Der richtige Zeitpunkt

von Rico Gebhardt

Kommt ein Laizist zum Katholikentag … Nein, das ist nicht der Beginn eines absurden Witzes, sondern mein Terminkalender vom 25. Mai 2016. Ich war eingeladen zur Eröffnungsfeier, trotz oder gerade wegen unserer Kritik an der staatlichen Finanzierung dieser Veranstaltung, und ging hin. Und ich war nicht alleine da. Eine ganze Reihe von Veranstaltungen widmete sich dem kritischen Verhältnis zur Institution Kirche und, man höre, dem Laizismus. Dialog also.

Gleichzeitig fand der Magdeburger Parteitag statt. Die sächsische LINKE hatte ihren Laizismus-Antrag mitgebracht. Im Vorfeld hatte es dazu viel Zustimmung nicht nur aus den eigenen Reihen gegeben. Mancher warf aber ein, dass es bei aller Übereinstimmung doch der falsche Zeitpunkt sei – gerade im Hinblick auf den Katholikentag und auf das kirchliche Engagement für Geflüchtete. War es der falsche Zeitpunkt? Nein. Wenn selbst der Katholikentag es schafft, über Laizismus zu reden, wenn tausende Menschen anderen Glaubens kommen, dann sollte DIE LINKE ihr Verhältnis zur Religion und zur Institution Kirche klären. Ja, wir kommen da mit den Kirchen nicht überein. Aber im Bewusstsein dieser Unterschiedlichkeit kann man auch ehrlichen Herzens in anderen Fragen zusammen wirken. Ich habe in Leipzig jedenfalls niemanden getroffen, der uns den Antrag übel nahm.

Nun ist der Katholikentag vorbei. Wir haben immer noch keine Entscheidung getroffen. Gut – dann eben 2017. Dann ist übrigens Reformationsjubiläum, mit acht staatlich finanzierten Kirchentagen. Wieder der falsche Zeitpunkt? Oder genau der richtige?