75 Jahre Atlantik-Charta: Der Grundstein der Vereinten Nationen feiert Geburtstag

von Stefan Liebich

Am 14. August 1941 erklärten der britische Premierminister Winston Churchill und US-Präsident Franklin D. Roosevelt ihre gemeinsamen Prinzipien und Vorstellungen für eine Nachkriegsordnung. Diese Atlantik-Charta gilt als Grundstein für die Gründung der Vereinten Nationen im Frühjahr 1945. Ohne diese Vereinbarung sähe die Welt heute anders aus.

Vor 75 Jahren, am 12. Juni 1941, trafen sich Vertreter aus Australien, Kanada, Neuseeland, der Südafrikanischen Union und des Vereinigten Königreiches sowie der Exilregierungen von Belgien, Griechenland, Jugoslawien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Polen, der Tschechoslowakei und der französische General Charles de Gaulle im historischen St. James Palast in London und unterzeichneten die „Erklärung von St. James“. Darin äußerten sie ihren Wunsch nach einem internationalen Bündnis, das sich Frieden und Wohlstand für alle Völker zum Ziel setzt. Besonders ein Satz in der Erklärung wurde zum Sinnbild für die künftigen Vereinten Nationen: „Das einzig wahre Fundament eines dauerhaften Friedens ist die Bereitschaft freier Völker zur Zusammenarbeit in einer von der Bedrohung der Aggression befreiten Welt, in der alle wirtschaftliche und soziale Sicherheit genießen können“.

Unter dem Eindruck dieser Erklärung von St. James und des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion zehn Tage später trafen sich Roosevelt und Churchill vom 9. bis 12. August 1941 auf dem britischen Schlachtschiff HMS Prince of Wales und dem Kriegsschiff USS Augusta vor Neufundland. Das Treffen unterlag strengster Geheimhaltung. Erst als sich Churchill und Roosevelt am 14. August mit dem Ergebnis ihrer Beratungen an die Öffentlichkeit wandten, wurde die Zusammenkunft der beiden Regierungschefs bekannt.

Die von Roosevelt und Churchill beschlossene Atlantik-Charta umfasste mehrere zentrale Punkte, darunter: Verzicht auf territoriale Expansion, gleichberechtigter Zugang zum Welthandel und zu Rohstoffen, Verzicht auf Gewaltanwendung, Selbstbestimmungsrecht der Nationen, engste wirtschaftliche Zusammenarbeit aller Nationen mit dem Ziel der Herbeiführung besserer Arbeitsbedingungen, eines wirtschaftlichen Ausgleichs und des Schutzes der Arbeitenden, Sicherheit für die Völker vor Tyrannei, Freiheit der Meere und die Entwaffnung der Nationen, um ein System dauerhafter Sicherheit zu gewährleisten. In Anbetracht der Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges verpflichteten sich bereits im Januar 1942 neben den USA und Großbritannien auch die Sowjetunion und China sowie weitere 22 Nationen auf die Prinzipien der Atlantik-Charta. Das kurze Dokument wurde als „Deklaration der Vereinten Nationen“ bekannt. Die Gründung der UNO erfolgte schließlich noch vor Kriegsende im April 1945 mit der Verabschiedung der „Charta der Vereinten Nationen“ durch die Repräsentanten von 51 Staaten.

In diesem Jahr jährt sich die Verabschiedung der Atlantik-Charta zum 75. Mal und sie ist heute so bedeutend wie damals. Ohne die Gründung der Vereinten Nationen, ohne das gemeinsame Eingreifen der Alliierten im Krieg gegen Nazi-Deutschland wäre die Welt eine andere als die, die wir heute kennen. Im 75. Jubiläumsjahr der UNO-Gründung ist eine verstärkte Rückbesinnung auf zentrale Prinzipien wie „Verzicht auf territoriale Expansion, gleichberechtigter Zugang zum Welthandel und zu Rohstoffen, Verzicht auf Gewaltanwendung, Selbstbestimmungsrecht der Nationen und die Entwaffnung der Nationen“ unerlässlich, soll die Idee der vereinten Nationen nicht irreparablen Schaden nehmen.