Drei Monate im Abgeordnetenbüro Jörn Wunderlich

Als ich vor zwei Jahren mein Austauschjahr an der Freien Universität in Berlin absolvierte, habe ich junge Menschen kennengelernt, die sich im Rahmen eines Internationalen Parlamentsstipendiums (IPS), das vom Deutschen Bundestag zusammen mit der Freien Universität, der Humboldt-Universität sowie der Technischen Universität vergeben wird, in Berlin aufhielten. Jedes Jahr dürfen 120 Stipendiaten mit einem abgeschlossenen Hochschuldiplom aus 41 Ländern fünf Monate die Abläufe im Deutschen Bundestag verfolgen und davon drei Monate direkt in einem Abgeordnetenbüro arbeiten.

Als ich die Gelegenheit hatte, IPSler aus meinem Land Kosovo kennenzulernen, war es mir sofort klar, dass ich das auch machen möchte. Einblicke in die interne Funktionsweise, Zusammenhänge und Verfahrensabläufe des Parlaments zu erhalten und sie danach in meinem Heimatland umzusetzen, war mein Hauptziel. Darum habe ich mich für das Programm beworben. Aber dass die Zeit so schnell kommen wird, und ich diesen Traum erleben werde, habe ich nicht wirklich geglaubt.

Mit sehr viel Motivation, Arbeitsmut und Optimismus kam ich nach Berlin, ohne zu wissen, was mich erwarten wird. Die ersten Tage verliefen wie im Traum und ich konnte es gar nicht glauben, dass ich es geschafft hatte. Das Kennenlernen mit den anderen IPSlern der einundvierzig Nationen war zuerst das Wertvollste, das mir passieren konnte. Wir haben sofort über alles Mögliche diskutiert und es war mein Wunsch mein Land zu präsentieren, denn nicht alle wussten viel über den Kosovo und darüber, wie wir leben.

Nach vielen Seminaren, Treffen und kleinen Exkursionen z.B. in die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Thüringen war es soweit. Ich lernte zum ersten Mal den Abgeordneten Jörn Wunderlich kennen und mein Praktikum im Büro begann, auf das ich sehr gespannt war. Für mich war es wichtig, ein Büro-Team zu finden, in dem ich viel lernen kann, willkommen bin und jeder Tag für mich eine Herausforderung ist. Genau das habe ich gefunden. In meiner ersten Sitzungswoche wurde ich im Arbeitskreis IV, in der AG Familie und in der Fraktionssitzung vorgestellt und fühlte mich gut aufgehoben.

„Mein Abgeordneter“ ist Mitglied im Familienausschuss und im Rechtsausschuss. Die Teilnahme an diesen Ausschüssen ist für mich sehr spannend, obwohl die Themenbereiche für mich fremd sind. Aber ich habe viele Anregungen erhalten, die Familienpolitik in meinem Land zu verbessern. Neben der allgemeinen Büroarbeit waren für mich die Parlamentarischen Abende sehr ereignisreich, bei denen ich meinen Abgeordneten begleiten durfte. Bei guten Vorträgen und Gesprächen hatte ich die Gelegenheit, wichtige Menschen zu treffen – wie zum Beispiel die Schwester von Barack Obama, Auma Obama oder die deutschen Weltmeister, den Fußballer Thomas „Icke“ Häßler oder die deutsche Fechterin Britta Heidemann.

Meine bisherige Erfahrung im Büro Jörn Wunderlich ist völlig neu in meinem Leben und ich bin sehr positiv beeindruckt. Ich freue mich auf den letzten Monat, der vor mir steht. Und ich bin stolz der neuen Generation in meinem Land als ehemalige IPSlerin zu berichten.

Erblina Loshaj, 23, Diplom-Journalistin, Kosovo

„Ich war angenehm überrascht über das freundliche und aufgeschlossene Wesen von Erblina Loshaj, als ich sie das erste Mal traf. Im Büro konnte sie sich ausgesprochen schnell in unser Team integrieren. Zugleich habe ich sie zu allen Terminen mitgenommen, soweit dies möglich war. Aus ihrem Bericht kann man ersehen, dass der Einblick in die parlamentarischen Tagesabläufe für sie eine völlig neue Erfahrung ist, die sie auch in ihr Heimatland transferieren möchte. Daher hat sich meine Überzeugung erneut bestätigt, dass Einblicke in die parlamentarische Demokratie und das Kennenlernen und Austauschen von jungen Menschen über Ländergrenzen hinweg die beste Friedens-, Außen- und Sicherheitspolitik sind, die es gibt.“

Jörn Wunderlich