Dürer, Zeitgenosse der Reformation – „Die vier apokalyptischen Reiter“

von Heinrich Ruynat

In einem Kunstband über den berühmten Maler Albrecht Dürer (1471 – 1528) schockierte mich dessen 1498 entstandener Holzschnitt „Die vier apokalyptischen Reiter“ besonders. Der Bezug auf die unmittelbare Gegenwart ist für mich beklemmend.

Ich stelle mir vor, wie diese Reiter auf ihren Schlachtrossen und Schindergäulen durch die moderne Welt galoppieren. Sie bringen Tod, Vernichtung, Rassismus und Terrorismus unter die Völker. Jede Menschlichkeit wird für Macht und maximalen Profit des Kapitals unter ihren Hufen und Panzerketten zerstampft.

Der Bogenschütze trägt eine schwarze Gesichtsmaske, eine modernste Handfeuerwaffe westlichen Importes, mindestens eine neue Kalaschnikow in der Ausrüstung. Er ist für die Kriegsgewinnler, Kriegsbefürworter und Religionsfanatiker in einem mörderischen Dauergemetzel unterwegs.

Mit Völkermord, Bombardierungen, Folter und Brandschatzung und den gern verschwiegenen Kollateralschäden ist der stolze abendländische Ritter und Militär im Staats- und Privatdienst mit modernster elektronischer Waffentechnik weltweit befasst und informiert. Er bedient, meist umfassend gebildet, Raketen, Drohnen, Atomwaffen, Chemiewaffen und bakteriologische Systeme – für die westliche „Demokratie“, versteht sich.

Der Reiter mit der Waage verkörpert das internationale Kapital, das Monopoly der Märkte spielt, zockt und global ganze Volkswirtschaften und Staaten ruiniert, Vermögen vernichtet, die Umwelt zerstört und den Krieg um die Köpfe führt. Millionen machen Meinungen von Millionen.

Als vierter Reiter galoppiert der Tod mit modernen Seuchen und Krankheiten, wie SARS, AIDS und Ebola im Gepäck. Eine Bedrohung der Menschheit weltweit und besonders der Bürger der Entwicklungs- und Schwellenländer.

Wie bewundernswert in weiser Voraussicht der Künstler Albrecht Dürer seine Gegenwart in diesem Holzschnitt darstellt und seine Mitmenschen warnte! Als Vertreter der „frühbürgerlichen Revolution“ wusste er, auf welcher Seite der Barrikade sein Kampfplatz war.

Im Jahr 1528 entwarf er ein Bauernkriegsdenkmal (1524-1525) für die von Feudaladel und Klerus dahin gemetzelten Bauern, Bürger, Intellektuellen.

Ich höre in den modernen Medien den Klang der Kriegsberichterstattung, Kriegshetze und Rüstungspropaganda. Die Ursachen der Kriege werden verschleiert, die Anlässe werden aufgebauscht, gefunden und manipuliert. Die apokalyptischen Reiter sind schon sehr laut zu hören. Stoppen wir mit Solidarität ihren Todesritt.