Die PCP und die Diktatur des Estado Novo

von L. Rosa

Portugal ist eine alte Nation und seit dem 12. Jahrhundert ein unabhängiger Staat. Das Land lebte unter vier Dynastien der Monarchie, bis zum 5. Oktober 1910. An diesem Tag wurde nach einer erfolgreichen bürgerlichen Revolution die Portugiesische Republik ausgerufen. Zwischen 1910 und 1926 erlebte das Land eine sehr unstabile Lage: monarchistische Verschwörungen und schwache, kurzlebige bürgerliche Regierungen prägten das politische Leben in oft turbulenter Atmosphäre. Bürgerliche Kräfte, demokratische, republikanische, liberale, monarchistische Politiker und Parteien wechselten ihre Bündnisse ständig und hatten leichtes Spiel gegen das Volk. Die anarcho-gewerkschaftlichen Kräfte mit ihrer Taktik (direkte Aktion und allgemeiner Streik) waren nicht in der Lage, die Arbeiterklasse erfolgreich zu leiten, die unter großer Ausbeutung, Armut, Analphabetismus und Repression litt. Die sogenannte Erste Republik ließ viele Strukturen der Monarchie intakt und konnte die Probleme der Arbeiter oder den Rückstand des Landes nicht überwinden. Bereits im Jahre 1917, mit Sidónio Pais, musste Portugal eine proto-faschistische Erfahrung erleiden.

Das Echo der Oktoberrevolution wurde weltweit gehört und hat auch die fortschrittlichen Schichten und die portugiesische Arbeiterklasse positiv beeinflusst. Zwei Jahre nach ihrer Gründung führte die PCP ihren ersten Parteitag durch, der vom 10. bis zum 12. November 1923 stattfand. Während dieses Parteitags forderten schon einige Delegierte eine Bodenreform nach dem Motto: „Die Äcker denen, die sie bestellen“. Oder: Sie verlangten acht tägliche Stunden Arbeit auf den Feldern. Die Tagung wurde streng von der Polizei überwacht. Und schon zu dieser Zeit spürten die Delegierten die Gefahren des Faschismus, sowohl im Lande als auch international. Die Zeichen aus Italien und Spanien mit Mussolini und Primo Rivera wurden immer deutlicher. Die PCP war immer bei der Arbeiterklasse fest verwurzelt, forderte Sozialdemokraten und Anarchisten zur Einheit gegen faschistische Kräfte heraus, aber leider blieb ihr Ruf nach gemeinsamem Widerstand erfolglos. Am 18. April 1925 probten die Großbourgeoisie und die Großgrundbesitzer mit militärischen Putschisten den Aufstand gegen das Volk, aber dieser Versuch scheiterte.

Erst am 28. Mai 1926 konnte ein neuer Putsch die Erste Republik im Lande beseitigen. An ihre Stelle trat der sogenannte Estado Novo, eine Militärdiktatur, die sich allmählich zu einem faschistischen, korporatistischen Ständestaat entwickelte. Der zweite Parteitag der PCP wurde am 28. und 29. Mai 1926 durchgeführt und durch den gleichzeitigen Putsch stark konditioniert. Die Partei wurde nach dem Putsch sofort verboten, wie alle Parteien. Der Estado Novo, inspiriert von Mussolinis Muster, duldete kein parlamentarisches Leben, wollte nur seine eigene Partei haben. Die Sozialdemokraten lösten sich selbst auf. Die Parteien der Ersten Republik verschwanden sämtlich. Die PCP ging jedoch in die Illegalität und organisierte den antifaschistischen Widerstandskampf bis zur Niederlage des Faschismus, bis zur ruhmreichen Nelkenrevolution am 25. April 1974.

Nach der Gründung und trotz aller Schwierigkeiten einer neuen Partei mit wenigen Jahren in Existenz (z. B. die Absetzung eines Generalsekretärs im Jahre 1925), konnte sie dank ihrer Klassennatur immer bestehen, und zwar bis heute. Schon im Jahre 1929 hatte sie eine starke Organisation und einen sehr begabten Revolutionär als Generalsekretär, Bento Gonçalves!, der später im KZ Tarrafal sterben würde. Die Repression nahm zu, die Führung von Diktator Salazar wurde immer stärker. Die PCP und ihre Anführer wurden Hauptziel staatlicher Unterdrückungsmaßnahmen. Viele KommunistInnen wurden von PIDE (die portugiesische Geheimpolizei nach Gestapomuster) gefoltert, getötet, verbannt nach Angola, Timor oder ins Internierungslager Tarrafal auf den kapverdischen Inseln gesteckt. Viele verstarben dort unter unmenschlichen, ja grausamsten Bedingungen. Bis heute kämpft die PCP in Portugal für mehr Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Fortschritt, für Sozialismus und Kommunismus.

Die PCP – Partido Comunista Português – (portugiesische kommunistische Partei) ist eine der ältesten, aktiven Kommunistischen Parteien in Europa. Die Partei wurde am 6. März 1921 in Lissabon als portugiesische Sektion der Komintern (Kommunistische Internationale) gegründet; sie betrachtet sich als eine marxistisch-leninistische Partei, die Avantgarde der portugiesischen Arbeiterklasse, als patriotische und internationalistische Partei.