Wie kommt es zur Bildung einer Seniorenvertretung? Beispiel Freital

von Peter Müller

Im Hinblick auf die kommunale Seniorenpolitik ist der demografische Wandel der Ausgangspunkt aller Überlegungen. Die älteren Menschen leben heutzutage selbstbestimmter und nach anderen „Altersbildern“ als die vergangenen Generationen und sehen die Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben als eine Möglichkeit, mit ihren Lebenserfahrungen und ihrem Wissen an einer gesellschaftlichen Tätigkeit teilzunehmen.

Doch wie sind gegenwärtig die Kommunen in Sachsen praktisch auf die Anforderungen zur „Teilhabe und Mitwirkung der Senioren“ eingestellt? Was wird getan, damit sich z. B. aus der Erkenntnis „Selbständiges Wohnen im Alter“ bzw. „Lieber daheim als im Heim“ auch die notwendigen Aufgaben ableiten? Welchen Stellenwert nimmt die Seniorenpolitik in der Kommune ein? Antworten findet man in den Kommunen, in denen schon längere Zeit Seniorenvertretungen auf sich aufmerksam machen, wie z. B. in Pirna oder Meißen, den Nachbarkommunen von Freital.

Als Bürger und Senior aus Freital stelle ich mir die Frage, warum es in unserer Stadt gegenwärtig keine Seniorenvertretung gibt. Das frage ich, weil ich aufgrund meiner Teilnahme an den Fachkonferenzen der Landesseniorenvertretung für Sachsen (LSVfS) mit Mitgliedern der Seniorenbeiräte oder -vertretungen in einem Erfahrungsaustausch treten konnte. Ein Blick ins Internet zur Geschichte der Seniorenvertretungen zeigt, dass die ersten Gremien einer Seniorenvertretung 1970 im Westen der BRD gebildet wurden. Ihre Anzahl ist bis heute auf über 1500 angewachsen.

In Pirna wird 2016 ein Jubiläum gefeiert: 25 Jahre Seniorenvertretung. Nicht ganz so lange, aber immerhin schon seit 2002 gibt es in Meißen eine Seniorenvertretung. Allein diese Beispiele zeigen, dass es doch möglich sein sollte, ähnliches in Freital zu organisieren. Aber wie beginnen?

Als erstes nahm ich Kontakt mit dem Koordinationsbüro für Soziale Arbeit der Stadt Freital auf. Die Aufgaben und Ziele dieses Büros verbinden sich u.a. damit, dass – Zitat – „jeder Bürger unabhängig von Wohnort, Alter, Herkunft, Geschlecht und sozialem Status Zugang zu bedarfsgerechten sozialen Angeboten hat“. Die nächsten Schritte führten mich zu Gesprächen mit den Leitungen der Seniorenvereine in Freital. Dabei ist mir aufgefallen, dass jeder Seniorenverein allein für sich eine hervorragende Arbeit in seinem Stadtgebiet leistet. Aber auch hier die Feststellung, dass eine gewisse Mitwirkung in der kommunalen Seniorenpolitik nur im Bedarfsfall und dann als Einzelaktion des jeweiligen Vereins in Anspruch genommen wird. In den Stadtverwaltungen von Pirna und Meißen haben die Gleichstellungsbeauftragten die Belange der Seniorenarbeit übernommen haben. Damit gibt es einen „kurzen Weg“ zwischen der Basis in der Seniorenarbeit über die Stadtverwaltung bis hin zum Oberbürgermeister.

Senioren sind heute bis in das hohe Alter fit und erwarten keine Seniorenpolitik FÜR, sondern MIT den Senioren. Im Ergebnis aller Gespräche kam zum Ausdruck, dass es auch in Freital nötig ist, eine Seniorenvertretung zu bilden. Deshalb luden wir zur Informationsveranstaltung in Freital – auch über das Koordinationsbüro für Soziale Arbeit, die LSVfS Seniorenvereine und Pflegedienste und die Stadtverwaltung. Auch der seniorenpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Horst Wehner, erhielt eine Einladung. Bei dieser ersten Veranstaltung bestand allgemeine Zustimmung darüber, dass das Vorhaben „Seniorenvertretung in Freital“ weiterhin im Blick bleiben muss. Dieses Signal ist auch bei dem Oberbürgermeister und dem 1. Bürgermeister angekommen. So fand am 19. Januar 2016 ein Gespräch mit beiden statt. Es wurde der Standpunkt der Stadtverwaltung zu dem Thema „Seniorenvertretung“ dargelegt und betont, dass gegenwärtig keine Defizite in der Seniorenarbeit in der Stadt FTL bekannt seien und die Seniorenvereine sowie insbesondere das Koordinationsbüro für Soziale Arbeit eine gute Arbeit leisteten. Deshalb sehe die Stadtverwaltung keine Notwendigkeit, gegenwärtig extra noch ein Gremium dafür zu bilden.
Es wurde der Vorschlag besprochen, zunächst mit den bisher zur Mitarbeit bekannten Bürgern/Senioren über die weitere Vorgehensweise zu beraten. Auch eine Öffentlichkeitsarbeit über die lokale Presse kann dabei in Betracht gezogen werden. Die Unterstützung des Koordinationsbüros ist dafür gegeben. Für diesen Vorschlag gab es allseitige Zustimmung.