Fritz Heckert, eine Chemnitzer Persönlichkeit

von Raimon Brete

Chemnitz, Mühlenstraße 9, Dachgeschoss: Fritz Heckert wurde am 28. März 1884 geboren. Seine Entwicklung vom Chemnitzer Arbeiterjungen zu einer führenden Persönlichkeit der Gewerkschaftsbewegung endete vor 80 Jahren am 7. März mit seiner Zuversicht: „Ihr werdet‘s weiterführen“.

Fritz Heckert begann nach dem Besuch der Volksschule eine Lehre als Maurer bei Meister Viertel in der Lutherstraße. In dieser Zeit lernte er bereits Rosa Luxemburg kennen. Später sammelte er als Mitglied der SPD und gewerkschaftlich organisierter Maurer auf zahllosen Baustellen in Mitteleuropa vielfältige Erfahrungen im Kampf um menschenwürdige Arbeitsbedingungen.

Die Beschäftigung mit Werken von Marx und Engels und als Schüler von Hermann Duncker ließen ihn früh in Gegenpositionen zum Reformismus geraten, dessen Vertreter damals die deutschen Gewerkschaften beherrschten. „Chemnitz war eine Hochburg des Revisionismus“, so Heckert, und „alles stand unter dem Einfluß Bernsteinscher Ideen. Wer gegen diese Einstellung der lokalen Führer auftrat, wurde als Stänkerer und Anarchist verschrien“.

In der Folge wurde Fritz Heckert ein streitbarer Gefährte von Karl Liebknecht und Leo Jogiches. Er arbeitete mit Ernst Thälmann sowie Wilhelm Pieck in der Führung des „Spartakus“ und der KPD.

Er kämpfte mit heißem Herzen um die Einheit der Arbeiterklasse und aller Werktätigen, und er wurde im Zuge der Ereignisse im Jahre 1923 für ein Dreivierteljahr Wirtschaftsminister in der sächsischen Landesregierung. Im Oktober schlug die Reichswehr zu. Reichspräsident Ebert und Reichskanzler Stresemann: „Sachsen ist exekutiert“. 1924 folgten ein Hochverratsprozess und Haft in Moabit. Hier schrieb er u.a. „Die deutschen Gewerkschaften und der Kampf um die Einheit“. Fritz Heckert referierte 1926 auf dem Kongress der Werktätigen in Berlin zu Fragen der „Rationalisierung und Kriegsgefahr“. 1932 führte er gemeinsam mit Ernst Thälmann sowie Wilhelm Pieck ein fünfstündiges Gespräch mit sozialdemokratischen Arbeitern über die Einheitsfront. Dazu schrieb das Reichsinnenministerium im Lagebericht: „Im ganzen Reiche gehen die praktischen Einheitsfrontaktionen weiter. SPD-Betriebsräte gehen mit roten Kollegen zusammen. Reichsbannermitglieder erscheinen als Delegierte ihrer Kameraden in kommunistischen Versammlungen“.

Zur Wahl des Reichspräsidenten im Jahre 1932 warnten Kommunisten: „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler. Wer Hitler wählt, wählt den Krieg“, und die Kommunisten waren bereit, für einen sozialdemokratischen Kandidaten die Kandidatur Ernst Thälmanns zurückzuziehen. Die Sozialdemokratie aber entschied sich für Hindenburg – „um Hitler zu verhindern“. Hindenburg siegte; und was dann kam, wissen wir.

In der Zeit des antifaschistischen Kampfes wurde Fritz Heckert nach Moskau delegiert. Hier arbeitete er in politischen Gremien und war Mitglied des ZK und des Politbüros der KPD. Trotz seines schlechten Gesundheitszustandes bewältigte er ein umfangreiches Pensum. Am 9. April 1936 ruhte 16:30 Uhr auf dem Roten Platz der Verkehr – die Urne von Fritz Heckert wurde an der Kremlmauer beigesetzt.

Nach 1945 trug die Hochschule des FDGB in Bernau seinen Namen, genauso sind in Chemnitz ein zentraler Platz sowie ein bedeutender Maschinenbaubetrieb und ein großes Neubaugebiet nach ihm benannt wurden. Die Gedenkstätte in seinem Geburtshaus (heute Heck-Art) wurde nach 1990 aufgelöst und zerstob in alle Winde.

Raimon Brete war Lehrling/Maschinebauer im Fritz-Heckert-Werk in Karl-Marx-Stadt.