Auch SexarbeiterInnen verdienen Selbstbestimmung

von Susanna Karawanskij

Dem Thema Prostitution begegnete ich bei der LINKEN erstmalig durch Conny Ernst (MdEP), die als damalige Abgeordnete im Sächsischen Landtag eine Anhörung anstieß, bei der verschiedene Sachverständige gehört wurden. Ich selbst arbeitete zu dieser Zeit in einem Forschungsprojekt an der Universität Leipzig zum Thema grenzübergreifender Prostitution, und unsere Professorin sowie weitere Wissenschaftlerinnen des Projekts waren an der Diskussion beteiligt. Das Prostitutionsgesetz, kurz ProstG, schuf 2002 einen Meilenstein in Sachen Entkriminalisierung von SexarbeiterInnen. Damit galt das Prostitutionsgewerbe nicht mehr als sittenwidrig und die Grundlagen für faire Arbeitsbedingungen oder Beschäftigtenschutz wurden gelegt. Nun, nach über 13 Jahren, gibt es Änderungsbedarf am Gesetz. So sind beispielsweise SexarbeiterInnen, die in großen Teilen als FreiberuflerInnen arbeiten, kaum sozial abgesichert. Sehr wohl müssen sie Steuern zahlen, aber der Zugang in die Sozialversicherungssysteme, also Renten- wie Arbeitslosenversicherung oder auch bezahlbare Gesundheits- bzw. Pflegeleistungen bleiben ihnen verwehrt.

Es gibt noch weitere Ecken, an denen das bestehende ProstG im Sinne von vernünftigen Arbeitsbedingungen und dem Selbstbestimmungsrecht von SexarbeiterInnen verändert werden sollte. Doch die öffentliche Diskussion ist leider oftmals nicht ziel- oder lösungsorientiert, sondern ein in weiten Teilen emotional geführter Diskurs, der sowohl teilweise auf falschen Annahmen basiert als auch Sachverhalte vermischt. Um es deutlich zu formulieren: SexarbeiterInnen verkaufen nicht ihren Körper; sie verkaufen, so schwierig das manchmal zu denken und dann auch abzugrenzen ist, eine Dienstleistung. Zum zweiten sind die Straftatbestände des Menschenhandels und der Zwangsprostitution von der selbstbestimmten Sexarbeit und damit vom Prostitutionsgesetz klar abzugrenzen. Beides hat mit den Regulierungen des ProstG nichts zu tun, sondern ist eben strafbar.

Nun könnte man die Position einnehmen, dass Prostitution bzw. Sexarbeit ein moralisch verwerfliches Gewerbe sei und verboten gehöre. Daran schließt sich allerdings die Frage an, ob nach einem Verbot tatsächlich keine Prostitution mehr stattfände. Erfahrungen und Untersuchungen aus der Vergangenheit verdeutlichen vor allem eines: Verbote machen jene DienstleisterInnen gesellschaftlich „unsichtbar“. Sie hätten kaum Schutz und würden wiederholt stigmatisiert und letztlich diskriminiert. Es braucht eine Stärkung der Rechte von SexarbeiterInnen. Deshalb fordert die LINKE im Bundestag in diesem Sinne gesetzlich verankerte Verbesserungen, um die Selbstbestimmung dieser Berufsgruppe zu garantieren.