Reihe Willkommensbündnisse: „Arbeitskreis Ausländer und Asyl Freiberg e.V.“

von Hans Weiske

Das Engagement für asylsuchende Menschen und ausländische Studierende hat in der Berg- und Universitätsstadt Freiberg eine lange Tradition. Die menschliche Zuwendung zu den ausländischen Mitbürgern feierte bereits im Jahr 1994 einen großen Erfolg. Damals gelang es einer kleinen Gruppe engagierter Freiberger Bürger in einem spektakulären Fall, einer Mutter mit ihrer kleinen Tochter gegen den Widerstand der Behörden eine Wiedereinreise für eine Operation und anschließender Reha-Maßnahme in Deutschland zu ermöglichen. Dieser Erfolg schweißte zusammen! Von Anfang an dabei: Das Ehepaar Dr. Ruth Kretzer-Braun und Dr. Johannes Kretzer sowie Kornelia Metzing. Alle drei sind Mitglied der LINKEN. Die enge Zusammenarbeit der engagierten Gruppe verfestigte sich in den 90er Jahren immer mehr und führte schließlich zur offiziellen Gründung eines „Arbeitskreises Ausländer und Asyl Freiberg e.V.“. Seit 2002 ist Kornelia Metzing dessen Vorsitzende. Zurzeit hat der Arbeitskreis selbst 13 Mitglieder, wird aber durch viele weitere engagierte Mitstreiter unterstützt. Man sucht ständig weitere Helfer, wenn möglich mit Sprachkenntnissen, und findet sie auch. Denn mit den enorm angestiegenen Zahlen der in Freiberg untergebrachten Asylsuchenden und Flüchtlinge sind die Herausforderungen für den Verein, auch für die vom Diakonischen Werk Freiberg e.V. und der Freiberger Agenda 21 getragene Initiative „Wir sind Freiberg“, enorm angewachsen. Kornelia Metzing geht aktuell von über 900 Männern, Frauen und Kindern an den Freiberger Standorten aus, hinzu kommen noch die unter Verantwortung des Freistaates untergebrachten Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Notunterkunft in der Glückauf-Turnhalle der Bergakademie und einem daneben eilig aufgestellten beheizbaren Zelt.

Natürlich ist der Verein auf finanzielle Unterstützung angewiesen. In diesem Jahr erhielt man eine Förderung im Rahmen der „Aktion Mensch“ und einen Preis, gestiftet vom Kinderschutzbund und vom Sächsischen Ausländerbeauftragten. Dadurch war es möglich, wie Kornelia Metzing mit Freude feststellt, die Aktivitäten des Arbeitskreises bei der Flüchtlingsbetreuung noch weiter zu intensivieren. Neben Deutschkursen für Erwachsene und junge Erwachsene, der Sozialberatung vor allem für Flüchtlingsfamilien und der Suche nach Patenschaften im Rahmen des Projektes „Patenschaften für Flüchtlinge“ ist – vor allem durch die Förderung von „Aktion Mensch“ – inzwischen viel Neues hinzugekommen: Man holt die Kinder aus den Heimen, um ihnen die Stadt Freiberg mit ihren vielfältigen Freizeitmöglichkeiten wie Museen, Sportstätten, Kinder- und Jugendfreizeitstätten sowie die Bibliothek zu zeigen und sie so zum Mitmachen und zur Nutzung zu bewegen. Gemeinsam mit der Freiberger Außenstelle der Oederaner Volkskunstschule und der bedeutenden Freiberger Mineralienausstellung „terra mineralia“ wurde durch den Verein das Projekt „Steine der Welt – Welt der Steine“ für Flüchtlingskinder angeschoben. Dabei sahen die Kinder die verschiedenen Steine in Farben und Formen, redeten über Vulkane und die Entstehung der Steine und setzten ihre Erfahrungen mit verschiedenen Techniken auf Papier und in Ton um. Ein weiteres Projekt „natur Klang – welt Klang – einzel – Klang“ folgt derzeit. Hierbei arbeitet der Verein eng mit einem Blasmusik-Ensemble zusammen, das auf diesem Wege auch hofft, musizierfreudigen Nachwuchs zu finden. In der letzten Herbstferienwoche wurde – gemeinsam mit deutschen Kindern – ein Aufenthalt auf dem Kinderbauerngut Langenstriegis organisiert, sieben Flüchtlingskinder konnten das miterleben. Dabei wurde gemeinsam gespielt, gelernt, gebastelt, musiziert und Sport getrieben. In der Natur konnten die Kinder die Klangvielfalt erschließen und einfache Klanginstrumente aus Naturmaterialien bauen.

In Fortsetzung dieser Projekte sind weitere Begegnungen deutscher und Flüchtlingskinder in Freiberg geplant, um gemeinsam zu basteln und zu musizieren. Höhepunkt sollte für die Kinder ihr Auftritt beim „Fest der Kulturen“ sein, das seit 2002 alljährlich im Herbst in Freiberg gefeiert wird, vielleicht gelingt es dem Verein. Das „Fest der Kulturen“ ist eine Initiative des Arbeitskreises „Eine Welt und Integration“, in dem Akteure aus vielen Freiberger Vereinen im Sinne der interkulturellen Arbeit zusammenwirken. In diesem Jahr wurde es am 8. November im Konzert- und Ballhaus Tivoli gefeiert.
Für das kommende Jahr erhofft sich Kornelia Metzing Projekt-Fördermittel von der Sächsischen Aufbaubank und der Ausländerbeauftragten des Landkreises Mittelsachsen.