Der spanische Bürgerkrieg und Salazars Hilfe für Franco

von L. Rosa

Politik im 19. Jahrhundert war auf der iberischen Halbinsel besonders konfliktreich, sowohl in Portugal als auch in Spanien, u. a. zwischen Liberalen und Absolutisten bei der Überwindung des „ancien regime“. In Spanien haben sich die verschiedenen Rivalen des bourbonischen Hauses (Isabelinos und Carlistas) sowie Monarchisten und Republikaner hart und lange bekämpft. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verlor Spanien seine Kolonien in Amerika und die Philippinen. Die spanische Wirtschaft blühte indessen mit der Entwicklung von Mineralogie und Metallurgie am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Land lieferte seine Produkte an beide Seiten der Staaten, die den Ersten Weltkrieg führten, und machte zu dieser Kriegszeit gute Geschäfte. Die Früchte des wirtschaftlichen Reichtums kamen aber den Großgrundbesitzern, der Monarchie, der Kirche und der konservativen Armee zugute.

Eine Arbeiterklasse, die schon ab 1840 in Barcelona allmählich wuchs, stark von anarcho-gewerkschaftlichen Anschauungen geprägt, wurde von diesem Reichtum nicht berührt. Die soziale Krise in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts unter der Diktatur von Primo de Rivera, einem der Gründer der „Falange“ (eine Art faschistischer Partei) dauerte an. Das Aufkommen des Faschismus in Europa, Feudalstrukturen auf dem Lande gegenüber industrialisierten Großstädten sowie regionale Autonomiebestrebungen in Katalonien und Baskenland, nicht zuletzt tiefe Widersprüche in den spanischen Mentalitäten, bzw. der nationalistisch-katholische Mentalrahmen versus die laizistische, bürgerlich-liberale, eventuell antiklerikale Weltanschauung bis hin zu sozialrevolutionären Strömungen, verschärften die sozialen Verhältnisse. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 traf auch die spanische Wirtschaft heftig.

König Alfons XIII. sah sich gezwungen, im April 1931 Wahlen einzuberufen. Die Republikaner, zusammen vereint in einer Volksfront mit Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten, galicischen, baskischen und katalanischen Nationalisten, gewannen die Wahlen in Großstädten gegen das „Movimiento Nacional“, d. h. gegen die Monarchisten, Falangisten und Karlisten, gegen die katholische Kirche, gegen Generäle und Armeestabsoffiziere (Franco, Mola, Keipo de Llano…), gegen die Großgrundbesitzer. Das war das Ende der Diktatur von Primo de Rivera. Die Zweite Republik wurde ausgerufen und der König musste abdanken. Es folgten zwischen 1931 bis 1936verschiedene Verschwörungen (u. a. die von Sanjurjo) gegen die zweite spanische Republik, aber ohne nennenswerten Erfolg. Neue Wahlen im Jahre 1936 gewann die Volksfront mit Manuel Azaña als Präsident und Largo Caballero als Premier-Minister. Eine soziale Revolution sowie eine Bodenreform waren die ersten Schritte.

