Nomen est omen?

Peter Porsch

Es ist Sommer und ich will leichte Kost bieten; zum Lesen im Liegestuhl oder im Bett an einem verregneten Urlaubstag. Namen sind öfter Zeichen, sind öfter Lebensprogramm, als man denkt. Fangen wir doch gleich mit dem Wetter an. Es bereitet nicht selten Kummer. Christa Kummer heißt auch die Wetterfee des 2. Programmes im österreichischen Fernsehen. Da ziehe ich doch Tim Frühling, einen Meteorologen der ARD „tagesschau“, vor. Aber auch er kann uns vor Schwankungen des Wetters nicht bewahren, weshalb er einen Kollegen namens Karsten Schwanke hat. Wetter ist immer. Manchmal kommt es schrecklich daher. Notlandungen von Flugzeugen sind seltener, doch immer schrecklich. Von einer solchen im Hudson River berichtete ein Jim Schreckengast bei t-online. Ein Gastwirt in Landsberg, Sachsen-Anhalt, heißt Rausch. Der Wirt einer Berggaststätte in der Schweiz trägt den Namen Alexander von Almen. Eine Frau Lackner besitzt einen Malereibetrieb. Das ist für Frauen selten, weshalb sie, um keine Zweifel aufkommen zu lassen, ihren Betrieb in der Weiberfeldgasse in Graz hat. Admira Wien hatte einen Fußballtrainer namens Knaller. Die Mannschaft ist derzeit immerhin Vierter in der obersten österreichischen Liga. Ohne Knaller auf das gegnerische Tor geht das wohl nicht. Eine Assistenztrainerin der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft muss wiederum mit ihrem Namen Ballweg zurecht kommen. Amor ist der Gott der Liebe. Ein Frater Rafael Amor sprach im Bayrischen Fernsehen über den Zölibat und den Verzicht auf Familie. Gelernte DDR-Bürgerinnen und -Bürger wird es nicht wundern. Wir wussten, dass es neben der körperlichen Liebe auch noch die Liebe zur Sowjetunion gab. Der fromme Mönch hat da sicher auch Ersatz. Schmerzt ihn der Zölibat dennoch hin und wieder, sein Vorname tröstet: Rafael ist hebräisch und bedeutet „Gott heilt“. Versucht ihn der Teufel, hilft die Pastoralamtsleiterin der für den Mönch zuständigen katholischen Erzdiözese, Frau Prüller-Jagenteufel. Der Mönch kann sich darauf verlassen, dass die Sache gut ausgeht. Die Pastoralamtsleiterin trägt den Vornamen Veronika, die „Siegbringerin“. Dass ein Schweizer Literaturkritiker Zweifel heißt, wundert uns jetzt gar nicht mehr. Ein Herr Klingler ist Glockenbetreuer in einem Tiroler Dorf. Das gibt es in keiner Moschee. Die leichte Kost könnte jetzt allerdings schwerer werden, wenn mir die Namen der Pflichtverteidiger der NSU-Kurtisane Beate Zschäpe einfallen: Heer, Stahl und Sturm.

Ich habe noch viele Namen in meiner Sammlung. Die Sache gerät aber ins Delikate. Ein Prof. Uwe Hartmann heilt erektive Dysfunktionen und eine Frau Kastrati protestierte mit Damenbinden, auf denen feministische Botschaften standen. Lassen wir den Rest also in „Schwarzen Löchern“ verschwinden, die, bevor man sie entdeckt hatte, ein Karl Schwarzschild schon vorausgesagt hat. Es ist ja auch nicht alles originell, selbst wenn es die Bedingung für das nomen est omen erfüllt. Alexander Gauland träumt möglicherweise noch von einer Zeit, zu der in deutschen Landen Gaue Verwaltungseinheiten waren. Das sollte 1000 Jahre halten, zwölf schlimme waren es dann immer noch. Träumen wird er, der Gauland. Erinnern braucht man ihn daran nicht. Er kann sich gewöhnlich an nichts erinnern. Sein Gedächtnis ist unerforschlich wie Gottes Wege und wie die Wege des Sigmar Gabriel von der SPD. Dessen Namenspatron, der Erzengel Gabriel, verkündete einst Mariäen ihre „unbefleckte Empfängnis“. Eine solche nimmt er für sich ebenso in Anspruch, wenn er so manche CDU-Einfälle mit in die Welt setzt. Sein Name kommt aus dem Hebräischen. „Gott hat sich stark gezeigt“ oder „Mann Gottes“ bedeutet Gabriel. So mancher Geldsack hält ihn für einen solchen wegen seiner Absage an die Vermögenssteuer. Neuerdings erinnert sich der Gabriel wieder der Mühseligen und Beladenen und eines „linken Lagers“. War ja nicht immer so. Aber Gott macht die Seinen offensichtlich stark in Wahlzeiten. Wohlan Sigmar! Bist Du nicht (wenigstens auf althochdeutsch) der, „der den Sieg verkündet“, der, „der für den Sieg berühmt ist“? – Mal sehen, ob jetzt nomen auch gleich omen?