Ein Zwischenruf – Revoluzzer gegen Revoluzzer

von MIZO

Jede Szene sucht sich über die Zeiten ihre Etiketten. Wo obiges R-Wort, das aus dem Italienischen abgeleitet ist, derzeit in Mode ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Der Duden behauptet „abwertend für Revolutionär“. Nur, wer richtet sich schon nach dem?

In Leipzig verpasste eine Zeitung mal Mike Nagler aus Connewitz dieses R-Etikett, lange galt auch der umtriebige Volly Tanner aus Lindenau als so einer. Beide sind stadtbekannt, beide sind unbequem, letzterer will Leipzig verlassen, oder hat es schon, wie zu hören ist. Während Mike N. weiter agiert und streitet, ab und an in den subjektiven (sozialen) Medien mal sein Fett weg kriegt, ist bei Volly T. die Sache brutaler.

Steine krachten gegen den Stadtteilladen in der Plagwitzer Karl-Heine-Straße, in dem Bauwilligen kostenlos geholfen wird, die ruinöse Häuser im Viertel nicht dem weiteren Verfall preisgeben wollen. Da brennt durchaus die Luft. Die Werfer skandieren: Wir wollen Strukturen zerschlagen, die dafür sorgen, dass wir unsere Mieten nicht mehr zahlen können und auf die Straße fliegen. Als sich Volly Tanner gegen diese Steinwürfe aussprach, tauchten im Stadtteil Aufkleber auf, die ihn als Zerstörer des Stadtteils brandmarken. Er und seine Familie ziehen nunmehr aus Leipzig weg, weil sie sich um ihre Sicherheit sorgen.

Bist Du nicht meiner Meinung, so bist Du mein Feind … wird von den Jungen auf Leipziger „Kampfbaustellen“ gerufen. Hat der Recht, der am lautesten brüllt und den größten Stein wirft? Oder: Werden Revoluzzer auch mal alt?