Ein neuer militärischer Coup fand am 17. Juli 1936 statt, die Republik konnte sich jedoch zur Wehr setzen. António de Oliveira Salazar, Ministerpräsident Portugals, konspirierte in seinem Land seit ihrer Ausrufung gegen die spanische Republik, obwohl er mit der Revolte von Madeira sehr beschäftigt war. Er unterstützte Gil-Robles und seine rechtsgerichtete Bewegung, obwohl er gleichzeitig formelle diplomatische Beziehungen mit der spanischen Republik pflegte. Gerade am 17. Juli 1936, dem Tag des nationalistischen Putschs, traf der portugiesische Diktator den portugiesischen Bankier Ricardo Espírito Santo, Präsident der BES-Banco Espírito Santo, um ihn von der dringenden Notwendigkeit zu überzeugen, den Aufstand Francos finanziell zu unterstützen. Salazar trieb die Propagandakampagne gegen die spanische Republik und kooperierte mit der spanischen Opposition in der Vorbereitung eines Putschs. Damit wollte er zweierlei erreichen: die Niederlage der Republik in Spanien und die Befestigung seiner eigenen Diktatur, zehn Jahre nach dem militärischen Coup am 28. Mai 1926 in Portugal. Salazar sprach mit Bankiers und mit großen portugiesischen Unternehmern, diese sollten den militärischen Widerstand der Nationalisten in Spanien mitfinanzieren. Denn ansonsten würden die wirtschaftlichen und sozialen Projekte der Regierung der Volksfront in Madrid früher oder später auch in Portugal stattfinden. Die Hilfe für die Aufständischen sei absolut notwendig, sagte Salazar dem Gründer der CUF (Companhia União Fabril) Alfredo da Silva, mit Interessen in Sektoren wie Bank, Versicherungen, Schiffsbau und Reparatur, Bauunternehmen und Zement, sowie Manuel Bulhosa, der mit Öl sehr reich wurde. Alfredo da Silva gewährte im August 1936 den Vertretern der nationalistischen Regierung in Burgos, Andrés Amado, Gil Robles und Gabriel Maura in Lissabon sofort einen Kredit von 175.000 Pfund Sterling. Auch die Bank Totta, die Caixa Geral de Depósitos, die Bank Comercial, das Haus Casa Viana e Fonseca, die Banco Nacional Ultramarino und die Banco Espírito Santo u.a. überwiesen Geld an die Regierung von Burgos, um sie am Leben zu erhalten. Salazar leistete logistische und materielle Unterstützung für Franco und seine „Movimiento“: leichte Waffen, Tonnen von Munition, Flugzeuge, die von Deutschland und Italien geliefert wurden, Waggons voller Weizen – in einer Zeit, als in Portugal viele Menschen verhungerten. Portugal war „die Nachhut einer rebellierenden Armee in Kampagne” (César de Oliveira). Deutschland, Italien und Portugal hatten dem Nicht-Einmischungskommittee (London, September 1936) auch zugestimmt, aber das Prinzip der Nichteinmischung wurde von den deutschen Nazis, von den italienischen und den portugiesischen Faschisten nicht eingehalten. Die liberaldemokratischen Regierungen in Paris und London trugen, indem sie die Internationalisierung des Konfliktes vermeiden wollten, somit dazu bei, dass die spanischen Faschisten ständig begünstigt und die Republikaner sogar ihre Hilfen verlieren konnten. Deutschland sandte die Legion Condor, mit Instrukteuren, Piloten, Soldaten, 100 Flugzeugen, Panzerkampfwagen und Artillerie, Booten, Kriegsschiffen sowie U-Booten und im Jahre 1939 eine „Finanzhilfe“ in Höhe von 43.000.000 Pfund Sterling. Dafür erhielten deutsche Unternehmen (Siemens, IG Farben…) 135 Minenkonzessionen und Bergbaurechte. Die Elektron-Thermit Stabbrandbombe B1 wurde auf Guernica geworfen. Hans Eltze organisierte Kriegsmateriallieferungen sowie das Wolframgeschäft höchstpersönlich mit Salazar. Portugal wurde der erste Wolframexporteur der Welt und überhaupt in das Dritte Reich. Ein Sonderstab W unter Hermann Göring organisierte die Luftbrücken von Marokko nach Spanien, über die tausende Fremdlegionäre und Soldaten Francos sowie Tonnen Kriegsmaterial auf das spanische Festland transportiert wurden. Lissabon wurde ein wichtiger Hafen für den Empfang von Kriegsmaterial aus Deutschland und Italien für die spanischen Faschisten. In Portugal wurde auch Tetraethylblei verarbeitet und Flugzeugbenzin für die Frankisten hergestellt.

Italien nahm auch teil, mit dem Korps von freiwilligen Truppen – Corpo Truppe Volontarie, CVT – unter General Mario Roatta: 80.000 Mann, 1000 Flugzeuge, 2000 Artilleriegeschütze, 1000 Gefechtswagen, Kreuzer, U-Boote, Zerstörer… Aus Galway fuhren unter der Führung von Eoin O’Duffy 700 Soldaten nach El Ferrol, um die Frankisten zu stärken, alles organisiert von einem gewissen deutschen Joseph Veltiens. Auch polnische sowie rumänische Faschisten der Eisernen Garde kämpften für Franco. Salazar schickte ein Korps vom etwa 10.000 „freiwilligen“ Soldaten, die sogenannten „Viriatos“, die in nationalistische Einheiten Francos integriert wurden.

Die Sowjetunion stand grundsätzlich an der Seite der Spanischen Republik. Mexiko hat eine außerordentliche Solidarität zu den spanischen Flüchtlingen der besiegten Republik an den Tag gelegt. Weiterhin sind die „Brigadas internacionales“ zu erwähnen, die aus fortschrittlichen Menschen aus aller Welt, aus mindestens fünfzig Nationen, bestanden. Über sie sagte Dolores Ibarruri, sie seien „Leyenda” (Legende)! Ihre schlimmsten Feinde waren das Großkapital und seine ergebenen Diener: Hitler, Mussolini, Franco, Salazar…

In Portugal selbst haben die Antifaschisten ihre Solidarität mit dem spanischen Volk und seiner Republik bekundet, indem sie Attentate gegen den Diktator Salazar verübten, im nationalistischen Konsulat in Lissabon mit einer Explosion Schäden verursachten, weitere Anschläge gegen Radio Club Português verübten, eigentlich ein Radio, das sogar auf Spanisch Propaganda für Franco ausstrahlte, sowie bei Vacuum/Mobil Anlagen in Alcântara, die Benzinlieferanten der faschistischen Truppen, angriffen. Zuletzt gab es auch Explosionen in Waffenfabriken in Chelas/Lissabon und in Barcarena. Die Völker der Welt werden einmal verstehen, was alles in Spanien passierte …

Mit Dank an Delfim Cadenas für gute Zuarbeit!