Der Beauftragtenrat und das Kreispat_innenkonzept

von Daniel Peisker

Politisches Engagement ist nicht immer einfach – insbesondere dann, wenn es darauf abzielt, die bestehenden Verhältnisse grundlegend zu verändern. Je nach Wohnort ist es für junge Menschen unterschiedlich schwierig, sich in politischen Gruppen zu organisieren und tätig zu werden. In den drei kreisfreien Städten beispielsweise ist es an sich kein besonders kompliziertes Unterfangen, etwa in einer linksjugend-Basisgruppe aktiv zu werden. Die Wege sind kurz und mit Aktionen können schnell viele Menschen erreicht werden.

In den zehn sächsischen Flächenlandkreisen gestaltet sich dies zumeist ungleich schwieriger. Was tun, wenn man Menschen, die auch Bock auf Veränderungen haben, im eigenen Dorf mit der Lupe suchen muss, verschiedene Aktionen aufgrund mangelnden Publikums Gefahr laufen, Reinfälle zu werden oder Anfeindungen seitens Neonazis an der Tagesordnung sind? Ja, als alternativer Jugendlicher auf dem Lande hat mensch es nicht leicht. Dabei ist doch gerade in strukturschwachen Regionen das Engagement am Wichtigsten!

Um genau jene Menschen bei ihrem politischen Wirken zu unterstützen oder sie überhaupt erst zum Aktionismus zu ermutigen, gibt es in der linksjugend [‘solid] Sachsen seit einiger Zeit das sogenannte Kreispat_innenkonzept, das sich nun der im Oktober neu gewählte Beauftragtenrat in ganz dicken Lettern ganz dick auf die Fahnen geschrieben hat. Das Konzept beinhaltet, dass jedem Flächenlandkreis mindestens eine Person aus dem Beauftragtenrat zur Seite gestellt wird, die als konkrete_r Ansprechpartner_in bei allen möglichen Fragen fungiert, bei möglichst vielen Plena anwesend ist und vor allem bei Problemen vermitteln kann. Außerdem können so die einzelnen Gruppen viel besser miteinander vernetzt werden, was den Boden für gemeinsame Aktionen bereitet. So hat sich beispielsweise in den ersten Wochen des noch immer jungen Jahres 2016 der linksjugend-Kreisverband Meißen quasi neugegründet.

„Uns eint, dass wir die Verhältnisse auf dieser Welt nicht einfach so akzeptieren wollen, wie sie sind. Dass uns Ungerechtigkeiten jeglicher Art wahnsinnig ankotzen. Dass uns der Hass auf andersaussende, -gläubige -liebende oder -denkende Menschen wahnsinnig wütend macht. Sei es in Hinsicht auf globale Probleme, in unserem Land oder direkt vor Ort. Wir wollen ein Sammelbecken für alternative, junge Menschen schaffen, in dem sich alle wohlfühlen und aus welchem heraus wir gemeinsame Projekte starten können. Wir finden, dass genau so etwas im Landkreis Meißen fehlt. Und deshalb gehen wir das Ganze an“. So schreiben sie in ihrer ersten gemeinsamen Mitteilung. Wir hoffen, dass sich in vielen Regionen Sachsens ähnliche Entwicklungen zeigen und es bald noch einige aktive linksjugend-Basisgruppen mehr gibt, die wir als BR tatkräftig unterstützen können. Das dürfte dann auch für die älteren Genoss_innen erfreulich sein, nicht nur in Hinblick auf die demographische Situation der Mutterpartei. Es gibt kein ruhiges Hinterland!