sie bezweifelten, dass ein höheres Gehalt Lehrkräfte, die ihren Beruf altersbedingt nicht mehr ausüben wollen, davon abhält, vorzeitig in Rente zu gehen. Es wurde weiterhin kritisiert, dass die hohe Zahl an Frührentnern durchaus absehbar gewesen wäre, das Ministerium davor aber die Augen verschlossen hat.

Am stärksten wurde allerdings das Thema Quereinsteiger diskutiert. Im Maßnahmenpaket wird festgestellt, dass der Freistaat in den nächsten Jahren nicht auf sie verzichten kann. Daher sollen die Quereinsteiger besser vorbereitet werden, indem sie ein Qualifizierungsprogramm durchlaufen müssen. Die anwesenden Gäste äußerten sich, wie bereits beim letzten Stammtisch, gegen Quereinsteiger. Die Kinder zu unterrichten sollten nur Spezialisten, die diesen Beruf erlernt haben, und keine Akademiker, denen die pädagogische Ausbildung fehlt. Außerdem wurde festgestellt, dass die gesellschaftliche Anerkennung der Lehrer in den letzten Jahren weiter gesunken ist und die Gefahr besteht, dass dies durch die Seiteneinsteiger noch verschlimmert wird.

Aufgrund der langen Diskussionen konnten die anderen beiden Themen nicht mehr besprochen werden. Es hat sich aber gezeigt, dass Diskussionsbedarf besteht und dass die Maßnahmen der Staatsregierung aus Sicht der Betroffenen in einigen Punkten am Ziel vorbeigehen.