Hinsehen, wenn es nebenan knallt

von Uta Gensichen

Um das Thema Häusliche Gewalt aus der privaten Nische zu holen, ist die Wanderausstellung „Hinter verschlossenen Türen“ seit Monaten in Sachsen unterwegs. Initiatorinnen sind Sarah Buddeberg, gleichstellungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion DIE LINKE sowie die linke EU-Abgeordnete Dr. Cornelia Ernst. Dass das Thema inzwischen auch bei Politik und Verwaltung ernst genommen wird, zeigte sich während eines Fachtags am 19. September im Dresdner Rathaus. Dort präsentierte die Landeshauptstadt neben der Ausstellung auch das Hamburger Gewaltschutz-Konzept „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“. Entwickelt hat es Prof. Dr. Sabine Stövesand von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. In zwei Hamburger Vierteln läuft es bereits erfolgreich – spätestens 2017 auch in Dresden.

Ziel von „StoP“ ist es, mithilfe von sozialen Trägern Nachbarschaftsgruppen in einem Stadtteil zu bilden, die selbständig über Häusliche Gewalt informieren, Öffentlichkeitsarbeit betreiben und Menschen ansprechen. Denn in Vierteln, wo funktionierende Strukturen existierten, wo Menschen einander helfen, gebe es signifikant weniger tödliche Beziehungskonflikte, so Stövesand.

Als „StoP!“ im Rathaus Dresden vorgestellt wurde, waren sich die Gäste aus Politik und Praxis einig, dass dringend etwas gegen Häusliche Gewalt getan werden müsse. „Dresden ist trauriger Spitzenreiter in Sachsen, was die Zahl der Fälle Häuslicher Gewalt angeht“, sagte Sozialbürgermeisterin Dr. Kristin Kaufmann (LINKE). Deshalb müsse das Motto lauten: „Augen auf! Mund auf!“ Nachbarn sollten ermutigt werden, hinzusehen, sagte Kaufmann.

„Häusliche Gewalt darf nicht länger ein Tabuthema sein. Die Betroffenen sollen wissen, dass sie mit ihrem Leid nicht alleine sind“, fordert auch Sarah Buddeberg. Die sächsische Landtagsabgeordnete kennt die Zahlen rund um Häusliche Gewalt gut. In ihrer Wanderausstellung, haben Buddeberg und die EU-Abgeordnete Ernst auf große Tafeln gebracht, worüber sonst niemand gern redet. Zum Beispiel darüber, dass 40 Prozent aller Frauen und Deutschland bereits Gewalt in einer Beziehung erlebt haben.
Nach Hamburg sei Dresden die erste Stadt bundesweit, die das Konzept „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ umsetzen wolle, sagte die Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt. „Jetzt geht es an die Planung mit einem Modellstandort“, so Dr. Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah.